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Arbeitskampf: Unterstützung aus den USA

Johnson Controls Arbeitskampf: Unterstützung aus den USA

Vor knapp vier Wochen reagierten die Arbeiter von Johnson Controls auf die geplante Halbierung der Belegschaft mit einer Kundgebung. Nun gibt es Unterstützung durch einen Gewerkschafter aus den USA.

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Daraka Larimore-Hall (Vierter von rechts), Gewerkschaftsfunktionär aus den USA, zeigte sich solidarisch mit dem Betriebsrat von Johnson Controls in Friedensdorf.

Quelle: Andreas Schmidt

Friedensdorf. Zwar könne Daraka Larimore-Hall aus Kalifornien keine direkte Unterstützung im Arbeitskampf bieten. „Aber die amerikanischen Kollegen zeigen sich mit der Belegschaft in Friedensdorf solidarisch und zeigen, dass sie nicht alleine sind“, erläuterte Dr. Ulf Immelt, Gewerkschaftssekretär des DGB Mittelhessen.

Die US-Kollegen hätten jüngst bei Auseinandersetzungen in einem VW-Werk in Chattanooga Unterstützung von der IG Metall erhalten, als es darum gegangen sei, einen Betriebsrat zu etablieren. „Und diese Solidarität wollen sie jetzt ein Stück weit zurückgeben. Denn die internationale Solidarität ist auch ein Grundgedanke der Gewerkschaften“, sagte Immelt.

Larimore-Hall ist Funktionär der Automobilarbeitergewerkschaft UAW. Inzwischen arbeitet er als Generalsekretär der kalifornischen Demokraten. „Es war sehr interessant, sich mit den Arbeitern hier auszutauschen. Denn die Geschichte ist weltweit dieselbe“, sagt er. Es gebe multinationale Konzerne, die „unglaublich profitabel“ seien, aber sie übernähmen „keinerlei Verantwortung für die Menschen, die den Profit erwirtschaften“.

Arbeitnehmer auf der ganzen Welt würden „von diesen Konzernen ausgepresst, um den Profit zu steigern“. Das spiegele sich auch in der Geschichte des „Lahnwerks“, wie Johnson Controls ursprünglich hieß, wider: „Es war einmal ein inhabergeführtes Unternehmen. Jetzt werden die Entscheidungen von so genannten Experten in Milwaukee getroffen, für die Friedensdorf nur ein Fleck auf der Landkarte ist.“

Auswirkungen auf die gesamte Region

Larimore-Hall wisse, dass sich Entlassungen und Werksschließungen nicht nur unmittelbar auf die Arbeiter und ihre Familien auswirkten, „sondern auf die gesamte Region“.

Mit dem Betriebsrat in Friedensdorf habe er sich intensiv ausgetauscht, auch verschiedene Strategien durchgesprochen. Für den US-Gewerkschafter ist klar: „Wir müssen aggressiver vorgehen und auch daran arbeiten, dass unsere Belange öffentlich besser wahrgenommen werden.“

Er wisse auch, dass sich Strategien, die in Kalifornien funktionierten, nicht einfach auf Friedensdorf übertragen ließen - das sei auch nicht seine Intention. „Aber vielleicht haben die Kollegen einige Anregungen bekommen, was sie hier verwirklichen können“, so Larimore-Hall. Darüber wolle er aber nicht sprechen, denn: „Wenn sie etwas von unserer Strategie verwenden wollen, soll es eine Überraschung für die Arbeitgeber sein.“

Indes berichtete André Bentz vom Betriebsrat, dass die 240 Kollegen, die sich jüngst an der Protestkundgebung beteiligt hatten, abgemahnt worden seien. „Das hat die Belegschaft immens verunsichert“, sagt er. Doch wenn man eventuell am Wochenende in Biedenkopf auf dem Marktplatz demonstriere, hätte man die Aufmerksamkeit, „und niemand kann abgemahnt werden“, so Bentz.

Verhandlungspartner „sind sehr, sehr stur“

Betriebsratsvorsitzende Carmen Thomä erläutert, dass man in Verhandlungen für eine Rücknahme der Abmahnungen kämpfe, denn für diese gebe es keinerlei rechtliche Grundlage. „Doch unsere Verhandlungspartner sind da im Moment sehr, sehr stur“, so Thomä. Daher halte man sich den Rechtsweg offen. Die Masse an Abmahnungen zeige, dass sie „nicht einmal die Tinte wert sind, mit der sie geschrieben wurden“, meint die Betriebsratsvorsitzende, eine Rechtsgrundlage gebe es in ihren Augen nicht. Doch das passe zu der Firmenpolitik, die Arbeiter „immens unter Druck zu setzen“. André Bentz fügte hinzu: „Da ist es kein Wunder, dass der Krankenstand so hoch ist. Die Leute haben schlichtweg Angst.“

Bereits am Vorabend hatte der Betriebsrat die SPD-Fraktion Dautphetal bei einem Gespräch über den derzeitigen Stand der Dinge informiert. Mit Sorge betrachte man die momentane Situation, betonte der Fraktionsvorsitzende Joachim Ciliox.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte Hans-Peter Wieth schätzt die augenblickliche Situation als „ernst und schwierig“ ein. Er habe Informationen, dass Johnson Controls in Westeuropa über Schließungen von Standorten nachdenke. Die nächste Verhandlungsrunde mit dem Management finde am 13. Mai statt. Ziel sei es, mit den Verantwortlichen von Johnson Controls „eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden“.

Betriebsratsvorsitzende Carmen Thomä erläuterte, dass 2013 von der Geschäftsleitung die Zusage gemacht worden sei, den Mitarbeitern eine positive Zukunft aufzuzeigen, sofern die Arbeitsprozesse wesentlich verbessert würden. „Die neue Struktur hat zu Millioneneinsparungen geführt, jedoch sind bis heute weder ein verlässliches Dokument noch ein Zukunftskonzept vorgelegt worden“, sagte sie. Der Konzern habe jüngst zwei Großaufträge erhalten. Man wisse jedoch nicht, was von diesen für das Werk in Friedensdorf abfalle.

„Wir hoffen, dass sich bei Johnson Controls auf die Qualität besonnen wird, die hier geleistet wird. Johnson Controls muss weiter hier produzieren und darf nicht sterben“, so Joachim Ciliox. Auch die Politik müsse sich dieser Situation annehmen und gegebenenfalls Kontakte mit der Mutterfirma in Milwaukee aufnehmen.

von Andreas Schmidt

und Klaus Peter

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