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Arbeitnehmer darf sich nicht selbst gesundschreiben

Arbeitsgericht Arbeitnehmer darf sich nicht selbst gesundschreiben

Vergeblich hat ein Mitarbeiter des Kreisjobcenters des Landkreises Marburg-Biedenkopf versucht, im Eilverfahren kurzfristig Urlaub einzuklagen.

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Ein seit längerer Zeit kranker Kreisjobcenter-Mitarbeiter hat vor dem Arbeitsgericht auf Urlaubsgewährung geklagt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Gießener Arbeitsgericht entschied, dass eine langwierige Erkrankung des Mannes die Gewährung von Urlaub ausschließt.

Wie Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle erläuterte, habe der 51-Jährige, der in Stadtallendorf eingesetzt ist, erst am 23. Juli ab dem 28. Juli für sechs Wochen Urlaub beantragt. „Das ist extrem kurzfristig“, stellte Rühle fest. Der Kläger sei bis einschließlich des Verhandlungstages am 1. August wegen einer chronischen Krankheit arbeitsunfähig geschrieben. Zuvor habe er seit April 2013 mit Ausnahme von zwei Wochen aus diesem Grund bereits nicht gearbeitet.

Wie Rühle weiter ausführte, hat der Arzt des medizinischen Dienstes, den die Arbeitgeberseite eingeschaltet hatte, erst ein paar Tage vor der Verhandlung festgestellt, dass der Mann immer noch krank ist, psychische Probleme kämen hinzu, weshalb eine Therapie empfohlen worden sei. Der Arbeitnehmer könne nicht selbst entscheiden, dass er wieder gesund sei. „Eine kurzfristige Genesung ist gar nicht möglich, Wunder gibt es weder in Stadtallendorf, noch in Gießen“, betonte der Arbeitsrichter.

Obwohl der Arzt die angedachte Reise befürworte, könne der Arbeitgeber in diesem Fall gar keinen Urlaub genehmigen, sagte Rühle in seiner Urteilsbegründung. Auch wenn es für die Entscheidung der Kammer keine Rolle spiele, zeigte er allerdings wenig Verständnis für die Argumentation der Arbeitgeberseite, die Arbeitskraft des Mitarbeiters werde gerade jetzt in der Urlaubszeit gebraucht, weil andere bereits genehmigten lange beantragten Urlaub nehmen würden. Aufgrund der Erkrankung habe man mit dem Mann wohl kaum geplant. Die Beklagtenseite hatte zudem argumentiert, dass es Unmut geben könne, wenn man dem Urlaubsantrag des Klägers stattgegeben hätte, andere Urlaubsanträge seien schließlich auch negativ beschieden worden. Zudem habe er seinen Antrag ja auch so spät eingereicht.

Was das betreffe, so Rühle abschließend, gehe er davon aus, dass alleine das für jeden Arbeitgeber als Argument für die Ablehnung ausreiche und das Gericht wohl auch so entschieden hätte, wenn der 51-Jährige gesund gewesen sei.

von Heiko Krause

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