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Arbeit mit höchster Präzision

OP-Ausbildungsserie: Zerspanungsmechaniker Arbeit mit höchster Präzision

Schneiden, Fräsen, Stanzen – bis auf den hundertstel Millimeter genau. Zerspanungsmechaniker arbeiten nicht nur mit Metall, sondern vor allem mit Präzision und sind die Meister der hochmodernen, computergesteuerten Industriemaschinen.

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Ute Seim vom Arbeitgeberservice (von links), Betriebskonstrukteur Christian Becker, die Auszubildenden Jacques Petrikowski und Nicolas Baumbach mit Maschinenanlagenführer Nikolai Scheina an einer der umfangreichen, programmierbaren Produktionsmaschinen des Betriebes.Foto: Tannert

Marburg. Nicht nur in der industriellen Metallverarbeitung sind noch einige freie Ausbildungsstellen zu ergattern. Gab es Ende Mai landkreisweit noch 580 freie Ausbildungsplätze, zeigen aktuelle Erhebungen der Agentur für Arbeit, dass nach wie vor eine große Vielfalt und Wahlmöglichkeiten auf dem Ausbildungsmarkt herrschen. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es insgesamt noch etwa 430 unbesetzte Berufsausbildungsstellen. Diesen stehen wiederum zirka 580 unversorgte Bewerber gegenüber, teilte die Arbeitsagentur mit. Viele Betriebe sind bereits besetzt, andere haben weitere Stellen ausgeschrieben, aber selbst die Dauerrenner im Ausbildungskampf haben immer noch freie Plätze. Bewerben lohnt sich also nach wie vor, betont der Arbeitgeberservice.

Erst vor wenigen Tagen freute sich unter anderem die Backhaus GmbH in Stadtallendorf über neue Nachwuchskräfte. Das Montagebauunternehmen der Lagler-Gruppe hat sich auf Gießerei- und Schweißtechnik sowie Behälter-, Armaturen- und Maschinenbau spezialisiert.

Zahlreiche Mitarbeiter arbeiten in verschiedenen Bereichen der Industrietechnik. Darunter auch mehrere Industrie- und Zerspanungsmechaniker. Die Vertreter dieses Berufsbildes sind vor allem im Gießereien, im Maschinen-, Stahl-, Leichtmetall- oder Fahrzeugbau zu finden. Ihr Arbeitsplatz ist die Werk- und Maschinenhalle eines Betriebes. Sie arbeiten Hand in Hand. Zerspanungsmechaniker fertigen metallene Präzisionsbauteile für technische Produkte aller Art, wie etwa Zahnräder, Radnaben oder Motoren- und Turbinenteile. Der Großteil des Arbeitsalltags dreht sich um präzise Fräs- und Dreharbeiten.

Sie kennen sich nicht nur mit den Eigenschaften und der Bearbeitung der einzelnen Teile und des Materials, sondern auch mit dem Bedienen komplizierter, computergesteuerter Maschinen aus. Während eines Herstellungsprozesses arbei­ten sie mit Dreh-, Fräs- oder Schleifmaschinen, richten diese ein und modifizieren deren CNC-Programme. CNC-Anlagen (Computerized Numerical Control) sind leistungsstarke Werkzeugmaschinen, mit denen sich durch moderne Steuerungstechnik komplexe Werkstücke automatisch und mit hoher Präzision herstellen lassen.

Zerspanungsmechaniker bedienen die Maschinen, spannen Einzelteile aus unterschiedlichen Materialien sowie Werkzeuge ein, richten diese wiederholt aus und überwachen den Herstellungsprozess. Die komplexen Maschinen arbeiten bis auf den hundertstel Millimeter genau und darüber hinaus; dabei ist besondere Sorgfalt bei der Programmierung und stete Kontrolle der einzelnen Arbeitsschritte nötig. „Zerspanungsmechaniker begleiten den gesamten Fertigungsprozess und kümmern sich um das Drumherum“, erklärte Michael Maus, Betriebsleiter der Backhaus GmbH.

Physikalisches Wissen ist von Vorteil

Während der Produktion und danach ist eine stete Überprüfung der korrekten Programmierung und gefertigten Werkstücke nötig. Maße und Oberflächenqualität müssen genau den Vorgaben entsprechen. Mithilfe bestimmter Prüfverfahren werden diese sorgfältig überwacht. Wie die Industriemechaniker sind auch Zerspaner für Wartungs- und Inspektionsaufgaben der Maschinen und mechanischen Bauteile zuständig.

Eine Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein. So wie etwa den neuesten Mitarbeiter der Backhaus GmbH, Nicolas Baumbach. Der Auszubildende hat gerade seine Lehre als Zerspanungsmechaniker begonnen, ist jedoch schon jetzt begeistert: „Der Umgang mit den großen Maschinen ist richtig spannend.“ Im ersten Ausbildungsjahr wird er jedoch hauptsächlich zwischen Berufsschule und Praxiseinheiten im Berufsbildungszentrum wechseln, erklärte der Betriebsleiter. Metall­arbeiten, Sägen, Feilen, Bohren oder Schweißarbeiten gehören zu den Grundkenntnissen. Ab dem zweiten Jahr halten sich die Azubis häufiger im Betrieb auf, lernen Schritt für Schritt die großen Produktionsmaschinen kennen wie auch die nötige Handarbeit. „Die Azubis müssen den Fertigungsprozess von Grund auf lernen, auch wenn später die Maschinen die Arbeit übernehmen“, betonte Betriebsleiter Maus. Der präzise Aufgabenbereich dieses Berufes erfordert ein gutes Maß an handwerklichem Geschick und technischem Know-how. Mathematisches Verständnis ist wichtig, um etwa Maschineneinstellwerte genau berechnen zu können. Ebenso wie Kenntnisse im technischen Zeichnen, da Zerspanungsmechaniker in der Lage sein müssen, Einzelteilzeichnungen zu lesen und selbst anfertigen zu können. Von Vorteil ist zudem ein gutes physikalisches Wissen, um gegebenenfalls Werkstoffeigenschaften zu beurteilen.

Besondere physische Stärken werden weniger vorausgesetzt, der Beruf ist körperlich nicht besonders anstrengend. Dafür sind Teamarbeit und Konzentrationsfähigkeit gefragt, Zerspaner müssen auch in der lauten Umgebung der Produktionshallen konzentriert und sauber arbeiten können.

Durch den Fachkräftemangel in der Branche steigen die Verdienstmöglichkeiten für Zerspanungsmechaniker. Trotzdem sind viele Betriebe in der Metallverarbeitung noch auf der Suche nach adäquatem Nachwuchs. „Es gibt noch einige freie Stellen in diesem Ausbildungsbereich“, sagte Ute Seim von der Arbeitsagentur Marburg.

von Ina Tannert

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