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„Arbeit darf nicht krank machen“

Protest am UKGM gegen Überstunden „Arbeit darf nicht krank machen“

Bundesweit protestierten am Donnerstagmittag Beschäftigte aller Krankenhäuser mit einem „Überstundenberg“, um auf die Belastungen am Arbeitsplatz hinzuweisen – auch am UKGM.

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Erst bauten die Mitarbeiter den „Überstundenberg“ mit Kartons auf, dann protestierten sie für mehr Personal.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Wind machte den Betriebsratsmitgliedern zwar beim Aufbau der Kartons, die den Überstundenberg demonstrieren sollten, ein wenig zu schaffen. Doch die Forderungen hatten mit Komik nichts zu tun: „122.000 Überstunden“ prangte auf den Kisten. Denn auf so viele Überstunden kommen die Beschäftigten des UKGM.

Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher verdeutlichte in 
ihrer Ansprache, dass man mit der Aktion ein Zeichen setzen wolle: „Grundsätzlich sind die Beschäftigten im Krankenhaus zum Pflegefall geworden“, sagte sie. Der Berg an Überstunden „steht für Zeit, die Ihr nicht zuhause mit Euren Familien verbringt“, sagte Böttcher exemplarisch.

Die Arbeit sei trotz der vielen Überstunden und der hohen Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter nicht zu schaffen. „Es reicht nicht, wenn der Gesundheitsminister von der Stärke der Pflege am Bett redet und der Pflegebeauftragte der Bundesregierung verspricht, die Pflege voranzubringen. Sie müssen auch das notwendige Geld dafür in die Hand nehmen. Arbeit darf nicht krank machen“, forderte Böttcher.

35,7 Millionen Überstunden bundesweit aufgelaufen

Im Vorfeld der Aktion habe die Gewerkschaft Verdi bundesweit Überstundenmeldungen gesammelt. Demnach schieben die Beschäftigten in hessischen Krankenhäusern 2,44 Millionen Überstunden vor sich her – pro Person seien das 32,5 Überstunden, die bis zum Ende des ersten Quartals diesen Jahres nicht durch Freizeit oder Geld ausgeglichen waren. Und das Problem sei nicht auf Hessen beschränkt: Bundesweit belaufe sich die Zahl der Überstunden 
auf 35,7 Millionen. Auch in den Altenpflegeeinrichtungen sei die Belastung durch Über­stunden hoch.

Diese Zahlen verdeutlichten, was Pflegende und Beschäftigte schon lange erführen: Ohne 
ihr zusätzliches Engagement würde das System Krankenhaus nicht mehr funktionieren. Um die Versorgung der Patienten und Bewohner zu gewährleisten, würden Überstunden systematisch eingeplant.

Allein die zu viel geleistete Arbeitszeit würde mehr als 1200 zusätzliche Stellen in den hessischen Kliniken bedeuten. „Wir brauchen mehr Personal und fordern endlich eine gesetzliche Personalbemessung – und zwar jetzt“, verdeutlichte Bettina Böttcher.

von Andreas Schmidt

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