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Angeklagter soll Bande mitgegründet haben

Aus dem 
Landgericht Angeklagter soll Bande mitgegründet haben

Der Prozessmarathon rund um die Düsseldorfer Betrügerbande, die Millionen Euro mit falschen 
Aktien ergaunerte, geht vor dem Marburger 
Landgericht in die 
nächste Runde.

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Im Millionenprozess um Aktienbetrug riet der Richter dem ehemaligen Geschäftsmann zu einer geständigen Einlassung.

Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Marburg. Vier Fälle, darunter knapp 300 ähnliche Vorwürfe gewerbsmäßigen- und bandenmäßigen Betruges, wirft die Marburger Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Der zählte anscheinend zeitweise mit zur Führungsriege der organisierten Bande.

Der 46-Jährige war an der Gründung der ersten Scheinfirma Mitte 2014 beteiligt, baute gemeinsam mit dem Bandenchef „El Presidente“ ein gut organisiertes Netzwerk aus falschen Finanzberaterfirmen und Call-Centern auf. Dutzende Telefonverkäufer drehten risikofreudigen Kunden im ganzen Land falsche Aktien an. Damit scheffelten sie im Zeitraum von zwei Jahren mehr als sechs Millionen Euro.

46-Jähriger gründete 2015 eine eigene Fake-Firma

Alleine die erste gegründete Firma brachte etwa ein Drittel des Gesamtertrages ein. An der bunten, professionell organisierten Scheinwelt der Bande mischte der angeklagte Gebäudemakler kräftig mit, bevor er sich mit dem Chef anscheinend zerstritt und eigene Wege ging. Seit Mitte 2015 gründete der gebürtige Saarländer eigenständig Fake-Firmen, ließ seine Mitarbeiter falsche Aktien von Adidas, Volkswagen oder Bayer verhökern, so der Vorwurf.

Die üppige Anklageschrift vernahm der Beschuldigte am vergangenen Mittwoch mit unbewegter Miene. Im Gegensatz zu seinen vier Mittätern, die Anfang April teils zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, sitzt er alleine auf der Anklagebank. Er wurde erst später von der Polizei gefasst und sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft. Drei Rechtsanwälte verteidigen ihn vor Gericht.

Eindringlich riet der vorsitzende Richter der großen Wirtschaftsstrafkammer, Dr. Marco Herzog, zu einer geständigen Einlassung. Von einem umfassenden Geständnis hatten bereits die Vorgänger des Beschuldigten „ganz erheblich profitiert“. Sie hätten gezeigt, „dass sie die Verantwortung für ihre Taten übernehmen“, mahnte der Richter.

Alleine durch eine erdrückende Beweislast dürfte der Angeklagte zu einem Geständnis bereit sein. Eine Einlassung soll am zweiten Verhandlungstag erfolgen, kündigte Verteidiger Jürgen Möthrath bereits an. Zuvor werde die Verteidigung ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten nochmals erörtern.

Angeklagter war „der Motor, der alles antreibt“

Ein psychiatrischer Sachverständiger begleitet den Prozess. Wie der Gutachter mitteilte, ­habe der Angeklagte die Vorwürfe in mehreren Gesprächen bereits eingeräumt. Zeitweise teilten sich die Firmen des Bandenchefs und jene vom Angeklagten dieselben Büroräume – dass es sich bei den Geschäften um Anlagebetrug handelte, sei dem Mann immer bewusst gewesen, so der Zeuge.

Er hatte anscheinend eine klare Funktion in dem Bandenkonstrukt – der Bandenchef trat als Geldgeber auf, der Angeklagte „war der Motor, der alles antreibt, aber er hatte nicht die Gesamtverantwortung“, schätzte der Sachverständige die Rollenverteilung ein.

Die Details wird die Kammer in den kommenden Wochen erörtern, für den Mammutprozess sind bislang 17 Verhandlungstage angesetzt. Die Hauptverhandlung wird am 2. Juni fortgesetzt.

von Ina Tannert

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Aus dem Schöffengericht
Mit nicht existierenden Aktien hatte die Betrügerbande ihre Kunden geködert – und sie so um Millionen erleichtert. Prozesse um die Bande beschäftigen die Marburger Gerichte schon seit Monaten. Foto: Frank Rumpenhorst

Büroräume, Kontakte, 
Sicherheitsdienste – aus diesem Hintergrund 
heraus beteiligte sich der angebliche Bodyguard des Bandenchefs an dem 
 millionenschweren 
Betrugsskandal der 
falschen Aktienhändler.

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