Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
„Gelbe Karte“ für Azubi

Aus dem Arbeitsgericht „Gelbe Karte“ für Azubi

Weil er von seinem 
Arbeitgeber gekündigt wurde, zog ein Auszubildender vor das Gießener Arbeitsgericht und holte sich seine Lehrstelle 
zurück.

Voriger Artikel
Fachlehrer bestehen ihre Prüfungen
Nächster Artikel
Malte Steiert holt sich „Löwen“-Deal

Ein Gebäudereiniger in Ausbildung wurde entlassen – gegen die Kündigung zog er mit Erfolg vor das Arbeitsgericht.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Gießen. Äußerst harmonisch und zügig verlief das Zusammentreffen zwischen Azubi und Arbeitgeber vor Gericht. Der Gütetermin endete mit einem richterlichen Denkzettel für beide Seiten.

Der Auszubildende ist seit zwei Jahren bei einer Marburger Firma angestellt und erhielt vor einigen Monaten eine außerordentliche Kündigung. „Aus verhaltensbedingten Gründen“ sollte er demnach ab September das Unternehmen verlassen. Der Grund: Er war acht bis zehn Mal unentschuldigt nicht zur Berufsschule oder im Betrieb erschienen, bemängelte der Prokurist des Unternehmens vor Gericht. Mehrere klärende Gespräche mit dem Lehrling hätten nicht gefruchtet.

Mit einer Kündigung kam man in dieser Sache jedoch nicht weiter: Wie Richterin Manuela George bemerkte, enthalte das kurze Schreiben so einige Lücken, weise nicht die korrekte Kündigungsform auf und könne vor Gericht wohl nicht standhalten. Denn: ein Auszubildender genießt von Rechts wegen einen besonderen Kündigungsschutz, ist nach Ablauf der Probezeit nicht so einfach rauszuwerfen.

Gericht sieht keine „triftigen Gründen“

Erst Recht nicht ohne klare Angaben von triftigen Gründen. Auch diese fehlten laut Gericht in diesem Fall. Zu guter Letzt könne ein Azubi auch nur in der Probezeit fristlos gekündigt werden, nicht zu einem späteren Zeitpunkt, machte sie der Beklagtenseite klar.
Lehrling hat Rechte – aber auch zahlreiche Pflichten

Dass die Kündigung nicht aufrechtzuerhalten war – darüber waren sich beide Seiten schnell einig. Wirkliches Interesse daran, das Ausbildungsverhältnis zu beenden, schien der Arbeitgeber auch nicht zu haben. Es schien eher um eine Art Denkzettel auf Zeit für den Schulschwänzer zu gehen.

Der hat noch ein dreiviertel Jahr Ausbildungszeit abzuleisten, habe als Lehrling „einen hohen Schutz, aber auch Pflichten, man sollte das nicht überstrapazieren“, erinnerte die Richterin den Kläger. Den zwar gütlich beendeten Prozess solle der junge Mann als Warnung sehen, „betrachten Sie das als verschärfte Maßnahme – als gelbe Karte, wie beim Fußball“, gab ihm die Richterin mit auf den Weg.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr