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Amönauer Busunternehmer erklärt das Fernbus-Business

Fernbusse Amönauer Busunternehmer erklärt das Fernbus-Business

Der Markt für Fernreisebusse verspricht Potenzial. Mit Udo Diehl ist nun auch ein Unternehmen aus dem Landkreis aktiv: Diehl fährt seit knapp vier Wochen für den Anbieter Flixbus.

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Udo Diehl, Geschäftsführer von Udo Diehl Reisen, sitzt auf den Stufen eines seiner beiden neu angeschafften Busse: Das Unternehmen fährt seit dem 2. Oktober für Flixbus.

Quelle: Andreas Schmidt

Amönau. Fernbusse kommen bei den Kunden gut an: Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren laut dem „Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer“ (BDO) 3 Millionen Menschen im Jahr 2013 mit dem Fernlinienbus unterwegs - nach BDO-Berechnungen sogar bis zu 9 Millionen. „Und für dieses Jahr gehen Schätzungen von 15 Millionen Fahrgästen aus“, sagt Udo Diehl. Er ist der Geschäftsführer des Bus-Unternehmens Udo Diehl Reisen mit Sitz in Amönau und Eschenburg-Eibelshausen.

Diehl fährt seit dem 2. Oktober für den Anbieter Flixbus als so genannter „Carrier“ auf der Strecke von Saarbrücken über Mainz, Wiesbaden, Marburg, Paderborn, Bielefeld und Hamburg nach Kiel und zurück.

Dafür hat Diehl zunächst kräftig investiert: Zwei Reisebusse im „Flixbus-Design“ hat er angeschafft - für 600.000 Euro. „Und außerdem haben wir fünf zusätzliche Busfahrer eingestellt“, so Diehl. „Und zwar nach Tariflohn bezahlt“, sagt Diehl.

Das alles vor dem Hintergrund, dass bereits eine Konsolidierung auf dem Markt festzustellen ist: Zwei Anbieter haben kürzlich ihren Betrieb eingestellt. Das Unternehmen „City2City“, fünftgrößter Anbieter für Fernbusreisen, hat ab Oktober den Betrieb aufgegeben. Der hart umkämpfte Fernbusmarkt hat also seinen ersten „Big Player“ verloren.

Hinter „City2City“ steht der britische Konzern „National Express“. Eine Sprecherin bezifferte die Verluste auf umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro im Jahr 2013 - mit ähnlichen Erwartungen für 2014.

Branche rechnet bis 2016 mit 30 Millionen Fahrgästen

Gar Insolvenz angemeldet hat der norddeutsche Anbieter „Public Express“. Man habe den Schritt aufgrund von „wirtschaftlichen Problemen“ gehen müssen.

Schlechte Voraussetzungen also für einen Einstieg auf dem Markt? Das sieht Udo Diehl nicht: „Die Branche geht von 30 Millionen Fahrgästen in 2016 aus“, sagt der Geschäftsführer. Er selbst habe den Markt beobachtet, „seit es ihn gibt. Aber man steigt nicht immer in jeden Markt sofort mit ein“. Zu Flixbus habe es schon vor geraumer Zeit Kontakt gegeben, kürzlich sei das Unternehmen erneut auf Diehl zugekommen. Und als die Bedingungen gestimmt hätten, sei man sich einig geworden.

Ein wichtiger Faktor dieser Bedingungen: Beim Streckenverlauf steuert der jeweilige Bus immer das Gelände in Amönau an, zum Fahrerwechsel. Dadurch spare man Geld, denn man müsse nicht mit zwei Fahrern auf der Strecke unterwegs sein. „Und alle zwei Wochen wird für einen Tag die Linie ausgesetzt, damit wir die Busse hier vor Ort in der eigenen Werkstatt intensiv warten können.“ Das sei ein erheblicher Kostenfaktor, denn so müsse man die Busse nicht in eine fremde Werkstatt geben.

Wenn alle Passagiere Aktions-Tickets haben, verdient Diehl nichts

Und bei den günstigen Preisen im Vergleich zu Bahn und Flugzeug kann der Unternehmer noch etwas verdienen? „Wir rechnen damit, dass wir Ende 2015 Gewinne machen“, sagt Diehl. Die Preise auf den Fernbusstrecken würden zukünftig bestimmt steigen - auch nach Expertenmeinung.

Doch wie viel Geld bekommt Diehl pro Kilometer? „Das lässt sich pauschal nicht beziffern“, sagt er. So richteten sich die Preise je Strecke für den Kunden etwa nach dem Buchungszeitpunkt. Es gebe bei Flixbus ein Provisionsmodell. „Habe ich volle Busse, verdiene ich auch Geld“, sagt Diehl. Das sei reine Marktwirtschaft und Ergebnis einer Mischkalkulation. Der Bus müsse „so zu 50 Prozent“ ausgelastet sein, damit sich die Fahrt rechne. „Bis jetzt hatten wir zum Glück noch keinen leeren Bus“, so der Unternehmer.

Und: Schlimmstenfalls könne „der Bus auch voll sein und wir verdienen kein Geld damit“. Das sei dann der Fall, wenn alle Insassen etwa ein Aktions-Ticket für 9 Euro hätten.

„Wir gehen zunächst nicht davon aus, dass das Standbein Fernreise die Cash-Cow des Unternehmens ist“, verdeutlicht Udo Diehl. Aber auf lange Sicht wolle man „natürlich Geld verdienen“. Dazu zähle vielleicht auch, dass der Fernreisebus für Geschäftsreisende attraktiv werde. Kostenloses W-Lan sei sowieso schon an Bord, es gebe an jedem Doppelsitz Steckdosen. Und mit mehr Platz für die Reisenden könne quasi ein „Premium-Platz“ geschaffen werden.

Mietbus-Geschäft mit Vereinsfahrten rückläufig

Sollte sich der Carrier-Dienst unter dem Dach von Flixbus für Diehl lohnen, schließt er nicht aus, auch weitere Strecken aufzunehmen - „dazu muss aber auch die betriebliche Organisation passen“. Denn der traditionelle Mietbus-Markt bewege sich eher nach unten.

So seien beispielsweise Vereinsfahrten in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. „Daher haben auch zahlreiche kleinere Unternehmen, die in den Fernbus-Markt einsteigen, ihre normale Busflotte dementsprechend reduziert“, weiß Diehl. Sein Unternehmen habe dies nicht gemacht, „aber wir haben auch in den vergangenen Jahren schon leicht reduziert“.

von Andreas Schmidt

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