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Am UKGM wird am Mittwoch gestreikt

Tarifstreit Am UKGM wird am Mittwoch gestreikt

Am Donnerstag fand die dritte Tarifverhandlung für Beschäftigte am UKGM statt – ohne Ergebnis. Nun ruft Verdi für Mittwoch zum Warnstreik auf. Stefan Röhrhoff, Verhandlungsleiter von Verdi, teilte mit, dass die Vorstellungen von Arbeitgebern und Gewerkschaft noch „weit auseinander“ lägen.

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Am Mittwoch werden die Beschäftigten des UKGM an beiden Standorten in den Warnstreik treten – so wie bereits 2013, als dieses Foto entstand.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Während Verdi für die nichtwissenschaftlichen Beschäftigten eine Erhöhung um 7,5 Prozent, mindestens aber 120 Euro, sowie eine Erhöhung von Azubi- und Praktikantenvergütungen um 120 Euro und die Erhöhung der Nachtzuschläge auf 25 respektive 40 Prozent fordere, habe die UKGM-Geschäftsführung lediglich eine gestaffelte Erhöhung vorgelegt.

Demnach solle die Vergütung ab dem 1. Juli um 1,5 Prozent steigen, zum 1. Oktober solle eine weitere Erhöhung von 1,5 Prozent stattfinden – und eine dritte um 1,25 Prozent zum 1. Juli kommenden Jahres – bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Zudem biete der Arbeitgeber für die sechs Nullmonate von Januar bis Juni eine Einmalzahlung von 120 Euro sowie eine leichte Erhöhung von Zulagen und Nachtdienstzuschlägen an.

Gegner sprechen von „konstruktiven Atmosphäre“

„Auf die Laufzeit gerechnet, sind dies etwa zwei Prozent Erhöhung pro Jahr – das ist bei weitem noch nicht einigungsfähig“, erläutert Röhrhoff. Denn aus Verdi-Sicht problematisch sei unter anderem, dass sich einige der Erhöhungen nur in Zulagen versteckten. „Und von diesen Zulagen profitieren zwar viele der Beschäftigten – aber noch lange nicht alle. Das ist problematisch – denn eine Lohnerhöhung soll sich bei allen Beschäftigten des UKGM auf das monatliche Entgelt auswirken“, so Röhrhoff. Man wolle weniger Zahlungen – dafür höhere für einen kürzeren Zeitraum.

Der Verhandlungsführer betont indes – ebenso, wie UKGM-Pressesprecher Frank Steibli –, dass die Gespräche „in einer konstruktiven Atmosphäre“ stattgefunden hätten. „Aber wir befinden uns grundsätzlich auf einem ganz guten Weg – hätte der Arbeitgeber ein Angebot gemacht, hätte er den Warnstreik verhindern können. Aber er wollte nicht, weil er noch mal rechnen müsse“, beschreibt Röhrhoff.

Frank Steibli teilte indes mit, die Geschäftsführung habe am Donnerstag „ein Gesamtpaket von rund fünf Prozent mehr und damit einen Reallohnzuwachs für die rund 6500 nicht-ärztlichen Beschäftigten und Auszubildenden“ vorgelegt.

Am 2. Juli werden die Verhandlungen fortgesetzt

„Bei immer noch unterschiedlichen Positionen haben sich die Parteien grundsätzlich auf eine Angebotsstruktur verständigt. Daher glaube ich fest an eine Einigungsmöglichkeit, da auch Verdi die schwierige finanzielle Lage deutscher Krankenhäuser kennt und weiß, wie eng unser Bewegungsspielraum am UKGM ist“, teilte der Verhandlungsführer und Vorsitzende der Geschäftsführung, Martin Menger, mit. Am 2. Juli sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden – mit dem Warnstreik an beiden UKGM-Standorten wolle Verdi den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen.

Das von der Geschäftsführung vorgelegte Angebot bewege sich in einer derzeit branchenüblichen Größe, betonte Menger. „Ich sehe keinen Grund, weshalb es nicht gelingen sollte, sich am 2. Juli zu verständigen. Wir sind in den Gesprächen bislang gut vorangekommen und wissen um die gute Arbeit und hohe Motivation unserer Pflegekräfte, des medizinisch-technischen Personals, unserer Mitarbeiter in Verwaltung, Technik und Service. Deshalb haben wir ja auch ein Angebot vorgelegt, welches diesen Mitarbeitern einen spürbaren Reallohnzuwachs bringen würde.“

Für die Versorgung der unaufschiebbaren Notfälle will Verdi dem Arbeitgeber eine Notdienstvereinbarung anbieten. „In dieser werden wir ihm – wie in der Vergangenheit – anbieten, im OP-Bereich zwei Tische zur Verfügung zu stellen und eine Besetzung wie im Nachtdienst“, sagte Röhrhoff im Gespräch mit der OP. Das sei eine etwas geringere Versorgung als sonst, wenn man sich bei der Notversorgung am Wochenenddienst orientiert habe. „Aber unsere Mitarbeiter laufen auf der letzten Rille“, so Röhrhoff. Gleichzeitig fordere man die Geschäftsleitung dazu auf, alle Termine, die keine Notfälle seien, abzusagen.

Röhrhoff: Kosten steigen auch für Beschäftigte

„Ob der Arbeitgeber das annimmt, kann ich natürlich nicht sagen. Aber wir werden versuchen, eine einvernehmliche Lösung zu finden“, sagte der Verhandlungsführer. Sollte der Arbeitgeber den Vorschlag ablehnen, stehe er selbst in der Pflicht, eine Notversorgung aufrechtzuerhalten. Verdi bitte allerdings um Verständnis, wenn an dem Streiktag nicht unbedingt notwendige Leistungen ausfallen werden.

„Auch für die Beschäftigten des UKGM sind die Lebenshaltungskosten gestiegen und angesichts der weiter hohen Arbeitsbelastung sind Tarifsteigerungen wie in anderen Kliniken mehr als verdient“, so Röhrhoff. „Wir hoffen, dass wir den Arbeitgeber mit diesem Warnstreik zum Einlenken bewegen können und so die Tarifverhandlungen am 2. Juli zu einem positiven Abschluss kommen.“

Diesmal werde der Warnstreik kein „normaler“ Warnstreiktag werden, denn es fände eine einmalige Aktion statt. Krankenhausbeschäftigte würden die Personalnot überall zum Thema machen – vom Nordseestrand bis in die bayerischen Berge, von Görlitz bis Saarbrücken. 162.000 Stellen fehlen laut Verdi in den deutschen Krankenhäusern, um eine anständige Versorgung zu gewährleisten. So viele Kollegen würden sich auch vor den Kliniken zeigen.

Um sechs Uhr versammeln sich die Streikenden an beiden Standorten vor dem Haupteingang, um acht Uhr sollen Auftaktkundgebungen stattfinden. Auf dem Marburger Marktplatz findet ab 17 Uhr zudem eine Kundgebung für mehr Personal im Klinikum statt.

von Andreas Schmidt

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