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Am UKGM drohen erneut Streiks

Tarifstreit Am UKGM drohen erneut Streiks

Am Montag verteilte die 
Gewerkschaft Verdi am UKGM zunächst Flugblätter, um die Beschäftigten rund um die Verhandlungen im Tarifkonflikt zu ­informieren. Doch bald 
drohen erste Warnstreiks.

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Sollte der Arbeitgeber bei seiner Ablehnung zur Aufnahme von Tarifverhandlungen bleiben, droht Verdi am UKGM mit Warnstreiks.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Dass die Geschäftsführung einem Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz an den Standorten Marburg und Gießen des Universitätsklinikums eine klare Absage erteilt, ist für Gewerkschaft und Betriebsrat nichts Neues.

Schon im Sommer hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß, im Interview mit der OP erläutert, dass er einen Gesundheitstarifvertrag, wie ihn die Gewerkschaft Verdi fordere, für das Klinikum ausschließe. Denn der Rhön-Konzern wolle für das UKGM keine Sonderrolle. Außerdem müsse sich die Politik an einem solchen Vertrag beteiligen – die Kliniken könnten die Kosten nicht alleine schultern.

Diese Absage liege der Tarif­kommission von Verdi nun auch schriftlich vor, erläuterte Fabian Rehm vom Fachbereich ­Gesundheit der Dienstleistungsgewerkschaft. „Wir ­haben den Arbeitgeber offiziell zu Verhandlungen aufgefordert – und der Arbeitgeber hat den ­Gesundheitstarifvertrag ganz offiziell abgelehnt“, sagt Rehm im Gespräch mit der OP. Somit komme es überhaupt nicht zu Verhandlungen.

Rehm: „Der Streik soll wirklich spürbar werden“

Das sehe die Gewerkschaft „als Provokation und Eskalation“, erläutert Rehm – dementsprechend habe man eine Notdienstvereinbarung übermittelt, „und zwar diesmal nicht mit so großzügigen Regelungen wie in der Vergangenheit“, verdeutlicht der Gewerkschafter.

Man rüstet sich bei Verdi also bereits für Warnstreiks. „Diesmal soll von der Tendenz so gestreikt werden, wie es an der Charité in Berlin war“, erklärt Rehm. Das Hauptstadt-Krankenhaus gilt der Gewerkschaft als Vorbild: Dort wurde im Sommer nach monatelangen Streiks und Aktionen ein Gesundheitstarifvertrag abgeschlossen.

Dies will Verdi auch in Marburg erreichen – „bei den Streiks werden diesmal auf jeden Fall auch komplette Stationen betroffen sein“, sagt Rehm. Der Arbeitgeber werde sechs Tage vor Streikbeginn informiert, sodass er die Station räumen müsse und keine neuen Patienten mehr aufnehmen könne. „Der Streik soll wirklich spürbar werden“, gibt sich Rehm kämpferisch.

Natürlich werde ein Streik auch direkt Patienten betreffen. „Aber wir hoffen ja, dass es dann auch besser wird und es eines Tages sogar mehr Personal am Klinikum gibt“, sagt Fabian Rehm.

Dazu müssten zunächst Verhandlungen stattfinden. „Das sollte selbstverständlich sein. Doch dass der Arbeitgeber dazu gezwungen werden muss, ist traurig – aber dann werden wir es eben tun“, so Rehm, für den auf lange Sicht aber auch klar ist, dass verbindliche Personalmindeststandards für alle Bereiche an Kliniken vom Gesetzgeber eingeführt werden müssten. „So lange wollen wir aber nicht warten.“

UKGM-Geschäftsführung reagiert mit Unverständnis

Auch für Bettina Böttcher, Betriebsratsvorsitzende am UKGM, ist klar: „Es muss etwas passieren.“ Schon lange sei klar, dass das UKGM in allen Bereichen zu dünn besetzt sei. „Wenn man jetzt liest, dass die Verhandlungen zur Entlastung des Personals abgelehnt werden, dann können wir dem Arbeitgeber nur die Rote Karte­ zeigen“, sagt Böttcher. Am Montag habe man die Beschäftigten mit einem Flyer über die Absage der Tarifverhandlungen informiert, es seien weitere Aktionen geplant. Denn, so Böttcher: „Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten im Krankenhaus zum Pflegefall werden – die Rahmenbedingungen müssen sich ändern, so geht es nicht weiter.“

Vonseiten des UKGM reagiert man mit Unverständnis auf die Flugblatt-Aktion. „Wir sind seit zwei Jahren in einem konstruktiven Dialog mit Verdi zu Fragen des Gesundheitsschutzes und unseren Arbeitsbedingungen im Universitätsklinikum. Seither wurden bereits einige Initiativen zum Erhalt und zur Förderung der Mitarbeiter­gesundheit gestartet und umgesetzt“, so Dr. Gunther K. Weiß.

Die jetzige Streikandrohung sei vor diesem Hintergrund unverständlich, gefährde den gemeinsam eingeschlagenen Weg und belaste die Gespräche zum Wohle der Beschäftigten. „Gesundheitsschutz lässt sich nicht durch Drohungen und Druck verbessern, sondern nur durch die Bereitschaft beider Seiten, nachhaltig an einem Strang zu ziehen“, teilte Weiß mit.

So habe die Mitarbeiterbefragung im vergangenen Jahr aufgezeigt, wo Handlungsbedarf bestehe, auf dieser Basis habe man bereits mit ersten Veränderungen begonnen. „Die nunmehr im Raum stehende Streikdrohung zum selben Thema befremdet uns sehr und erschwert den weiteren Weg der Verbesserung von Arbeitsbedingungen“, so Weiß.

Man wolle, wie schon in den zurückliegenden Monaten, mit Verdi „konstruktiv und tatkräftig weiterarbeiten – zum Wohle unserer Mitarbeiter und ihrer Gesundheit. Wir erklären daher selbstverständlich ausdrücklich unsere Bereitschaft, auf dieser Basis die Gespräche mit Verdi und der Tarifkommission zu führen. Das ist unser Anliegen, hier strecken wir die Hand weit aus. Alle Störungen dieses Prozesses halten wir hingegen nicht für dienlich“.

von Andreas Schmidt

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