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Am Jahresbeginn überwiegt der Optimismus

IHK legt Konjunkturbericht für den Jahresanfang vor Am Jahresbeginn überwiegt der Optimismus

Die Konjunktur zum 
Jahresanfang ist im Bezirk der IHK Kassel-Marburg stabil – vor allem allerdings aufgrund von ­Sondereffekten wie dem niedrigen Ölpreis oder dem Zinsniveau.

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Die Wirtschaft profitiert derzeit von den niedrigen Zinsen und dem geringen Ölpreis – vor allem die Industrie schätzt die aktuelle Lage laut Konjunkturbericht der IHK positiv ein.

Quelle: Patrick Pleul

Marburg. Die Wirtschaft in Nordhessen und Marburg ist im neuen Jahr gut aus den Startlöchern gekommen. Der IHK-Klimaindex über alle Branchen hinweg ist auf 118,1 Punkte gestiegen (Vorbericht im Herbst: 115,3 Punkte, Vorjahr: 111,5 Punkte). Ab 100 Punkten befindet sich die Wirtschaft im positiven Bereich.

Eine starke gegenwärtige Lage geht einher mit vorsichtigeren Zukunftserwartungen. Doch Thomas Rudolff, verantwortlicher Geschäftsführer der IHK Kassel-Marburg, warnt vor übertriebenem Enthusiasmus: „Die gute Konjunktur beruht auf einigen Sondereffekten. Nehmen Sie nur den niedrigen Ölpreis, einen relativ schwachen Euro und das niedrige Zinsumfeld. Ohne diese Sondereffekte hätten wir sicher ein anderes Ergebnis. Die Binnennachfrage zum Beispiel wäre­ ­sicher schlechter“, sagt er.

Besonders positiv gestimmt sei demnach die Industrie, die zum Jahresanfang mit deutlich besseren Zahlen als in den vergangenen Umfragen punkte – das sei laut Rudolff „gut und wichtig“, denn die heimische Wertschöpfungskette entstehe maßgeblich im verarbeitenden Sektor. „Allerdings ist auch bei der Industrie erkennbar, dass die gegenwärtige Lage besser als die Zukunft eingeschätzt wird“, sagt Rudolff.

Gastgewerbe profitiert vom niedrigen Ölpreis

Der Handel komme indes mit schlechteren Zahlen heraus – dies bezeichnet Rudolff zum Jahresanfang aber „ganz normal. Ein gutes Weihnachtsgeschäft liegt hinter dem Einzelhandel und nun ist erst mal wieder Normalität angesagt. Der Handel muss jetzt auch seine Hausaufgaben im Bereich der Digitalisierung angehen, um für die Zukunft gerüstet zu sein“.

Das Gastgewerbe sei indes der Gewinner im konsumtiven Bereich. Laut Rudolff sei es „erstaunlich, wie gut das Thema Mindestlohn und seine bürokratische Ausgestaltung von den Unternehmen überwunden wird“. Er sieht das Gastgewerbe als den Gewinner aufgrund der niedrigen Preise an den Tankstellen. „Man kann sich was gönnen. Gleichzeitig ist das Qualitätsniveau in der Gastronomie deutlich angestiegen. Die Zahlen in unserer Umfrage sind gut bis sehr gut“, konkretisiert er.

In der Umfrage der IHK hätten die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größtes Risiko ­genannt. „Das muss ein Warnsignal für die Politik sein“, sagt Rudolff. Der regelmäßig genannte Spitzenreiter – die eigentliche Nachfrage – liege indes nur auf Platz zwei. „Die Unternehmen haben große Sorge vor politischen Entscheidungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe konterkariert“, sagt der Geschäftsführer.

Dennoch beurteilen im heimischen IHK-Bezirk 41,8 Prozent der 491 befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Lage als gut. Im Vorjahr waren es 36,3 Prozent gewesen, im Vorbericht vom vergangenen Herbst waren es 40,4 Prozent. 48 Prozent sehen ihre Lage befriedigend, und nur 10,2 Prozent der Unternehmer stufen die gegenwärtige Lage als schlecht ein – im Gegensatz zu 12,9 Prozent im Vorjahr und 8,9 Prozent im vergangenen Herbst.

Zukünftige Erwartung fällt hinter aktuelle Lage zurück

Ihre zukünftige Geschäftslage beurteilen 22,3 Prozent als gut. Im Vorjahr waren dies 18,3 Prozent, im Herbst sogar nur 17,9 Prozent. 61,4 Prozent der Befragten schätzen ihre zukünftige Geschäftslage als gleichbleibend ein – und nur 16,3 Prozent der Unternehmer gehen von einer Verschlechterung aus. Dementsprechend ist der „IHK-Klimaindex“ auf 118,1 Punkte gestiegen, im Herbst lag er bei 115,3 Punkten, im Vorjahreszeitraum sogar nur bei 111,5 Punkten.

Erkennbar sei, dass die aktuelle Lage über alle Branchen hinweg deutlich stärker beurteilt werde, als die zukünftige Geschäftslage. Auch die Zahl der indifferenten Unternehmer sei hinsichtlich der zukünftigen Erwartung deutlich höher, ordnet Rudolff ein.

Zum Ende des vergangenen Jahres habe es danach ausgesehen, dass die Konjunktur sich im verarbeitenden Gewerbe abkühlen würde. „Hier scheint sich die Lage zu stabilisieren, obwohl aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld gegenwärtig nicht nur positive Signale kommen“, erläutert Thomas Rudolff. Die Industrie in der Region gehe jedenfalls mit einer gehörigen Portion Optimismus in das neue Jahr.

Der Arbeitsmarkt entwickele sich weiter grundsolide. Die Prognosen für dieses Jahr lägen für Deutschland in einem Bereich zwischen 1,3 Prozent laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag und 2,2 Prozent laut dem Institut für Weltwirtschaft Kiel.

Rudolff: Unsicherheiten abbauen

„Wir würden uns den etwas defensiveren Prognosen anschließen, da das Jahr 2016 durchaus mit einigen negativen Überraschungen aufwarten kann, die dann oft selbstverstärkend wirken“, prognostiziert Rudolff die Lage der heimischen Wirtschaft.

„Man muss allerdings feststellen, dass die gegenwärtige Lage über alle Branchen hinweg positiver beurteilt wird als die zukünftige Geschäftserwartung. Das heißt, dass es Unsicherheiten bei den Unternehmen gibt. Diese gilt es abzubauen, wenn diese denn beeinflussbar sind“, so Rudolff.

Insbesondere in Europa müssten weitere Schritte zur Gesundung der Wirtschaft eingeleitet werden. „Portugal und Spanien stehen am Scheideweg hinsichtlich ihrer Reformprozesse. Die Flüchtlingskrise hat viele ökonomische Probleme in den letzten Monaten überstrahlt“, sagt er.

Weitere Belastungen für die heimische Wirtschaft seien „strikt abzulehnen. Der Investitionsstau für die öffentliche Infrastruktur muss dringend angegangen werden“, fordert er.

von Andreas Schmidt

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