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Altkreis Marburg bei Ausbildung spitze

IHK und Handwerkskammer Altkreis Marburg bei Ausbildung spitze

Die Zahl der Auszubildenden in der heimischen Wirtschaft ist – entgegen Erwartungen und Prognosen – im vergangenen Ausbildungsjahr gestiegen.

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Die Kreishandwerkerschaft sieht sich unter anderem mit der „Aktionswoche Handwerk“ auf dem richtigen Weg, um Jugendliche für eine Ausbildung zu begeistern.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg sowie die Handwerkskammer Kassel zogen jüngst eine insgesamt positive Bilanz über das vergangene Ausbildungsjahr.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Sybille von Obernitz betonte, dass die Effekte des demographischen Wandels weit weniger zu Buche geschlagen hätten, als man befürchtet habe. Zwar sei die Zahl der Ausbildungsverträge um 1,9 Prozent zurückgegangen. Aber: „Allen Unkenrufen zum Trotz haben die nordhessischen und Marburger Ausbildungsbetriebe mit insgesamt 4550 neuen Verträgen wieder erfolgreich alle Anstrengungen unternommen, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen.“

Festzuhalten sei jedoch, so der ­Geschäftsführer der IHK-Aus- und Weiterbildung, Dr. Michael­ 
Ludwig, dass gesamtgesellschaftliche Entwicklungen wie zum Beispiel der weiter anhaltende Trend zu höheren Berufsabschlüssen die Menge der ­Bewerber beschränkten.

Darauf wolle die IHK mit ­gezielter Informationsarbeit zur dualen Ausbildung dort ansetzen, wo entweder ein deutlicher Mangel an Fachkräften bestehe oder noch zu wenig Nachfrage nach den Ausbildungsstellen der Wahl zu verzeichnen ist.

Altkreis Marburg liegt 
in Kammerbezirken vorne

In einigen Branchen herrschten jedoch „Megatrends“, die das Einstellungsverhalten der Betriebe beeinflussten. So verzeichne die IHK im Bankenbereich, der unter der Niedrigzinspolitik und dem Regulierungsdruck der EU leide, mit einem Rückgang der Ausbildungsverträge um satte 20,7 Prozent.

Die positive Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie erweise sich hingegen als treibende Kraft – was sich in einem Plus an Ausbildungsverträgen von 3,1 Prozent oder 27 Stellen niederschlägt. Gleichzeitig sank jedoch die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse in der Elektrotechnik um 3,1 Prozent, was 12 Verträgen entspricht.

Auch der heimische Handel schwächelt ein wenig bei der Ausbildung: Dort sank die Zahl der Verträge um 5 Prozent auf 914. Wichtig sei laut IHK gerade dort, die neuen Berufsbilder wie den für 2018 vorgesehenen eCommerce-Kaufmann als zukunftsfähige Berufsausbildung zu etablieren.

Über alle Verträge gesehen ist der Altkreis Marburg im Kammerbezirk Spitzenreiter mit einem Zuwachs an Ausbildungsverträgen um 2,3 Prozent – liegt somit vor dem Landkreis Kassel (plus 2,2 Prozent) und dem Werra-Meißner-Kreis (plus 1,5 Prozent). Die Stadt Kassel muss indes einen Rückgang von 5,4 Prozent hinnehmen, der Schwalm-Eder-Kreis sogar 5,5 Prozent.

Darin sieht die IHK einen deutlichen Arbeitsauftrag: „Wir werden im kommenden Jahr unser Augenmerk auch weiter­ auf die Informationsarbeit zur dualen Ausbildung richten und dort zum Beispiel daran arbeiten, den jugendlichen Bewerbern auch weniger bekannte­ Berufsbilder wie den Bergbautechnologe bekannt zu machen,“ kündigte Sybille von Obernitz an.

Das Handwerk zieht indes ­eine positive Bilanz des abgelaufenen Jahres: In der Handwerkskammer Kassel gebe es ein leichtes Plus von 3 Prozent, was 83 Verträgen entspreche. Somit stieg die Zahl der jungen Menschen, die eine Ausbildung im Handwerk begonnen haben, auf 2862.

Im Handwerk bleiben 
zu viele Lehrstellen frei

„Damit sind unsere Bemühungen, die Zahlen des Vorjahrs zu halten, mehr als aufgegangen. Das ist ein ausgesprochen erfreuliches Ergebnis. Es zeigt uns, dass wir die Trendwende in der Nachwuchssicherung schaffen“, bilanziert Hauptgeschäftsführer Eberhard Bierschenk die Lehrstellensituation. „Deshalb werden wir auch künftig darauf setzen, mit vielen unterschiedlichen Maßnahmen und Projekten Betriebe und Jugendliche möglichst direkt in Kontakt miteinander zu bringen“, beschreibt Jürgen Müller als stellvertretender Hauptgeschäftsführer die Strategie der Kammer in der Nachwuchswerbung.

Sorge bereite den Handwerkern jedoch, dass immer noch zu viele Lehrstellen unbesetzt blieben. „Deshalb ist die Nachwuchssicherung und Nachwuchswerbung auch im kommenden Jahr ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit“, erklärte Müller. Man wolle weiter um gute Haupt- und Realschüler werben und versuchen, junge Migranten und ihre Familien für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Ferner werde der Fokus auf Abiturienten und Studienaussteigern liegen.

Auch bei den Handwerkern belegt der Altkreis Marburg den Spitzenplatz in puncto Ausbildung im Kammerbezirk: Die Zahl der neu geschlossenen Verträge stieg binnen Jahresfrist um 7,2 Prozent oder 30 Verträge auf 449 Ausbildungsverhältnisse.

„Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, der Abwärtstrend ist gestoppt“, sagte Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher im Gespräch mit der OP. Es sei gelungen, das Handwerk auch mit zahlreichen Aktionen wie der „Aktionswoche Handwerk“ oder der Ausbildungsmesse „Ansage Zukunft“ wieder attraktiver zu machen.

Von einer Trendwende wollte Limbacher jedoch noch nicht reden, denn es gebe auch im Handwerk Berufsbilder, die weiterhin mit sinkenden Ausbildungszahlen zu kämpfen hätten – etwa Metzger oder Bäcker. „Wir werden an unserer Ausbildungskampagne festhalten, um den positiven Trend weiter zu verfestigen“, betont Limbacher. Um wirklich erfolgreich zu sein, müssten aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. So wünsche sich das Handwerk verlässliche und auch für die Zukunft belastbare Aussagen zu den Berufsschulstandorten.

von Andreas Schmidt

 
 
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