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Als Ausbilderin zurück zu den Anfängen

Jugendbildungszentrum Als Ausbilderin zurück zu den Anfängen

Vor 15 Jahren ging Anette Hahn für eine Woche als Auszubildende ins Jugendbildungszentrum nach Brebbia in Italien. Dieses Jahr kehrte sie dorthin zurück – jedoch als Ausbilderin.

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Anette Hahn mit einem ihrer Werke aus der Weiterbildung zur Restauratorin in der elterlichen Scheune.

Quelle: Andreas Schmidt

Ernsthausen. Das Jugendbildungszentrum des Bistums Mainz liegt traumhaft am Südostufer des Lago Maggiore. Direkt am See. Genutzt wird es für Bildungsfreizeiten aller möglicher Gruppen oder auch für Familienfreizeiten der Polizeiseelsorge. Und auch für die Weiterbildung der Maler-Innung.

Im Jahr 2000 war Anette Hahn aus Ernsthausen zum ersten Mal in Brebbia. Sie absolvierte damals ihre Lehre bei der Firma Gade Baudekoration in Großseelheim. Die Teilnahme war damals eine Auszeichnung für besonders gute Leistungen im Betrieb, für Eigeninitiative, Lern- und Leistungsbereitschaft und sehr gute Leistungen in der Berufsschule. „Das war schon aufregend“, erinnert sich die 33-Jährige, „ich war ein kleines Kind vom Dorf und das erste Mal weiter weg von zu Hause“, sagt sie lachend. Aus Luxemburg, Schleswig-Holstein und Hamburg waren Maler dabei.

„Damals war es genau wie heute: Drei Tage Arbeit und drei Tage Freizeit und Kultur“, erzählt Anette Hahn. Es ging darum neue Techniken zu erlernen und die vorhandenen Kenntnisse zu verfeinern. Hahn schloss ihre Lehre ab, wurde beim Landesentscheid Zweite und kam in die Begabtenförderung. „Darüber bekam ich über einen gewissen Zeitraum Gelder, die für die Weiterbildung genutzt werden konnten – ich habe damals dann schon den Ausbilderschein gemacht“, erzählt sie.

Düsterer Fernsehraum erhält „Dschungelblick“

Dennoch kehrte Anette Hahn dem Handwerk zunächst den Rücken: Sie ging zur Bundeswehr. „2001 gab es viele Medienberichte, dass die Bundeswehr sich für Frauen in allen Bereichen öffnet. Da wuchs der Gedanke – und ich habe es ausprobiert.“ 2004 trat sie ein, war bei der Militärpolizei und blieb der Bundeswehr elf Jahre treu – bis vor wenigen Tagen. Doch auf Dauer wollte Anette Hahn nicht bei der Bundeswehr bleiben. „Ich wollte zurück in meinen Beruf, denn er hat mir Spaß gemacht. Und am liebsten wollte ich in die Ausbilderrichtung.“

Also hat sie über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr zunächst „meinen Meister gemacht – und hintendran den Restaurator“, so Hahn. Die berufliche Weiterbildung absolvierte sie für den Meistertitel bei Farben-Reinhardt in Stadtallendorf, den Restauratoren-Teil in Lischeid bei der Firma Sprenger, „die mir absolut den Rücken freigehalten haben, sonst hätte ich es nicht schaffen können“, sagt die Restauratorin. Denn die Zeit sei nicht nur sehr lernintensiv gewesen. „Ich war ja auch in Bezug auf die Werkzeuge bei null, war neun Jahre aus dem Beruf“, so Hahn. „Das ist wie ein schwarzes Loch im Lebenslauf, mit elf Jahren Feldjäger lockt man keinen Arbeitgeber hervor.“

Während der Weiterbildung zur Restauratorin lernte Anette Hahn die Ausbildungstrainerin kennen, die mit den Auszubildenden nach Brebbia fährt. „Sie hat mitbekommen, dass ich vor 15 Jahren da war und suchte jemanden, der als Ausbilder und Betreuer mitkommen könnte.“ Also ist Anette Hahn auf die „Zeitreise“ gegangen und mit nach Italien gefahren.

Düsterer Fernsehraum erhält „Dschungelblick“

„Einige der Dinge, die ich dort vor 15 Jahren gemacht habe, waren noch da – es war ein seltsames Gefühl, wieder in Brebbia zu sein“, gibt sie zu. „Es ging darum, den Azubis den Pinsel in die Hand zu geben und sie gestalterisch und kreativ tätig werden zu lassen“, erläutert Hahn. Denn im Alltagsgeschäft der Maler stünden in der Regel tapezieren, Fassade streichen und Wärmedämmung an.

Das Jugenddorf besteht aus einigen Bungalows und einem Haupthaus. Die Azubis gestalteten unter anderem den „sehr rustikalen Fernsehraum mit halben Bäumen an den Wänden“ kreativ um. „Wir haben dann den Blick aus einem Baumhaus in den Dschungel hinein geschaffen“, erzählt Anette Hahn. „Dadurch konnten die Auszubildenden etwa Farbübergänge erlernen und sich auch in anderen Techniken ausprobieren.“

Die Arbeit mit den Jugendlichen hat sie in ihrem Ziel bestärkt, weiterhin in der Ausbildung tätig zu sein. „Ich würde gerne als Fachlehrerin an der Berufschule arbeiten und mich auch in dieser Richtung bewerben“, sagt sie. Sollte das nicht klappen, könnte sich Anette Hahn auch vorstellen, als Meisterin und Restauratorin in einem größeren Betrieb zu arbeiten. Denn sie sagt: „Alleine als Selbstständige zu arbeiten – das bin nicht ich.“

von Andreas Schmidt

Die Gruppe der Maler-Azubis im neu gestalteten Fernsehraum in Brebbia. Privatfoto
 
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