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„Als Anfänger wäre ich reingefallen“

Internet-Betrug „Als Anfänger wäre ich reingefallen“

Auch im Gastgewerbe oder bei der Wohnungssuche werden viele Vereinbarungen inzwischen online getroffen. Doch das birgt Gefahren.

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Für Betrug und Geldwäsche über das Internet werden immer wieder neue Wege gefunden. Die Polizei rät zur Vorsicht bei Online-
Geschäften und warnt vor Transaktionen an dubiose Anbieter etwa von Immobilien oder Gebrauchtwagen.

Quelle: Carsten Rehder

Marburg. Es sah zunächst aus wie eine normale Anfrage. Ein gewisser Franklin Riley aus London fragte per E-Mail bei Ingrid Gruhn nach einer Unterbringung in deren Ferienwohnung. Der Aufenthalt sollte zunächst vom 4. bis zum 18. Oktober andauern. Da die Ferienwohnung in diesem Zeitraum bereits ausgebucht war, teilte die Marburgerin dies dem Interessenten mit, bot ihm aber die Unterkunft für den 20. bis 30. September an, auch wenn dies eigentlich nicht zu der Anfrage passte. Doch Franklin Riley nahm überraschend an. „Ich bin froh Ihnen mitteilen zu können, dass die Gäste sich entschieden haben, vom 20. bis 30. September in Ihrer Unterkunft zu logieren“, so Riley. Dass mit dieser Anfrage dennoch etwas nicht stimmte, merkte Gruhn, die sich das Englische von ihrer Tochter Norma Schraub übersetzen ließ, aber auf Anhieb. „Dass man sich einfach so auf einen völlig neuen Termin eingelassen hat, hat mich sofort stutzig gemacht“, erklärt Gruhn. Zudem habe es sie verwundert, dass die vorgeschlagene Zahlungsart - bar bei Anreise - ein Problem darstellen sollte.

Scheck über 6500 britische Pfund versprochen

Sie werde einen Scheck über 6500 britische Pfund erhalten, den sie bei ihrer Bank einlösen solle, so die Aufforderung. Die Kosten für den Aufenthalt (in diesem Fall 925 Euro) solle sie davon abziehen und den Restbetrag an ein drittes Unternehmen überweisen, dessen Bankdaten sie noch erhalten werde. „Die zweite Mail war ein Vordruck, das konnte man sofort sehen“, sagt Gruhn. Nachdem ihr Schwiegersohn Rücksprache mit einem Kollegen bei einer Bank hielt, wussten sie: es handelte sich um versuchten Betrug. „Nach drei Jahren mit der Ferienwohnung kennt man sich auch schon ein bisschen aus“, sagt sie. „Möglicherweise wäre ich als Anfänger darauf eingegangen.“

Nachdem sie das Ansinnen des Betrügers ablehnte, kam noch eine weitere Mail, „die ich dann aber nicht mehr beantwortet habe“ und „ein paar Tage später eine Mail mit gleichem Inhalt von einer unbekannten Person aus den USA“, berichtet sie. Ein Fall wie er häufiger vorkommt, bestätigt die Tour GmbH Marburg-Biedenkopf. Die Tourismusgesellschaft des Landkreises warnt Ferienwohnungsbesitzer daher in einem eigens aufgesetzten Schreiben, derartige Anfragen zu ignorieren.

„Das ist eine ganz übliche Vorgehensweise von Kriminellen“, sagt auch Polizeisprecher Martin Ahlich. Wie von Schraub vermutet, handele es sich dabei um Scheckbetrug, der für mitdenkende Menschen recht offensichtlich sei. „Das ist doch absoluter Kokolores“, so Ahlich. „Warum sollte jemand, der 6500 Pfund überweisen kann, nicht auch einfach ein paar hundert Euro für die Übernachtungen überweisen können?“, fragt er. Die logische Schlussfolgerung sei: „Da kann ja irgendwas nicht stimmen.“ Wer sich auf derartige Deals einlasse, komme ohne es zu wollen „ganz schnell in die strafrechtliche Schiene hinein“ und mache sich mitschuldig. Keinesfalls also solle man derartige Überweisungen ins Ausland ausführen, mahnt er.

Betrug mit gefälschten Wohnungs-Anzeigen

Doch nicht nur auf diesem Gebiet lauern Betrüger. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) berichtete, häufen sich Betrugsfälle auf dem Immobilienmarkt. Auf Immobilien-Portalen im Internet werden dabei Annoncen aufgegeben, die eine Wohnung oder ein Haus zu einem äußerst günstigen Preis offerieren. Melden sich Interessenten, wird durch mehrfachen E-Mail-Kontakt Vertrauen aufgebaut. Angeblich lebe der Inserierende im Ausland und habe die Immobilie zuvor beruflich genutzt oder für das Studium seiner Kinder gekauft beziehungsweise angemietet. Diese Geschichte wird zumeist detailreich ausgeschmückt, um Zweifel an ihrer Wahrheit zu beseitigen. Dem Interessenten werden im Gegenzug Fragen gestellt, die suggerieren sollen, dass der Täter sich ein seriöses Bild macht.

Aufgrund einer Krankheit oder der großen Entfernung, so die Masche, könne der Verkäufer beziehungsweise Vermieter nicht selbst zur Schlüsselübergabe erscheinen, werde den Schlüssel aber gegen die Zahlung einer Kaution oder einer Anzahlung per Post zusenden. Die inserierte Immobilie existiert dabei aber gar nicht oder wurde aus seriösen Anzeigen herauskopiert. Wird das Geld also transferiert, ist es verloren.

Gerade in Marburg gibt es aufgrund des näherrückenden Wintersemesters aktuell wieder eine große Nachfrage für Wohnungen. Bei der Polizei ist ein derartiger Fall aus dem Landkreis bisher jedoch noch nicht bekannt, so Ahlich. Das Muster decke sich aber mit den bekannten Methoden der Betrüger. „Es wird immer erst Vertrauen aufgebaut und dann wird irgendwann Geld verlangt - das ist typisch“, so der Polizeisprecher.

Tipp: Niemals im Vorhinein Geld überweisen

Ähnliche Vorfälle seien ihm vor allem auf dem Gebrauchtwagenmarkt bekannt, bei denen die Autos angeblich nach dem Geldtransfer aus dem Ausland überführt werden sollen.

„Niemals im Vorhinein Geld überweisen“, warnt Ahlich daher. „Schon gar nicht mit Western Union oder ähnlichen Transferdiensten, aber auch nicht etwas im Voraus in bar bezahlen.“ Im Internet sei es ratsam, sich per Suchmaschine über einen Anbieter zu informieren.

Keinesfalls solle man seine Kreditkarten-Daten übermitteln. „Und gegenüber Versprechungen nicht blind sein“, rät Ahlich.

von Peter Gassner

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