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„Alle Kinder sind Handwerker“

Aktion „Alle Kinder sind Handwerker“

Gestern begann die Aktion „Kinder und Handwerk“, die schon im Kindergarten Neugierde auf Berufe wecken soll.

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Mit Eifer stecken die Kinder die Abflussrohre ineinander. Landrätin Kirsten Fründt und Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher bauen mit den Kindern.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Die Kinder des Kindergartens „Auf der Weide“ sind ganz schön flink und mit Eifer bei der Sache: Als Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher einige Abflussrohre verteilt, greifen sie sofort zu und versuchen, die Rohre zusammenzustecken. „Das muss hier rein, sonst fällt alles auseinander“, ruft ein Junge, während ein Mädchen versucht, ein gebogenes Stück Rohr mit einem geraden zusammenzubringen.

Vorher hatten die Kinder bereits anhand von Memory-Karten verschiedene Handwerksberufe erkannt. Wobei die Brille nicht der „Brillner“ herstellt, wie eines der Kinder vermutete, sondern der Optiker. Aber die Berufe Bäcker und Metzger saßen bei den Kleinen direkt, beim Installateur benötigten sie noch ein wenig Nachhilfe.

Zuvor hatte Rolph Limbacher anhand eines typischen Tagesablaufs vom Aufstehen bis zum Ankommen im Kindergarten verdeutlicht: Handwerk steckt in allem - vom Bäcker, der die Frühstücksbrötchen gemacht hat über den Schneider, der die Kleidung näht bis hin zum KFZ-Mechaniker, der dafür sorgt, dass Auto oder Bus funktionieren.

Aktion wurde 2010 von Helmut Henkel ins Leben gerufen

Der Kreishandwerksmeister erläuterte im Vorfeld die Aktion „Kinder und Handwerk“, die gestern im Kindergarten „Auf der Weide“ eröffnet wurde: „Wir gehen in die Kindergärten und übernehmen Patenschaften, um die Kinder mit dem Handwerk vertraut zu machen. Denn alle Kinder sind Handwerker, in dem Alter will noch keiner Verwaltungsfachangestellter werden.“ Den Gedanken wolle man fördern und in den Kindern den Wunsch wachrufen, dass sie später vielleicht Handwerker werden möchten. Denn vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Fachkräftemangels könne man nicht früh genug damit anfangen, für das Handwerk zu werben.

Ins Leben gerufen hatte die Aktion in 2010 der heutige Ehrenkreishandwerksmeister Helmut Henkel. „Der demografische Wandel betrifft nicht nur das Handwerk, sondern die ,Blaumannberufe‘. Denn es ist nicht nur das Studium, das toll ist - es ist auch toll, Handwerker zu sein“, so Henkel.

Er wirbt dafür, noch mehr Kindergärten ins Boot zu holen. Doch er weiß auch: „Das ist für die Erzieherinnen auch eine zusätzliche Belastung - ebenso, wie für die Handwerker“, die die Eigenwerbung ja ehrenamtlich betrieben.

Die Gedanken der Mehrbelastung kann Kindergartenleiterin Renate Schöffmann direkt zerstreuen: „Wir gehen auch schon mal in den Baumarkt, denn viele unserer Spielzeuge kaufen wir nicht fertig im Geschäft, sondern bauen sie selbst“, sagt sie. Die Kinder seien immer sehr interessiert und mit Eifer dabei, wenn im Haus etwas passiere.

Auch Landrätin Kirsten Fründt, Schirmherrin der Aktion, ist von der Idee begeistert. „Es ist schön, wenn die Kinder vor Augen geführt bekommen, wie das Handwerk den Alltag bestimmt“, sagt sie. Auch ihr sei im Gedächtnis geblieben, als sie selbst mit dem Kindergarten eine Molkerei besucht habe. „Insofern wird die Aktion prägende Eindrücke hinterlassen“, ist sie sich sicher.

Egal, ob die Handwerker in die Kindergärten kämen oder die Kinder zur „Betriebsbesichtigung“ eingeladen wären: „Sie können mit richtigen Materialien arbeiten und bekommen etwas in die Hand - das ist eine tolle Aktion“, so die Landrätin. Es sei schön, dass sich die Handwerksbetriebe auch den Kindergartengruppen öffneten, denn: „In der Zeit können die Betriebe nicht produktiv arbeiten. Daran sieht man die Wertigkeit, die diese Aktion für die Betriebe besitzt.“ Diese stellten ihre Zeit und ihr Wissen zur Verfügung, „weil sie wissen, dass die Kinder unsere Zukunft sind.“

von Andreas Schmidt

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