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Aktionärin sorgt sich um Personal

Rhön AG Aktionärin sorgt sich um Personal

Sie besitzt fünf von insgesamt 73.481.860 Rhön-Aktien und möchte ihr Stimmrecht auf der Aktionärsversammlung geltend machen: Die Marburger Ärztin Cordula von Brandis-Stiehl sorgt sich um das Wohl der Klinik-Mitarbeiter.

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Die Dividende interessiert sie nicht: Cordula von Brandis-Stiehl ist Eigentümerin von fünf Rhön-Aktien und will ethische Fragen in der Hauptversammlung diskutieren.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In der Frankfurter Jahrhunderthalle versammeln sich diesen Mittwoch die Aktionäre des Bad Neustädter Rhön-Konzerns, der auch die Universitätskliniken Gießen und Marburg betreibt.

Nachdem der Konzern einen Großteil seiner Kliniken verkauft hat und sich die Anzahl der Mitarbeiter verringert hat, hat das Unternehmen per Satzung einen von 20 auf 16 Mitglieder verkleinerten Aufsichtsrat beschlossen, der neu gewählt werden muss. Rhön-Gründer und Firmenpatriarch Eugen Münch stellt sich zur Wiederwahl als Aufsichtsratsvorsitzender. Vorstand und Aufsichtsrat werden am Mittwoch, 10. Juni, zudem vorschlagen, den Aktionären eine Dividende von 80 Cent pro Aktie auszuschütten.

In diesem Jahr rechnet die Rhön-Klinikum AG mit einem Umsatz von 1,08 bis 1,12 Milliarden Euro. Der Konzern hat noch zehn Kliniken an fünf Standorten mit mehr als 15.000 Mitarbeitern. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rechnet das Unternehmen mit zwischen 145 und 155 Millionen Euro.

„Spende statt Dividende“

Die Rhön Klinikum AG beabsichtigt nach der Versammlung einen weiteren Aktienrückkauf. Die Genehmigung dafür war bereits auf der vergangenen Hauptversammlung erteilt worden. Um Gewinne und die Aktien an sich geht es einer Aktionärin aus Marburg nicht: Cordula von Brandis-Stiehl will durch den Kauf von fünf Aktien Stimmrecht haben.

Die privatisierungskritische Medizinerin hatte bereits im vergangenen Jahr im Vorfeld der Aktionärsversammlung unter dem Motto „Spende statt Dividende“ auf ethische Fragen aufmerksam gemacht. Ihr Vorschlag vor der Hauptversammlung, einen Teil der Dividende für Genesungsforschung aufzuwenden, wurde nicht zugelassen, was die Ärztin und Psychotherapeutin dazu veranlasste, ihre Gewinnausschüttung als Spende der „menschlichen Medizin“ für die Patienten-Fürsorge der „Grünen Damen“ zukommen zu lassen (die OP berichtete). Die Medizinerin beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit ethischen Fragen. Dies­mal will sie erneut reden.

Aktionärin will Studie über Wohlbefinden

Cordula von Brandis-Stiehl möchte mit einem neuen Antrag erreichen, dass der Vorstand einen „angemessenen Betrag“ des Bilanzgewinns für die wissenschaftliche Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Wohlbefinden der Mitarbeiter im Konzern und dem Genesungsprozess der Patienten ausgibt. Unter ihren Patienten, so Brandis-Stiehl, sind viele Mitarbeiter des UKGM, die sich ausgebrannt fühlen „und sich für den Patienten nur noch zur Arbeit schleppen“. Die Arbeitsbelastung am Klinikum nehme „subjektiv extrem zu“, sagt sie.

Eine wissenschaftliche Unter­suchung könnte helfen, diese Problematik zu erfassen und aufzuzeigen, ab wann die Grenze von dem Patienten zugewandter Medizin und reiner Datenerfassung erreicht sei. Schließlich würden viele medizinische Mitarbeiter inzwischen ihren Beruf nur noch als Job betrachten, nicht mehr als Berufung. „Medizinisch Tätige, die nur ihrem Job nachgehen, reduzieren ihren Blickwinkel für diese Belange der leidenden Menschen“, erklärt von Brandis-Stiehl. Wenn die Aktionäre ihrem Antrag nicht folgen, möchte die Marburgerin wieder ihre Dividende spenden.

Das Thema Stress und Überbelastung unter den Mitarbeitern, insbesondere in der Pflege, ist nicht neu. Der Betriebsrat klagt über eine Zunahme an Überlastungsanzeigen. UKGM-Geschäftsführer Dr. Gunther Weiß hatte im Februar erklärt, dass UKGM und die Gewerkschaft Verdi Mitarbeiter aufrufen wollen, an einer wissenschaftlichen Befragung zum Thema Belastung teilzunehmen.

von Anna Ntemiris

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