Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Aktionäre hoffen auf frischen Wind

3U Holding AG Aktionäre hoffen auf frischen Wind

Warum ist der Fuhrpark des Unternehmens nicht kleiner, wieso das Gehalt des Vorstands so hoch? Wann werden schwarze Zahlen geschrieben? Sechs Aktionäre stellten fast 80 Fragen an die 3U-Spitze.

Voriger Artikel
Bouffier antwortet auf offenen Brief
Nächster Artikel
Azubis erfahren Zeitungsalltag

Aktionäre und Vorstand sprachen auf der Hauptversammlung der 3U Holding AG, die ihren Sitz in der Frauenbergstraße hat, über die Geschäftsentwicklung.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Vorstandschef Michael Schmidt berichtete am Donnerstag den Aktionären der 3U Holding AG über die Geschäftsentwicklung des Marburger Energie- und Telekommunikationsunternehmens. „Die 3U Holding AG befindet sich im Transformationsprozess“, sagte Schmidt.

Die Konzernstruktur sieht drei Geschäftsbereiche vor: Energie, Telefonie und IT-Service. Im Segment Erneuerbare Energien gab es im vergangenen Jahr einen Zuwachs an Gesellschaften sowie eine Reihe von Umbenennungen. Aus den roten Zahlen kam der Konzern bisher nicht heraus.

Die Beteiligungsgesellschaft hat im ersten Quartal dieses Jahres aber eine positive Entwicklung im operativen Ergebnis erzielt, der Aktienkurs lag aber noch bei 69 Cent (die OP berichtete). Im ersten Quartal 2015 hat 3U Holding ein positives operatives Ergebnis von 0,95 Millionen Euro erwirtschaftet und damit eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (-0,44 Mio. Euro) erzielt.

Hoffnungen ruhen aus Beck-Bazlen

Die 3U Holding AG hat das vergangene Jahr mit einem Konzernergebnis von minus 3,24 Millionen Euro abgeschlossen. Für das laufende Jahr geht das Marburger Unternehmen von einer Stabilisierung aus. Vor diesem Hintergrund zeigten sich die Aktionäre zufriedener als noch vor einigen Wochen, als sich aus ihren Reihen Kritiker zusammenschlossen, um einen Wechsel im Aufsichtsrat zu initiieren. Vorstandschef Michael Schmidt besitzt 25 Prozent der Aktien und nimmt daher großen Einfluss auf das Unternehmen.

Bei der Hauptversammlung war insgesamt 46 Prozent des Grundkapitals anwesend. Nun hoffen die kritischen Aktionäre, dass das neu gewählte Aufsichtsratsmitglied Jürgen Beck-Bazlen – er besitzt drei Prozent der Aktien – frischen Wind bringt und den Vorstand stärker in ihrem Sinne überwacht. Gerd Simon trat vor der Wahl vom dreiköpfigen Aufsichtsrat zurück.

Marvin Müller-Blom, Vertreter der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, erklärte: „Der Umbau geht nicht schnell genug“. Das Unternehmen stamme aus der Telekommunikationsbranche, woher komme nun das Knowhow für Erneuerbare Energien?, fragte er und listete Beispiele aus der Investitionspolitik auf. Der Solarpark Adelebsen hat zum Beispiel eine geringe Vermietungsquote von nur 22 Prozent.

Müller-Blom kritisierte wie nach ihm auch andere Aktionäre, dass die Sachbezüge für Firmenautos nur leicht reduziert wurden. Und sei es angesichts der Vielzahl an Tochtergesellschaften noch sinnvoll, 30 Mitarbeiter in der Holding zu beschäftigen? Andere Aktionäre wünschten sich geringere Gehälter für den Vorstand.

Vorstandsgehälter in der Kritik

„Eine Vergütung von einer knappen halben Million Euro für den Vorstandsvorsitzenden ist viel zu viel“, sagte einer der Kritiker. „Mich interessiert nicht der Umsatz, sondern das Ergebnis. Ich will ein positives Ergebnis sehen“, sagte Matthias Zettler.

In seinen Antworten betonte der Vorstand, dass eine „Vielzahl von Branchenexperten“ im Konzern arbeiten, die langjährige Netzbetreibererfahrung haben und sich im Segment Erneuerbare Energien auskennen. Die Holding sei mit 30 Mitarbeitern nicht aufgebläht. In der Holding sind Mitarbeiter für mehrere Gesellschaften zuständig. Diese Zentralisierung von Funktionen steigere die Effizienz. Zum Vorwurf, die Autokosten seien zu hoch, sagte der Vorstand, das Unternehmen könne die Entfernungskilometer der Mitarbeiter nicht wirklich steuern. Der Anstieg der Bewirtung- und Werbungskosten um 200.000 Euro erklärte sich durch den Marketinghandel und Beratungskosten.

Das Unternehmen wertete nach der Versammlung die mit großer Mehrheit beschlossene Entlastung aller Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand als Ausdruck, dass die Aktionäre mit der Richtung, die die 3U AG in den letzten Jahren eingeschlagen hat, im Großen und Ganzen zufrieden sind. Im Vergleich zu Vorjahren, bei denen die Kritiker bis in die Nacht hinein Fragen stellten, verlief die Versammlung am Donnerstag ruhig.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr