Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Ärztlicher Direktor als Vollzeit-Job

UKGM Ärztlicher Direktor als Vollzeit-Job

Die Hals-Nasen-Ohrenklinik wird seit Kurzem von Professor Afshin Teymoortash geleitet. Der bisherige Chefarzt Professor Jochen Werner bleibt zwar Lehrstuhlinhaber, widmet sich aber in erster Linie seinem Amt in der UKGM-Geschäftsführung.

Voriger Artikel
Was wird Chefsache, was gibt Kreis ab?
Nächster Artikel
Sanieren und sparen: Messe zeigt, wie‘s geht

Professor Jochen Werner ist Ärztlicher Direktor am UKGM.Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Einen weißen Kittel trägt Medizin-Professor Jochen Werner kaum noch. Der Grund: Der bisherige Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik wird hauptamtlicher Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums in Marburg. Seit Mai 2011 übte er diese Funktion neben seiner Chefarzttätigkeit aus. Doch das Nebenamt nahm immer mehr Zeit in Anspruch, berichtet Werner im Gespräch mit der OP.

Schon sein Vorgänger, Professor Rainer Moosdorf, hatte darauf hingewiesen, dass das Amt des Ärztlichen Direktors aufgrund der hohen Erwartungen kaum noch im Nebenamt auszufüllen sei. Für Werner ist der Schritt zur Hauptamtlichkeit eine logische Konsequenz. Als er 2010 gebeten worden sei, das Amt des Ärztlichen Direktors auszuüben, habe er geahnt, dass dies auch Folgen für ihn als Arzt einer Universitätsklinik haben würde.

„Die mit dieser Funktion einhergehenden Aufgaben füllten erhebliche Teile eines Arbeitstages aus. Auch bei bestem Zeitmanagement stößt man immer wieder und über die letzten Monate immer häufiger an seine Grenzen. Forschungstreffen, Studentenunterricht, Patientenbehandlungen und das breite Aufgabenfeld eines Ärztlichen Geschäftsführers benötigen angemessene, neuhochdeutsch würde man sagen, Timeslots“, sagt Werner und wird präziser: „Forschung, Lehre, Krankenversorgung und Administration: Das ist zu viel. Das kann man nicht unter einen Hut bringen“. Zumindest nicht mit einem Höchstmaß an Kompetenz und Leistung in allen Aufgabengebieten - wie es der 54-Jährige für sich beansprucht. Für ihn sei der Humboldtsche Leitsatz der Einheit von Forschung und Lehre ebenso wichtig die Krankenversorgung als dritte Säule der akademischen Medizin. Wer auf einen Lehrstuhl eines klinischen Fachs berufen werde, müsse sich um Patienten, Studierende und Mitarbeiter kümmern. Als Ärztlicher Direktor hat er aber auch eine Reihe anderer Chefsachen und Aufgaben, die immer komplexer wurden, so Werner. Der Spagat sei schwierig: Während er sich um Belange des ganzen UKGM gekümmert habe, habe er im Hinterkopf seine Station gehabt.

Weiterhin in Forschung und Lehre als Professor tätig

Da er schon - aufgrund der Vorwarnung seines Vorgängers - von Beginn an, Zweifel an der zeitlichen Vereinbarkeit der beiden Funktionen gehabt habe, kam die Entscheidung nun nicht überraschend. Werner behält seinen Lehrstuhl, gibt die Verantwortung der Klinik, solange er Ärztlicher Direktor ist, aber ab. Sein bisheriger Vertreter Professor Afshin Teymoortash (45) leitet nun als Chefarzt die HNO-Klinik. Teymoortash ist ein Eigengewächs: Werner nahm ihn aus Kiel nach Marburg mit. Beide sind Spezialisten in der Krebsbehandlung. Teymoortash habe in de n vergangenen zwei Jahren den Abteilungen in übergeordneter Funktion vorgestanden. Nur so sei es möglich gewesen, dass er zusätzliche Aufgaben wahrnehmen konnte und dennoch eine qualitativ hohe Krankenversorgung in seiner Klinik vorzuhalten. „Ich habe mich schon seit einiger Zeit nach und nach zurückgezogen, weil ich in allen Abteilungen kompetente Oberärzte habe“, betont Werner. Er habe die HNO-Klinik so aufgebaut, dass jede Fachrichtung von Experten geführt und im In- und Ausland vertreten wird - von der Ohrchirurgie bis zum Nasenzentrum.

Teymoortash leitet die Klinik nun voll eigenverantwortlich, für Fallbesprechungen oder bestimmte Fragen bei Krebspatienten oder Patienten mit großen Gefäßfehlbildungen steht Werner den Kollegen nach wie vor zur Seite. Unverändert bleibt Jochen Werner Hochschullehrer und Forscher. „Am Wochenende kann ich Doktorarbeiten korrigieren oder Vorlesungen vorbereiten. Tagungen kann ich abends besuchen, das Labor ist auch immer da. Aber Patienten kann ich nicht außerhalb der regulären Arbeitszeit versorgen“, erklärt er ganz praktisch. Teymoortash hat den Chefarzt-Vertrag für fünf Jahre unterschrieben. Werner, das hat er ausgehandelt, könnte in dieser Zeit jederzeit aber wieder zurück in seine Position als HNO-Direktor kehren. Seine Chefarzttätigkeit ruht quasi nur. Seinen Kittel hängt er also nicht an den Nagel.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr