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Nach Umzug bleibt das Telefon stumm

Ärger mit der Telekom Nach Umzug bleibt das Telefon stumm

„Schön, dass Sie bei uns sind!“ steht auf der Mappe, die Hubert Kamm von der Telekom erhalten hat. Darüber kann er nur 
lachen, denn auf seinen Telefonanschluss wartet er seit mehreren Wochen.

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Hubert Kamm zeigt den Schriftwechsel mit der Telekom und die Mappe mit der Aufschrift „Schön, dass Sie bei uns sind!“. „Wäre es nicht so traurig, könnte ich darüber lachen“, sagt er.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederwalgern. Es ist schon ein kleiner Stapel an Schreiben, den Hubert Kamm mittlerweile von der Telekom erhalten hat. „Dabei wollte ich nur etwas ganz Einfaches, nämlich umziehen“, sagt der 55-Jährige. Das hat er mittlerweile auch getan, zog innerhalb von Niederwalgern in den Wacholderweg. Und seine Telefonnummer, die wollte Kamm natürlich mitnehmen. „Sollte ja kein Problem sein, die Werbung verspricht ja so einiges“, sagt Kamm im Gespräch mit der OP.

Im Juli kündigte er seinen Umzug bei der Telekom an, erhielt auch am 27. Juli ein Bestätigungsschreiben. „Ich wollte das extra frühzeitig erledigen, damit es keine Probleme gibt“, sagt Kamm. Im Bestätigungsschreiben des Umzugs wurde ihm die Abschaltung des alten Abschlusses zum 21. August mitgeteilt, kurz darauf sollte die Nummer in der neuen Wohnung wieder funktionieren. Das passte also, denn am 1. September ist Kamm umgezogen. Telefon und Internet gab es aber in der Wohnung nicht.

Doch das wusste Kamm bereits. Denn eine Woche vor seinem Umzug erhielt er eine „Zwischeninformation“ der Telekom. In diesem Brief teilte das Unternehmen dem Kunden mit, dass sich der Anschluss verzögere – und zwar auf den 2. Oktober. „Das war schon ein Schock, denn das bedeutete weitere vier Wochen weder Telefon noch Internet. Dabei brauche ich das Internet, etwa, um mich über Stellen zu informieren“, erklärt Kamm. Der gelernte Krankenpfleger ist nämlich auf Jobsuche.

Auf Briefe an den Vorstand gibt es keine Antwort

Er versuchte, den Vorgang zu beschleunigen, wandte sich an die Hotline – ohne Erfolg. Dort hieß es, dass die Leitung technisch geprüft werden müsse, „dabei war schon am 30. August ein Techniker in der Wohnung. Doch davon weiß die Telekom nichts – aber ich habe ja nicht mit einem Geist geredet“, ereifert sich Kamm. „Der Techniker hat mir versichert, dass es eine freie Leitung gibt.“

Er telefonierte mit der Hotline, schilderte erneut sein Leid, „nachdem ich ewig in der Warteschleife hing“. Kamm bekam unter anderem die Aussage, die Vormieterin habe ihren Vertrag noch nicht gekündigt – „was nicht stimmt“, sagt Kamm und verweist auf eine WhatsApp von der Vormieterin. Die hatte online wegen ihres Umzugs vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht, die Bestätigung hat sie Kamm als Nachricht geschickt. „Aber da behauptet die Telekom, dass die Kündigung nicht vorliege.“

In seiner Verzweiflung schrieb er auch zweimal direkt an den Vorstand des Konzerns nach Bonn – eine Antwort blieb jedoch aus. Auch in der Geschäftsstelle des Unternehmens in Marburg trug er seine Probleme mehrfach vor – ohne Erfolg. „Und als ich dann nach Hause kam, hatte ich ein neues Schreiben der Telekom im Briefkasten. Dort hieß es dann, die Leitung werde zum 7. November freigeschaltet. Das ist eine bodenlose Frechheit“, sagt Kamm. Und selbst dieser Termin sei noch nicht final, denn im Schreiben steht, die Telekom könne „zum jetzigen Zeitpunkt die Leistungserbringung und den endgültigen Termin noch nicht bestätigen“.

Er berichtet von „weiterem Irrsinn: Ich sollte beispielsweise per Telefon informiert werden – aber der Anschluss ist ja längst nicht mehr vorhanden. Wie soll das denn gehen?“, fragt er.

Telekom gibt auf Anfrage „Unstimmigkeiten“ zu

„Und die Rechnungen werden weiter fleißig abgebucht – ich bezahle seit Wochen für eine Leistung, die ich nicht bekomme“. Er habe gehört, dass die Rechnungen später gutgeschrieben würden, „das glaube ich aber noch nicht“, sagt er.

Mit den Problemen ist Hubert Kamm jedoch nicht alleine. So teilt die Bundesnetzagentur mit, dass die Zahl der Verbraucheranfragen und -beschwerden im vergangenen Jahr mit 220.000 einen neuen Höchststand erreicht habe. Im Vorjahr hatte die Zahl noch bei 178.000 gelegen.

Demnach betreffen viele Beschwerden die Störung von Anschlüssen, den Wechsel des Telekommunikationsanbieters sowie den Umzug von Telekommunikationsdiensten. Ferner monierten Verbraucher häufig den Kundenservice der Anbieter, insbesondere lange Warteschleifen sowie lange Reaktionszeiten auf Beschwerden.

Und was sagt die Telekom zu den Problemen? Auf Anfrage der OP teilt das Unternehmen mit, dass es in dem Haus keine freie Leitung gegeben habe, „das kann schon mal passieren“, erläutert eine Sprecherin. Erst, wenn die Vorgängerin gekündigt habe, könne der Anschluss wieder freigeschaltet werden. Bei der Kündigung der Vormieterin, so gibt die Sprecherin zu, habe es „Unstimmigkeiten und einige Verwirrung gegeben, das bedauern wir“. Die Schaltung sei nun „für den 17. Oktober vorgesehen“, versichert die Sprecherin auf Anfrage. Alle aufgelaufenen Kosten würden bis zum Zeitpunkt der Anschaltung gutgeschrieben. Darüber werde man den Kunden auch persönlich über sein Handy informieren.

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op-marburg.de

von Andreas Schmidt

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