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Ältere sind die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt

Arbeitslosenzahlen Ältere sind die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt

5440 Menschen im Landkreis sind arbeitslos, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent – das sind Spitzenwerte laut Agenturleiter Volker Breustedt. Doch der Markt für Arbeitsstellen stagniert.

Marburg. An Fußball-Metaphern mangelte es gestern bei der Vorstellung der Arbeitslosenzahlen nach dem Einzug der Nationalmannschaft ins WM-Viertelfinale nicht: „Es geht mir mit dem Arbeitsmarkt in der Region ein wenig wie der Nationalmannschaft: Wir gewinnen ständig, aber an manchen Ecken tun wir uns noch etwas schwer“, so Volker Breustedt.

Grundsätzlich seien die 5440 Arbeitslosen „ein Top-Ergebnis, denn es sind 448 oder 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr“, verdeutlichte der Agenturleiter. Ziehe man den Vergleich zu Hessen, sei die Steigerung immens – denn im Bundesland sank die Quote im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,7 Prozent.

Biedenkopf bezeichnete Breustedt als Gewinnerregion – dort liegt die Arbeitslosenquote nur noch bei 3,1 Prozent im Vergleich zu 3,6 Prozent im Vorjahr.

Gewinner bei den aktuellen Arbeitsmarktzahlen sind auch die jungen Leute von 15 bis 25 Jahren: Dort sank die Arbeitslosigkeit zum Vorjahresmonat um 19,9 Prozent, was 125 Personen entspricht. „Dort macht sich die engere Betreuung bezahlt“, ist sich Breustedt sicher.

Doch auch Verlierer gibt es: Die Zahl der älteren Arbeitslosen über 55 Jahre stieg im Vergleich zum Juni vergangenen Jahres um 1,9 Prozent, im Versichertenbereich gar um 8,8 Prozent – also 45 Menschen mehr. „Da würde ich aber darauf wetten, dass es Ende des Jahres anders aussieht“, so Breustedt.

Vermittler kümmern sich verstärkt um Ältere

Die Agentur habe fünf Arbeitsvermittler speziell für diese Altersgruppe eingesetzt, die seit Mitte Juni die „Kunden“ übernommen hätten. „Wir schreiben jetzt beispielsweise die Arbeitgeber speziell für diese Personengruppe an und wollen mal sehen, wie das Echo ist.“

In dieser Altersgruppe fänden sich an- und ungelernte Kräfte, bei denen die Vermittlung schwer sei. Doch auch zahlreiche „sehr gut Qualifizierte“ sind laut Breustedt bei den Älteren zu finden.

Dort schätzt der Agenturleiter die Vermittlungschancen als gut ein, doch er weiß, dass es auch Hemmnisse gibt: „Man kann ihnen nicht wie einem 20-Jährigen sagen, es gibt ganz tolle Möglichkeiten in Frankfurt, ziehen Sie doch dorthin.“ Denn die Menschen hätten hier ihr Leben aufgebaut.

Schwer hätten es derzeit auch Ausländer: Die Arbeitslosenzahl sank in dieser Gruppe lediglich um 2 Prozent, in Stadtallendorf stieg sie im Versichertenbereich im Vergleich zum Vorjahr sogar um 28,8 Prozent. Dies habe laut Breustedt dort mit weniger gemeldeten Stellen des saisonal produzierenden Gewerbes zu tun.

Die Bewegung auf dem Stellenmarkt stagniere derzeit: So konnten im vergangenen Monat nur 435 Menschen eine neue Arbeit aufnehmen, ein Minus von 17,8 Prozent. „Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe ist derzeit nicht besonders hoch“, fasst Breustedt zusammen. Es bestehe ein „Mismatch“: Die Anforderungen der Betriebe deckten sich nicht mit den Kenntnissen der Arbeitslosen. Daher gehe man bei der Agentur „in die Verlängerung“ und steigere die Beratungszeit um 15 Minuten je Kunde, „um möglichen Problemen auf den Grund zu gehen“, erläutert Breustedt.

Auch der Ausbildungsmarkt zeige derzeit „keinen so wirklich brennenden Motor“: 1410 Stellen seien gemeldet, 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Dem stehen 1624 Bewerber gegenüber, was einem Minus von 5,6 Prozent entspricht. „Die Besetzungsprozesse laufen sehr langsam. Wer als Betrieb jetzt noch drauf wartet, dass ein Bewerber vom Himmel fällt, der wird enttäuscht“, so Breustedt. 683 nicht versorgten Bewerbern stünden 514 Stellen gegenüber – Breustedt geht davon aus, dass die Jugendlichen versorgt würden, da es „viele Dopplungen“ gebe.

Mehr Aufstocker, weniger Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Juni gesunken. Das Kreisjobcenter weist 3114 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl damit um 85 Personen oder 2,7 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt die Zahl um 371 Langzeitarbeitslose oder 10,6 Prozent niedriger. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger liegt aktuell bei 2,4 Prozent – im Gegensatz zu 2,7 Prozent vor einem Jahr.

„Die stabile Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt geht weiter. Die Wirtschaftsdaten sind erfreulich, sodass ich auch für die kommenden Sommermonate mit einer positiven Entwicklung rechne“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist in diesem Monat jedoch leicht gestiegen. Im Vergleich zum Mai erhöhte sie sich um 41 oder 0,7 Prozent auf 6316. Verglichen mit dem Vorjahr ist dies ein leichter Anstieg um 18 oder 0,3 Prozent.

Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten gibt es im Vergleich zum Mai einen Anstieg um 0,6 Prozent auf 8143. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 2,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einer Reduzierung um 180 Personen.

„Wir beobachten die Entwicklung der Fallzahlen genau. Aktuell verzeichnen wir eine leichte Erhöhung der Zugangszahlen der sogenannten Aufstocker“, kommentiert Zachow. „Im vergangenen Monat sind 61 Personen, die bereits Erwerbseinkommen beziehen, deren Einkommen aber nicht ausreichend ist, hinzugekommen. Diese Personen sind jedoch nicht arbeitslos“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete. Der Anstieg verlaufe insbesondere bei den alleinstehenden Personen überdurchschnittlich stark. Gegenüber dem Juni vergangenen Jahres habe ihre Zahl um 117 oder 3,4 Prozent zugenommen.

von Andreas Schmidt

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