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Ältere sind „Sorgenkinder“ des Arbeitsmarkts

Statistik Ältere sind „Sorgenkinder“ des Arbeitsmarkts

Der Arbeitsmarkt im Landkreis ist „weiterhin auf einem guten Kurs - und das in der Fläche“, sagt Gerhard Wenz, Mitglied der Geschäftsführung bei der Marburger Agentur für Arbeit.

Marburg. Insgesamt 5383 Menschen waren im Juli 2014 im Landkreis arbeitslos gemeldet, 777 Personen oder 12,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent und erzielt erneut hessenweit einen Bestwert: Lediglich die Region Fulda mit 3,4 Prozent und der Main-Taunus-Kreis (4,1 Prozent) erzielen bessere Quoten.

„Wir haben einen Wert, der sich wirklich sehen lassen kann“, so Wenz.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit kam laut Wenz bei allen Personen- und Altersgruppen im Landkreis an.

638 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren sind derzeit arbeitslos gemeldet, was im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 16,9 Prozent oder 130 Personen entspricht. „Dort ist der Jahresvergleich sinnvoller als der Vergleich zum Juni“, erläutert Wenz. Denn viele Ausbildungsgänge würden im Juni enden, daher wären zunächst mehr Arbeitslose gemeldet.

Sorge bereitet Wenz die Gruppe der älteren Arbeitslosen. Zwar sei deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 151 auf 1563 gesunken, was einem Rückgang von 8,8 Prozent entspräche. Doch insgesamt mache diese Gruppe knapp ein Drittel aller Arbeitslosen aus – „das drückt uns weiterhin“, so Wenz. Man wolle die Vermittlungsbemühungen in dieser Gruppe weiter verstärken, wie schon in den vergangenen Monaten. So könne etwa mit betrieblichen Praktika ein Einstieg geschaffen werden, um dann mit gezielten Weiterbildungen, „wenn es fachlich mal nicht passt“, wieder in den Beruf zurückzukommen.

Resonanz der Arbeitgeber bisher verhalten

Begleitet werden könnten diese Programme auch mit Zuschüssen. „Aber wir haben einen hohen Stellenbestand. Daher appelliere ich an die Arbeitgeber, eine Stelle mit einem älteren Arbeitgeber auch mit längerer Einarbeitung zu besetzen, bevor er die Stelle gar nicht besetzen kann“, sagt Wenz.

In der Agentur gebe es derzeit ein Team von Vermittlern, das sich ausschließlich um die Gruppe der Über-50-Jährigen kümmere. „Doch die Resonanz war bei den Arbeitgebern bisher verhalten“, räumt Wenz ein.

Er weiß: „Wenn zum Alter die nicht vorhandene fachliche Qualifikation kommt, wird es schwierig.“ Doch in Zeiten des Fachkräftemangels berge diese Gruppe ein großes Potenzial, das die Arbeitgeber aufgreifen sollten.

Positiv sei indes auch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei den Ausländern: Im Jahresvergleich sank deren Anzahl um 160 Personen oder 15 Prozent auf 903.

Indes wurden der Marburger Arbeitsagentur im Juli deutlich weniger Stellen gemeldet. Lediglich 553 sozialversicherungspflichtige Jobs gab es, was 221 weniger als im Vorjahresmonat waren. Das entspricht einem Rückgang um 28,6 Prozent. Insgesamt gibt es derzeit 1855 offene Stellen.

Derzeit läuft auch der „Endspurt“ auf dem Ausbildungsmarkt. Derzeit gebe es noch 432 freie Ausbildungsplätze, dem stehen 584 Bewerber gegenüber. Und es würden immer noch Betriebe Ausbildungsstellen melden, die recht kurzfristig Azubis suchten.

Seit Oktober vergangenen Jahres hätten sich im Marburger Agenturbezirk 1731 Bewerber für eine Ausbildungsstelle gemeldet, 107 oder 5,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Parallel dazu seien bisher 1466 Ausbildungsstellen gemeldet worden, was einem Rückgang von 2,3 Prozent oder 34 Stellen entspräche.

Erneut weniger Langzeitarbeitslose

Einen kleinen Dämpfer musste der Arbeitsmarkt im Hinterland einstecken: Nachdem dort die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen Monaten kontinuierlich gesunken war, stiegt die Zahl der Arbeitslosen im Juli im Vergleich zum Juni von 999 auf 1058. Im vergleich zum Juli vergangenen Jahres sank die Zahl jedoch um 147 Personen oder 12,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote im Hinterland liegt indes immer noch bei „sehr guten 3,3 Prozent“, so Wenz.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Juli ebenfalls gesunken. Das Kreisjobcenter (KJC) weist für den Monat Juli 3087 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 27 oder 0,9 Prozent weniger als im Vormonat Juni. Gegenüber dem Juli 2013 ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 422 Personen gesunken, was 12 Prozent entspricht.

Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger ist im Kreisgebiet gegenüber dem Vormonat unverändert und liegt bei 2,4 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,7 Prozent.

„Bei einer insgesamt niedrigen Arbeitslosenquote und einer stabilen Konjunktur gibt es derzeit eher wenig Bewegung auf dem Arbeitsmarkt“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). „Wir haben die aktuell gute konjunkturelle Lage nutzen können, um viele Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit diesem bisher erreichten Ergebnis können wir sehr zufrieden sein“, so Zachow.

Die positive Entwicklung spiegelt sich auch bei der Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten wider.

Im Vergleich zum Vormonat verringerte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 46 oder 0,7 Prozent auf 6270. Verglichen mit dem Vorjahrsmonat ist dies ein Rückgang um 120 Bedarfsgemeinschaften oder 1,9 Prozent.

Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ein Rückgang um 82 auf 8061 Personen zu registrieren. Das entspricht einem Minus von einem Prozent. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 4,8 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einer Reduzierung um 403 Personen.

von Andreas Schmidt

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