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„Microsoft-Betrüger“ scheitern an Pensionär

Abzocker-Masche „Microsoft-Betrüger“ scheitern an Pensionär

Telefonbetrüger geben sich mit Vorliebe als 
Microsoft-Techniker aus. Tatsächlich wollen sie aber Daten abgreifen und Geld erpressen – so, wie bei Hans-Georg Lapp aus Wolfshausen.

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Hans-Georg Lapp aus Wolfshausen mit seinem Laptop: Angebliche Microsoft-Mitarbeiter wollten Zugang zu seinem Rechner erhalten.

Quelle: Andreas Schmidt

Wolfshausen. Das Telefon von Hans-Georg Lapp klingelt. Die Anruferin stellt sich auf Englisch als Microsoft-Mitarbeiter vor, spricht von einem Virus auf dem Computer des 65-Jährigen und bietet an, die Schadsoft­ware zu entfernen.

In Wahrheit handelt es sich um eine Betrügerin, die ihr Opfer als nächstes überreden will, eine Fernwartungssoftware aus dem Internet zu installieren. Danach hat sie volle Kontrolle über den Rechner, kann sensible Daten abgreifen oder Schadsoftware wie Trojaner installieren.
„Das Ganze kam mir von Beginn an suspekt vor“, sagt Lapp im Gespräch mit der OP. Denn die Nummer auf dem Display – 09165 als Vorwahl – passte nicht zur englischsprachigen Anruferin. „Sie hatte es zuvor schon zweimal versucht, da ging meine Frau ans Telefon“, erzählt Lapp. Die habe beide Male wieder aufgelegt.

Hans-Georg Lapp sollte Software installieren

Doch Hans-Georg Lapp war neugierig. Denn was die Anruferin nicht weiß: Der Pensionär ist computertechnisch nicht unbeleckt – im Gegenteil: Er hat bis zum Eintritt in den Ruhestand als Administrator des Landesbetriebs für Landwirtschaft gearbeitet. „So konnte ich meine Englischkenntnisse wieder auffrischen“, scherzt er über den Anruf. „Die Frau war schlecht zu verstehen, behauptete, ich hätte einen Virus auf dem Rechner – so ein Quatsch. Mein Rechner ist immer aktuell.“

Dennoch legte der Wolfshäuser nicht auf, denn er wollte wissen, wie die Anruferin weiter vorgehen würde. „Sie hat gequasselt und gequasselt, aber als ich sie gefragt habe, ob sie denn meine IP-Adresse kennen würde, hat sie verneint und das Thema gewechselt“, erinnert er sich.
Kurze Zeit später verlangte die Anruferin, dass sich Lapp eine Software aus dem Internet herunterlade – den sogenannten „Teamviewer“, über den man Rechner fernwarten kann. „Da habe ich das Gespräch dann abgebrochen, denn die Frau sollte auf keinen Fall Zugriff auf mein Netzwerk oder gar meinen Rechner erhalten“, erzählt Lapp, dem die Sicherheit in Sachen Computer sehr wichtig ist. Mehrere Datensicherungen besitzt er, auf externen Festplatten, er hält System und Viren­scanner immer auf dem aktuellen Stand und öffnet auch keine unbekannten E-Mails oder gar deren Anhänge.

„Microsoft ruft nie ungefragt Kunden an“

Doch so vorbildlich agieren nicht alle Benutzer, denn die „Microsoft-Masche“ zieht recht häufig. Meist haben es die Betrüger auf Bank- und Kontodaten abgesehen. Manchmal wird der Computer aber auch gesperrt. „Die Entsperrung wird dann gegen eine Gebühr angeboten“, erklärt Hans Retter vom Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen.

Auch wenn die Vorgehensweise nicht neu ist: Betrüger kommen damit immer wieder an sensible Daten und Geld. Dabei sieht echter Service von Microsoft ganz anders aus. „Microsoft ruft nie ungefragt Kunden an“, erklärt Unternehmenssprecherin Irene Nadler. Auch persönliche Daten würden nicht telefonisch abgefragt. Selbst wer Microsoft kontaktiert, bekomme meist zunächst erst eine Rückmeldung per E-Mail.

Nach diesem Prinzip verfahren auch andere Soft- und Hardwarefirmen. Trotzdem wirken die Betrüger oft sehr authentisch – und variieren ihre Strategie: Inzwischen kontaktieren die Betrüger die Kunden auch schriftlich oder per E-Mail. Ein Warnsignal: Sie sprechen bei den Anrufen hauptsächlich Englisch.

„Auf keinen Fall telefonisch Daten preisgeben“

Auch wenn viele bei so einer Masche zuerst an Senioren denken mögen: Laut Microsoft ist der Betrug insbesondere bei Menschen zwischen 18 und 34 Jahren erfolgreich. Nach einer Untersuchung des Unternehmens liegt die Hälfte der Betroffenen in dieser Altersklasse.

„Solchen Anrufen sollte man grundsätzlich mit Skepsis begegnen“, rät deshalb Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern. Wer merkt, dass es sich um einen betrügerischen Anruf handelt, sollte sich nicht in ein Gespräch verwickeln lassen und sofort auflegen: „Auf keinen Fall dürfen die Kunden telefonisch Daten preisgeben.“

Wer bereits die Software der Betrüger installiert hat, sollte schnell handeln. Grasl empfiehlt, den Computer dann sofort vom Internet zu trennen und von einem anderen Rechner aus alle wichtigen Passwörter zu ändern.

Schaden von jährlich 
rund 40,5 Millionen Euro

„Ist bereits Geld geflossen, sollten die Angerufenen versuchen, die Zahlung durch sofortigen Kontakt zur eigenen Bank zu stoppen“, empfiehlt Retter. Auch sollten Betroffene Strafanzeige stellen. Das hat auch Hans-Georg Lapp getan. „Aber man hat mir keine Hoffnung auf Aufklärung gemacht.“

Microsoft nimmt die Betrugsversuche sehr ernst, hat eigene Ermittler und geht in Zusammenarbeit mit der Polizei weltweit gegen die Betrügereien vor. Zudem bittet das Unternehmen, Vorfälle zu melden und hat dazu ein Formular online gestellt. Internetkriminalität ist ein ernstes Problem. 2015 verursachte sie hierzulande laut Bundeskriminalamt einen bekannten Schaden von 40,5 Millionen Euro.

Die Chancen, Daten oder Geld wiederzubekommen, sind gering, weil die Betrüger kaum Spuren hinterlassen. „Die Verursacher lassen sich deshalb in den meisten Fällen nicht ermitteln“, weiß Grasl. Mit eigener Vorsicht lässt sich das Risiko senken, den Betrügern ausgeliefert zu sein. „Grundsätzlich sollte man keine E-Mails oder Anhänge von unbekannten Versendern öffnen“, erklärt Retter. Und: „Ein Virenschutzprogramm bietet gute­ Voraussetzungen, um seinen Computer zu schützen.“

von Andreas Schmidt 
und Julian Hilgers

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