Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Abwahl-Antrag gegen Böttcher und Borgmann scheitert

UKGM-Betriebsrat Abwahl-Antrag gegen Böttcher und Borgmann scheitert

Bange Stunden für Bettina Böttcher: Der Betriebsrat sollte sie am Donnerstag als Vorsitzende abwählen. Der Antrag von der Liste Marburger Bund scheiterte jedoch.

Voriger Artikel
Böttcher und Borgmann bleiben in ihren Ämtern
Nächster Artikel
„Arbeit, Fleiß und Weitergabe von Wissen“

Schwerer Gang: Bettina Böttcher und Björn Borgmann am Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Betriebsratssitzung. Zuspruch gab es durch eine Solidaritäts-Kundgebung.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es war wohl ein schwerer Gang, den Bettina Böttcher, Betriebsratsvorsitzende des UKGM, und Björn Borgmann, Konzernbetriebsratsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG – beide von der Verdi-Liste –, am Donnerstagmorgen antraten: Kurz vor 8 Uhr machten sie sich auf zur Betriebsratssitzung, in der über ihre Zukunft in dem Gremium entschieden werden sollte. Denn auf Betreiben der Liste Marburger Bund sollte Böttcher als Vorsitzende abgewählt werden. Außerdem, so der Plan, wollte man ihnen die Freistellung entziehen.

Der Weg wurde den beiden jedoch erleichtert: Tags zuvor hatte Verdi-Fachbereichsleiter Fabian Rehm kurzfristig über Facebook zu einer Solidaritäts-Kundgebung für Böttcher und Borgmann aufgerufen. Rund 50 Unterstützer hatten sich eingefunden, um den Betriebsräten zu zeigen, dass sie hinter ihnen stehen. „Für Björn und Bettina“ bekundeten beispielsweise Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung ihre Sympathien auf einem Transparent, geschmückt mit Herzchen. „Böttcher und Borgmann, die bleiben!“ skandierten sie lautstark.

 

Für Frank Eggers war klar: „Wenn es in diesem Gremium genügt, einen Vorwurf zu formulieren, den hübsch in einen Geschenkkarton zu packen, um ihn dann in Abwesenheit der Betroffenen zu verbreiten und damit den Glauben zu erwecken, die Abwahl sei notwendig – dann spricht das für den jammervollen Zustand dieses Gremiums“, sagte er. Die Leute, die dies täten, müssten sich seiner Ansicht nach schämen, denn: „Wenn ich gegen jemanden etwas vorbringe, dann sollte ich wenigstens den Arsch in der Hose haben zu warten, bis die Betroffenen da sind, damit sie sich dazu äußern können.“

Auch Dr. Ulf Immelt vom DGB Mittelhessen war vor Ort. „Ich bin hier, um Solidarität zu zeigen mit Bettina und Björn. Sie sind zwei ausgezeichnete Betriebsräte, die für die Gewerkschaften hier sehr viel geleistet haben. Sie stehen für ein solidarisches Miteinander“, sagte Immelt.

Jan Schalauske, Landesvorsitzender der Linken, nahm ebenfalls an der Kundgebung teil. „Bettina Böttcher und Björn Borgmann haben sich in den letzten Jahren nicht nur auf außergewöhnliche Weise für die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb engagiert, sondern sie haben auch in die Stadtgesellschaft hinein breite Bündnisse geschmiedet für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Patientenversorgung.“ Schalauske könne den Vorwurf, dass Böttcher und Borgmann dem Arbeitgeber zu nahe stehen würden, „überhaupt nicht nachvollziehen“.

Es war eine Mammut-Sitzung des Betriebsrats – aber um kurz vor 16 Uhr stand fest: Bettina Böttcher bleibt in ihrem Amt, und auch die Aufhebung der Freistellungen von ihr und Borgmann sind vom Tisch. Die Erleichterung war groß, wie Fabian Rehm, Leiter des Fachbereichs Gesundheit bei Verdi Mittelhessen, zugibt: „Das ist eine großartige Nachricht. Aber damit hat sich die Situation im Gremium natürlich nicht geändert“, sagt er auf Anfrage der OP. Denn die Fronten seien weiterhin verhärtet. „Daher stehen wir auch zu unserem Wort und bieten weiterhin Neuwahlen an. Denn wenn eine solche Uneinigkeit im Gremium herrscht, lässt sich nichts erreichen. Dazu benötigt man eine Geschlossenheit und die gleiche Richtung.“

Verdi betont Leistungen von Böttcher und Borgmann

Zudem könne man aufgrund der Spaltung nicht ausschließen, dass in den kommenden Wochen eine ähnliche Situation auftrete. Doch momentan herrsche Erleichterung darüber, „dass die Mehrheit im Betriebsrat das Votum der Beschäftigten am UKGM goutiert“. Dass sich für eine Abwahl von Böttcher und Borgmann keine Mehrheit gefunden hätte, zeige aus Rehms Sicht, dass „die ganzen Vorwürfe politisch motiviert sind und keinen Sachgrund haben“.

Rehm betonte, welche Arbeit die beiden geleistet hätten. So sei Borgmann federführend dafür verantwortlich gewesen, die Pflegeschüler wieder zurück ins Klinikum zu holen, die zuvor „unter schlechteren Bedingungen beim DRK ausgebildet wurden“. Und Bettina Böttcher stehe „seit Jahren in der Öffentlichkeit für die Beschäftigten ein“. Rehm ist sich sicher: „Diejenigen, die versucht haben, Bettina zu stürzen, stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen. Denn sie waren sich der Abwahl sicher.“

Angestrebt hatte die Neuwahlen die weitere Gewerkschaft im Betriebsrat, der Marburger Bund – mit Unterstützung der unabhängigen Kandidaten. In der Landeszentrale des Marburger Bundes wollte man sich aber am Donnerstag nicht zu dem Abstimmungsergebnis äußern. Geschäftsführer Andreas Wagner verwies darauf, dass es sich um betriebsratsinterne Vorgänge handele. Die Gewerkschaft Marburger Bund betreibe als solche aber keinen Sturz.

Gegenüber der OP äußerte sich jedoch anonym ein Mitglied des Betriebsrats, nachdem aus dem Umfeld des Gremiums bekannt geworden war, dass die Abstimmung unentschieden bei einer Enthaltung ausgegangen war. Der Mann betonte ausdrücklich, „ein Vertreter von Betriebsratsmitgliedern aller drei Listen“ – also Verdi, Marburger Bund, Unabhängige – zu sein. „Aufgrund des Abstimmungsergebnisses wird deutlich, dass Verdi nicht hinter Frau Böttcher steht.“

Mögliche Neuwahlen lehnen die Gegner von Böttcher und Borgmann aber offensichtlich ab. „Für die Mitglieder aller Listen steht weiterhin die Arbeit für die Beschäftigten im Vordergrund. Das heißt, der Betriebsrat macht seine Arbeit und ist handlungsfähig“, hieß es. Bettina Böttcher und Björn Borgmann wollten sich am Donnerstag nicht äußern.

von Andreas Schmidt 
und Peter Gassner

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Kundgebung für Böttcher und Borgmann

Der Fachbereich ­Gesundheit des Verdi-Landesbezirkes Mittelhessen hat für diesen Donnerstag um 8 Uhr zu einer Solidaritätskundgebung mit den beider UKGM-Betriebsratsvorsitzenden Bettina Böttcher und den Konzern-Betriebsratsvorsitzenden Björn Borgmann aufgerufen.

mehr
Machtkampf im Betriebsrat am UKGM eskaliert

Am Donnerstag wird der Betriebsrat am UKGM in Marburg über die Abwahl von Bettina Böttcher entscheiden. Das Gremium sei derzeit nicht handlungsfähig, sagt Mitglied Björn Borgmann. Er spricht ebenso wie die Vorsitzende von einem Putschversuch.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr