Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Abschied von den Schweizern

Novartis Abschied von den Schweizern

Sie haben schon eng zusammengearbeitet, jetzt haben sie einen milliardenschweren Kauf- und Tauschdeal abgeschlossen: Die Pharmakonzerne
Novartis und GlaxoSmith­Kline mischen die Karten auf dem Arzneimittelmarkt in Europa neu. 

Voriger Artikel
Das Koffer-Labor kann Leben retten
Nächster Artikel
Kleine: „Die Messe ist ein Marktplatz“

Der Konzern Novartis wird seine Impfsparte verkaufen.

Quelle: Archivbild

Marburg . Um 8.10 Uhr erreichte gestern die rund tausend Novartis-Mitarbeiter in Marburg eine Mail von der Konzern-Zentrale in Basel. Der Schweizer Weltkonzern Novartis verkündete einen großangelegten Umbau mit Tauschgeschäften und Teilfusionen, in den neben der britischen GSK auch der US-Konzern Eli Lilly einbezogen ist. Für 10,5 Milliarden Euro kauft Novartis das Krebsmedikamentengeschäft des britischen Konzerns GSK. Diese Nachricht hat keine Auswirkungen für die Marburger Firma. Wohl aber der weitere Teil des Kaufvertrags: Die Schweizer verkaufen ihre Impfsparte an die Briten.

MARS-Einweihung steht an

Zudem trennt sich die Novar­tis-Gruppe vom Tiermedikamenten-Geschäft, das von der US-Firma Eli Lilly übernommen wird. Außerdem gründen Novartis und GSK ein Joint Venture für das künftig gemeinsame Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten. Damit entsteht nach Angaben von Novartis eine weltweit führende Firma für Gesundheitsprodukte.
Der Schweizer Konzern wird an dem Gemeinschaftsunternehmen einen Anteil von 36,5 Prozent halten. Novartis will sich in Zukunft auf  die Sparte Augenheilkunde sowie das Geschäft mit Krebsmedikamenten und Nachahmerprodukte konzentrieren. Die Transaktionen sind formal noch abhängig von der Zustimmung der Aktionäre und der Wettbewerbsbehörden. Im ersten Quartal 2015 sollte alles über die Bühne gegangen ein.  Dann werden die Marburger Novartis-Mitarbeiter unter dem Namen GSK arbeiten. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Arbeit am Behring-Standort im Stadtteil Marbach sowie in Michelbach wie bisher weitergeführt wird oder sogar ausgebaut wird.

Betriebsversammlung

Vieles spricht dafür: GSK hat schon seit längerer Zeit eng mit Novartis zusammengearbeitet, beispielsweise Bestandteile für Arzneimittel als Bulkware aus Marburg bezogen. Nun wollen die Briten ihr Impfstoff-Portfolio erweitern: Mit der Übernahme der Marburger Firma könnten sie künftig auch Impfstoffe gegen FSME und Tollwut produzieren und verkaufen. Nach Informationen der OP wird Anfang Juni die MARS-Anlage offiziell in Betrieb gehen. MARS steht für MARburger Standort. Novartis Vaccines and Diagnostics verfügt damit über eine hochmoderne Anlage für Tollwut- und FSME-Impfstoffe sowie ein neues Qualitätskontrollgebäude, das dann im nächsten Jahr vermutlich unter der Regie von GSK weitergeführt wird. Alle am Standort produzierten Impfstoffe werden hier getestet. Das MARS-Projekt war die bisher größte Einzelinvestition von Novartis in Marburg.

Aktien legen kräftig zu

Vom Kaufvertrag ausgenommen bleibt die Produktion von Grippe-Impfstoff. GSK stellt solche Arzneimittel bereits her und kann aus wettbewerbsrechtlichen Gründen daher nicht noch die Novartis-Grippeimpfstoffe kaufen. Für diese Sparte werden noch Käufer gesucht.
Aktien legten zu Unberührt bleiben offenbar auch die bestehenden Vereinbarungen mit der Philipps-Universität. Unternehmen und Wissenschaftler des Hochsicherheitslabors kooperieren seit längerer Zeit bei der Bekämpfung von gefährlichen Viren. Offiziell gab Novartis in Marburg gestern keine Stellungnahme zur Erklärung der Zentrale ab. Die Mitarbeiter sind für heute zu einer Betriebsversammlung eingeladen worden. Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) verwies auf Anfrage der OP, dass viele der langjährigen Mitarbeiter schon Übernahmen erlebt haben – so saßen einst die Chefs von Chiron Behring in den USA.
Es gebe derzeit keine negativen Signale, so Vaupel. Er sei vom Unternehmen persönlich über die Nachricht aus Basel informiert worden. Auch das sei ein gutes Zeichen. „Ich wünsche mir, dass das Führungspersonal in Marburg bleibt.“
Novartis-Aktien legten gestern nach der Bekanntgabe der Übernahmen kräftig zu. Während die Mitarbeiter noch viele Fragen haben, über mögliche Umstrukturierungen rätseln, wird das Tauschgeschäft von Marktbeobachtern positiv bewertet.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Pharmakonzern verkauft Impfsparte

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis verkauft einen Teil seines Geschäfts an die britische Firma GlaxoSmithKline (GSK). Die Impfstoffproduktion, die in Marburg läuft, ist offenbar betroffen.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr