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Abgelehnte Bewerberin verlangt Schadenersatz

Prozess Abgelehnte Bewerberin verlangt Schadenersatz

Eine Erziehungswissenschaftlerin hatte sich an der Marburger Philipps-Universität beworben und wurde abgelehnt - sie zweifelt das Auswahlverfahren an und klagt.

Marburg. Die Uni hatte die Teilzeitstelle im Dezember 2012 befristet auf drei Jahre ausgeschrieben. Die Bewerberin, eine 47 Jahre alte Erziehungswissenschaftlerin aus Mainz, hatte sich daraufhin am 2. Januar beworben. Jedoch erhielt sie am 26. März eine Absage - mit der Mitteilung, dass die Stelle zum 1. April mit einer anderen Person besetzt werde.

Doch damit wollte sich die Klägerin nicht zufriedengeben: Die Uni habe mit ihrer Entscheidung gegen das Gebot der Bestenauswahl verstoßen. Außerdem vermutet sie eine Diskriminierung wegen ihres Alters - und sie wirft der Universität vor, aufgrund der viel zu späten Absage sei ihr die Möglichkeit genommen worden, Konkurrentenklage einzureichen.

Die Uni hingegen argumentiert, dass es sechs Bewerber gegeben habe und ein Auswahlgremium aus vier Personen am 28. Januar getagt habe. Das Gremium habe die Auswahlkriterien anhand der Ausschreibung festgelegt und letztendlich einer anderen Bewerberin den Zuschlag für die Stelle erteilt.

Klägerin zu spät informiert

Der Anwalt der Klägerin verwies darauf, dass die Entscheidung des Gremiums bereits am 31. Januar festgestanden habe. Folglich habe man die Klägerin rechtzeitig vor dem 1. April über die Absage und über die Gründe der Ablehnung informieren müssen. „Die Uni hätte schreiben müssen, warum meine Mandantin nicht in die engere Auswahl gekommen ist“, verdeutlichte er. Denn aufgrund ihrer Qualifikationen hätte sie „mindestens zu einem Gespräch eingeladen werden müssen“, argumentierte er.

Auch seien die Kriterien nach der Ausschreibung noch weiter eingeengt worden. „Und es fällt einfach auf, dass die Ausschreibung direkt vor den Weihnachtsferien erfolgt ist - mit einer ganz kurzen Frist“, so der Anwalt. Taggleich mit der Ausschreibung habe „diejenige, die die Stelle nun bekommen hat, ihre Bewerbung abgegeben“, sagte der Anwalt. Auch habe die „Gewinnerin“ der Stelle bereits vorher für den Professor gearbeitet. Außerdem habe seine Mandantin die besten Qualifikationen für die Stelle.

„Die Stelle war auf meine Mandantin zugeschnitten“, ist sich der Anwalt sicher. Er wies darauf hin, dass diese als Quereinsteigerin erst recht spät in die Wissenschaft gekommen sei, „das biologische Alter hat aber mit dem wissenschaftlichen Alter nichts zu tun“, sagte er.

Alter nicht entscheidend

Der Vertreter der Universität versicherte indes, das Alter der Klägerin habe mit ihrer Ablehnung nichts zu tun gehabt, „das war sicherlich nicht entscheidend“. Vielmehr habe es laut Aufzeichnungen des Auswahlgremiums „einen Mangel in den qualitativen Forschungsmethoden - also der Praxis“ gegeben. Das Auswahlverfahren habe ohne Einladung der Bewerber stattgefunden - eine Praxis, die gesetzlich zulässig sei.

Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle verdeutlichte, dass der Arbeitgeber prinzipiell das Anforderungsprofil so zuschneiden dürfe, dass es auf eine bestimmte Person passe. Auch müsse in der Absage nicht dargelegt werden, warum man sich für einen anderen Bewerber entschieden habe.

„Allerdings stellt sich die Frage, warum der Klägerin die Absage so spät zugegangen ist“, rügte Rühle. Das nicht Einhalten der Fristen „schädige auch den Ruf der Uni“, so Rühle.

Der Universitätsvertreter räumte dieses Versäumnis ein und erklärte, das Schreiben sei über das Servicezentrum der geisteswissenschaftlichen Fachbereiche und nicht über die Zentralverwaltung der Uni gelaufen. Dort sei es liegen geblieben und zu spät gekommen. „Das ist aber keine Entschuldigung“, so Rühle. Denn nach der Rechtsprechung müsse das Schreiben innerhalb von zwei Wochen zugegangen sein.

Eine gütliche Einigung war nicht zu erzielen - der Forderung der Klägerin nach „einer fünfstelligen“ Schadenersatzsumme erteilte der Uni-Vertreter eine Absage.

von Andreas Schmidt

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