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Ab heute ist Sepa für Firmen Pflicht

Zahlungsverkehr Ab heute ist Sepa für Firmen Pflicht

Heute ist Schluss mit dem nationalen Überweisungsverfahren: Vereine und Unternehmen dürfen nur noch das Sepa-Format verwenden.

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Ab heute gilt für alle Überweisungen der europaweite Sepa-Standard. Verbraucher müssen sich für Überweisungen an die 22-stellige Iban gewöhnen.

Quelle: Andrea Warnecke

Marburg. Die Umstellung auf das neue europäische Zahlungsverfahren Sepa ist in Deutschland nach Einschätzung der Bundesbank weitgehend abgeschlossen. Im Juni wurde nach Angaben der Notenbank bereits für 92,7 Prozent aller Überweisungen in Deutschland das neue Verfahren benutzt. Bei den Lastschriften lag der Sepa-Anteil bei 84 Prozent.

Dass die Umstellung weitestgehend abgeschlossen ist, ist auch gut so. Denn: Von heute an dürfen Unternehmen und Vereine Lastschriften und Überweisungen in Euro nur noch im Sepa-Format mit der internationalen Kontonummer IBAN tätigen. Haben Firmen und Vereinen nicht rechtzeitig umgestellt, müssen sie mit Gebühren rechnen.

Die heimischen Banken sind mit der Umstellung zufrieden. So erklärt André Junker, Berater für den Firmenkundenzahlungsverkehr der Volksbank Mittelhessen: „Wir hatten schon am 10. Juni den 1. August.“ Denn bereits zu diesem Zeitpunkt habe die Bank die Firmenkunden umgestellt. „Wir haben den Knall also schon hinter uns - und er war so leise, dass man ihn fast nicht gehört hat“, so Junker.

Er erläutert: „Wir haben unsere Kunden bombardiert mit Infos, Anschreiben, Seminaren, Workshops und vielem mehr - die Kunden waren also bestens informiert.“ Lediglich fünf der rund 20000 Firmenkunden hätten laut Junker um eine Fristverlängerung bis zum heutigen 1. August gebeten, „der Rest hatte umgestellt. Und die Frist konnten wir gerne gewähren, denn wir hatten ja noch Zeit“, sagt Junker. Man habe bewusst das Abschaltdatum im Juni gewählt, „weil wir uns aus der Ferienzeit heraushalten wollten. Jetzt sehen wir dem 1. August sehr gelassen entgegen.“

Auch beim Vereinswesen sei die Umstellung „in geordneten Bahnen“ verlaufen, dort erwarte man ebenfalls keine Probleme.

Kontinuierlich Kunden angesprochen

Heinrich Aillaud, Sepa-Projektleiter der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, sieht die Lage ähnlich: „Wir haben das vergangene halbe Jahr genutzt, um die Kunden kontinuierlich anzusprechen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass unsere Kunden keine großen Probleme haben werden“, sagt er. Das sei aber auch ohne die Fristverlängerung so gekommen, ist sich Aillaud sicher. Denn eigentlich hätte die Sepa-Umstellung für Vereine und Firmen bereits im Februar erfolgen sollen, war dann aber wegen vermuteter Probleme auf den heutigen Tag verschoben worden.

Aillaud meint aber auch: „Einige Kunden werden dennoch überrascht sein.“ Alle zwei Wochen habe die Sparkasse in den vergangenen Monaten die Zahlungsverfahren ausgewertet, um die Kunden daraufhin anzusprechen. „Die Kunden waren dankbar, dass man sie angesprochen habe“, so Aillaud. Seine Erfahrung: „Viele Kunden konnten bereits mit Sepa umgehen, haben aber das herkömmliche Überweisungsverfahren aus Bequemlichkeit weiter genutzt.“ Aus seiner Sicht gebe es bei Vereinen noch Nachholbedarf. „Aber wir werden natürlich nach wie vor helfen“, so Aillaud.

Verbraucher können sich indes mit der Umstellung noch gedulden - gleichwohl werden auch sie ab heute zum Großteil Sepa nutzen. Denn um Rechnungen von Firmen oder Behörden zu zahlen, können sie das herkömmliche Überweisungsverfahren auch nicht mehr anwenden.

Generell dürfen Verbraucher jedoch noch bis zum 1. Februar 2016 ihre bisherige Kontonummer und Bankleitzahl nutzen. Danach kommt dann die „Iban“ zum Einsatz. Diese hat in Deutschland 22 Stellen. „Vielen mag das lang erscheinen“, sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Doch vor einem Zahlendreher muss sich niemand fürchten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld auf einem falschen Konto landet, ist gering.“

Prüfziffer sorgt für Sicherheit

Der Grund: Die Iban, die sich aus der bisherigen Bankleitzahl und Kontonummer zusammensetzt, wird ergänzt von einer Prüfziffer. „Diese errechnet sich aus den Zahlen und gilt nur für die jeweilige Iban“, erklärt Feck. „Wenn die Zahlenfolge nicht stimmt, wird die Überweisung nicht ausgeführt.“

Doch Vorsicht: Gibt ein Verbraucher versehentlich die Zahlen eines existierenden Kontos ein, wird es schwierig, das falsch überwiesene Geld zurückzuholen. „Der Fehler liegt dann ja bei mir“, sagt Feck. „Und dafür muss ich dann geradestehen.“

Allerdings müssen die Geldinstitute alles tun, um dem Kunden zu helfen. „Die Bank muss mir dann zum Beispiel sagen, wer das Geld bekommen hat.“ Verbraucher müssten sich dann selbst an den falschen Empfänger wenden und ihn bitten, das Geld wieder herauszugeben. Um falsche Eingaben zu vermeiden, sollten Verbraucher die langen Zahlenreihen unterteilen. „In vielen Vordrucken werden Ibans ja schon in Viererblöcken angegeben“, sagt Feck. „Das macht es wesentlich übersichtlicher.“

von Andreas Schmidt

und unserer Agentur

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