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Ab November steht der Drehspieß still

"Kalimera" schließt Ab November steht der Drehspieß still

Viele Marburger nennen es ihr „zweites Wohnzimmer“. Nach 22 Jahren verkauft die Inhaberfamilie schweren Herzens das Restaurant „Kalimera“. Letzter Öffnungstag ist der kommende Freitag.

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Nach 22 Jahren geben Athina (von links) und Dimitrios Vamvakas sowie Tochter Christina das
Restaurant Kalimera auf.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Seit 22 Jahren führen Athina und Dimitrios Vamvakas das bekannte griechische Restaurant. Nun verabschieden sich die Inhaber vom „Kalimera“ aus der Gastronomie - und damit auch von ihren zahlreichen Stammgästen.

Und davon gibt es einige, freuen sich die Inhaber. Viele Gäste begleitet das „Kalimera“ seit ihrer Kindheit, zahlreiche Stammkunden besuchten schon als Kinder mit den Eltern regelmäßig das Restaurant. Es folgten das erste Date, der Heiratsantrag des künftigen Ehepartners - und heute kommen die Familien mit dem eigenen Nachwuchs vorbei.

Die Vamvakas arbeiten in und für ihr Restaurant, haben bis vor kurzem weder Ruhetag noch Urlaub gekannt. Regelmäßig stehen sie bis zu 15 Stunden täglich im „Kalimera“ - durchgehend, sieben Tage die Woche. „Es war eine schwere, aber auch eine sehr schöne Zeit“, erinnert sich Athina Vamvakas. Zum allerersten Mal hatte die Familie im Sommer dieses Jahres Betriebsferien, der erste Familienurlaub überhaupt, für Dimitrios Vamvakas der erste Urlaub seines Lebens, erzählt der 54-Jährige. Das Restaurant war sein großer Lebensinhalt und für ihn wie ein Familienmitglied, „eigentlich habe ich zwei Kinder“, lacht er. „So ist das eben bei uns“, bestätigt Tochter Christina Vamvakas. Seit ihrem sechsten Lebensjahr wuchs sie im „Kalimera“ auf, das Restaurant ist ihr auch ans Herz gewachsen, sagt die 26-Jährige.

Die Familie stammt aus der griechischen Stadt Patras. 1983 wanderten Dimitrios und Athina Vamvakas nach Deutschland aus. Bei Verwandten lernten sie die Grundlagen des Restauranthandwerks, brachten sich den Rest selbst bei.

1992 übernahm die Familie das „Kalimera“

Einige Jahre lang führte das Paar in verschiedenen Städten Gastronomiebetriebe und kam 1991 nach Marburg. Ein Jahr später übernahmen sie mit einem Partner das „Kalimera“ und bauten sich schnell einen großen Kundenkreis auf. Zehn Jahre später ging der Betrieb komplett in Familienbesitz über. Die Inhaber vergrößerten das Restaurant von 40 auf rund 65 Sitzplätze samt großzügiger Terrasse. Eine Spezialität war immer das eigenhändig zubereitete Gyros, samt frischem Tzatziki und Krautsalat nach altem Familienrezept.

Mittlerweile ist das 33 Jahre alte „Kalimera“ verkauft, der neue Inhaber will es als griechisch-mediterranes Restaurant weiterführen.

Die Entscheidung sich vorerst zur Ruhe zu setzen fiel der Familie mehr als schwer. „Wir haben das Ganze noch nicht wirklich realisiert“, erzählt das Ehepaar. Ein Leben voll harter Arbeit ohne dauerhafte Entspannung forderten schließlich ihren Tribut. Gesundheitliche Probleme zwangen die Vamvakas, ihr Lebenswerk aufzugeben und zu verkaufen.

„Wir haben immer zusammengehalten, gearbeitet und 100 Prozent gegeben, das macht unsere Familie aus“, erzählt Christina. Sich durch weiteres Personal zu entlasten kam für die Inhaber nicht in Frage. „Wir sind Perfektionisten, ich kann meine Arbeit einfach niemand anderen erledigen lassen“, sagt Athina Vamvakas. Ihre Tochter wollte das Restaurant nicht übernehmen, die Verwaltungsfachangestellte hat eine Vollzeitstelle an der Marburger Uni, hilft in ihrer Freizeit im Familienbetrieb aus. Die tägliche Belastung und den Stress will sie sich nicht aufbürden. Auch ihre Eltern wollen dieses Leben nicht für ihre Tochter und sind froh über deren Entscheidung - auch, wenn alle drei mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen.

Viele Kunden bedauern das Aus, haben sich bereits von der Familie mit den besten Wünschen verabschiedet. „Unsere Gäste sind uns immer treu geblieben, die Resonanz ist unglaublich“, erzählt der Chef gerührt. Wichtig war der Familie immer „Gemütlichkeit und Herzlichkeit“, dass die Gäste sich im „Kalimera“ einfach wie zu Hause fühlen. Mit Erfolg: Viele Stammkunden nennen das Restaurant ihr „zweites Wohnzimmer“, sagen die Inhaber und bedanken sich für die Treue und Unterstützung der Marburger: „Wir gehen mit schwerem Herzen, es war eine tolle Zeit mit unseren Gästen.“ Auch ihrem Nachfolger wünschen sie alles Gute und viel Erfolg.

Anlässlich der letzten Woche für die Familie Vamvakas wird das Restaurant auch am Mittwoch, dem eigentlichen Ruhetag, geöffnet sein. Und am 31. Oktober wird sich der Drehspieß zum letzten Mal drehen.

von Ina Tannert

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