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„88 Betriebe - beschämend wenig für Marburg“

Gastronomie „88 Betriebe - beschämend wenig für Marburg“

Der Vorstand der Dehoga ruft zu Imagewandel und mehr Werbung für das bedrohte Gastgewerbe auf. Zudem bereit das Sterben der Landgasthöfe große Sorge.

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Ein längst geschlossenes Gasthaus. Viele Hoteliers und Gastwirte im Landkreis suchen nach Nachwuchskräften. Das Sterben traditionsreicher Gaststätten ist besonders in ländlichen Gegenden zu beobachten. Foto: Candy Welz

Quelle: Candy Welz

Marburg. Beltershausen. Gedrückte Stimmung beim Marburger Kreisverband des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Das Gastgewerbe sieht sich nicht nur mit heftigem Preisdruck, geringen Umsätzen und einem sinkenden Ansehen konfrontiert, die Mitglieder bemängeln vor allem die steigenden Nachwuchsprobleme der Branche.

„Wir müssen dringend unser Image ändern“, rief Kreisverbandsvorsitzender Dirk Wolf während der Jahreshauptversammlung am Dienstag in Beltershausen zu mehr Wettbewerbsfähigkeit auf.

Es werde immer schwieriger ausreichend Auszubildende für die Gastronomie zu gewinnen, im vergangenen Jahr ist die Zahl der Neuverträge um weitere sechs Prozent gesunken. Der Verband müsse daher aktiver in Ausbildungswesen und Marketing investieren, so der Vorsitzende.

Im Ausbildungsbereich kritisieren die Mitglieder vor allem die geringe Stundenzahl, in denen die Auszubildenden sich in den Betrieben aufhalten und fordern die Berufsschulen auf, wieder auf vier Schultage, statt den aktuellen fünf, umzusteigen.

Die Arbeits-, Ruhe- und Schulzeiten der Branche stünden sich ansonsten weiterhin gegenseitig im Weg. Auch zu kritischen Stimmen aus Medien und Arbeitsmarkt bezog der Vorstand Stellung: im Mittelpunkt der Aufregung ständen immer wieder die schlechten Arbeitszeiten und -bedingungen, weiß Wolf.

Appell für gerechte Löhne

Es gäbe sicher schwarze Schafe in der Branche, jedoch halte sich der Großteil der Gastronomen an die Regeln und achte sehr genau auf Arbeitszeitverordnung, Tariflöhne oder Urlaubszeiten für ihre Mitarbeiter, stellte er klar: „Die Gastronomie wird an den Pranger gestellt, dagegen müssen wir etwas tun“. Der klare Appell an die Kollegen: trotz steigendem Wettbewerbsdruck, nach Tarif zu zahlen, insbesondere mit Blick auf den kommenden Mindestlohn.

„Wir brauchen vernünftige Löhne um gute Fachkräfte zu bekommen und zu halten“, prophezeite Wolf. Weiter sinkende Preise seien der falsche Weg - die Kostendeckung der Branche sei nach wie vor schlecht.

Laut statistischem Landesamt gab es im März dieses Jahres eine nominale Umsatzsteigerung von etwa dreieinhalb Prozent bei den hessischen Beherbergungsbetrieben, unter Berücksichtigung der Preisentwicklung ergibt dies ein Plus von einem Prozent.

Die Gastronomie legte dagegen nur leicht, um ein halbes Prozent zu, preisbereinigt bedeutet dies sogar einen Umsatzrückgang von fast zwei Prozent. „Es geht etwas aufwärts, aber ein Durchbruch ist dies nicht“, so Wolf.

Dabei sei das Gastgewerbe nach wie vor ein „echter Jobmotor“, dies zeigen alleine die Beschäftigungszahlen, so Wolf. Im Februar dieses Jahres waren laut Bundesagentur für Arbeit über 880000 Menschen in Gastronomie und Hotellerie beschäftigt, ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mitgliedszahlen sinken

Während der Versammlung ebenfalls zu Gast war Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer der Dehoga-Hessen. Er nahm unter anderem Stellung zu dem anhaltenden Wunsch des Verbandes, die Mehrwertsteuer zu reduzieren. Große Hoffnung in dieser Richtung gebe es nicht, die Dehoga bleibe jedoch weiter am Ball, so Wagner.

Daneben kritisierte er die sinkenden Mitgliederzahlen des örtlichen Kreisverbandes: „88 Betriebe sind beschämend wenig für Marburg“, betonte Wagner und versprach Hilfe vom Landesverband, um Werbung und Aufklärung verstärkt voran zu treiben.Größter Wackelkandidat des Gastgewerbes sind die stetig schwindenden Landgasthöfe der Region. Diese seien von Nachwuchsproblemen einer anhaltenden Überalterung des Verbandes sowie sinkenden Preisen am stärksten betroffen.

Der Branchenverband will die Gaststätten weiter fördern, auch wenn man „nicht alle retten kann“, so der Hauptgeschäftsführer. Die Dehoga will das Thema nun auf die Tische der Städte und Kommunen bringen und eine Lösung für das hessische Gastronomiesterben finden.

Zu diesem Zweck rief er die Mitglieder zur aktiven Teilnahme an der Landesdelegiertenversammlung in Kassel am 14. Juli auf, wo die Kernprobleme der Branche intensiv diskutiert werden sollen.

von Ina Tannert

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