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Zufall war Basis für das Unternehmen

50 Jahre Zinser-Optik Zufall war Basis für das Unternehmen

Vom Augenmaß zur 
Präzisionsmaschine – 
Karl-Heinz Zinser hat die Entwicklung der Augenoptik miterlebt. Vor 50 Jahren gründete er sein Geschäft – durch eine glückliche Fügung.

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Auch als Rentner hat Karl-Heinz Zinser immer noch den vollen Durchblick im Augenoptik-Geschäft, das er vor 50 Jahren in Gladenbach gründete.

Quelle: Ina Tannert

Gladenbach. Wo heute präzise Maschinen für den perfekten Schliff sorgen, da legte der Seniorchef früher noch selbst Hand an Fassung, Brillenglas und Schleifstein. Karl-Heinz Zinser hat die dicken Rohlinge einst gefräst und am Diamantschleifer bearbeitet. Alles nach Augenmaß. „Was es heute so alles gibt – das konnte man sich damals nicht mal vorstellen“, erinnert sich der 76 Jahre alte Jubilar.

Vor fünf Jahrzehnten gründete er sein Unternehmen. Heute leitet seine Tochter Marion die Zinser GmbH & Co. KG. Darüber ist der Vater froh, „ich hatte es gehofft, aber sagte immer ,macht doch was ihr wollt – wenn ich 60 bin, verkaufe ich‘“, verrät er. Das Versprechen hat er eingehalten, im Laden hilft er trotzdem noch, „so als Mini-Jobber“, sagt er lachend. Zehn Mitarbeiter und auch Ehefrau Helga Zinser arbeiten mit im Geschäft, „es war immer ein Familienbetrieb“, erzählt Zinser stolz.

Erfolgreicher Gang zum Arbeitsamt – zufällig

Viel hat sich im Laufe der Zeit verändert. Nicht nur in der Technik, sondern auch rund um das Geschäft. Damals standen weit weniger Häuser im Ort und noch eine Schafherde auf der Wiese nebenan. Dann wurde die Hauptstraße gebaut und zwar bis zu vier Meter über Bodenniveau. „Plötzlich war mein Geschäft im Keller“ – nicht im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich, erzählt der Jubilar lachend. Er lächelt viel, ist eher der gelassene Typ. Mit Ruhe nahm er auch die Großbaustelle damals. Die brachte auch Gutes, etwa viele Parkplätze für das Geschäft. „Wir hatten mal wieder Glück“, sagt der Senior.

Dem Glück war es auch zu verdanken, dass er Augenoptikermeister wurde, dass es ihn überhaupt nach Gladenbach verschlug. Der gebürtige Neustädter war in der Lehre zum Feinmechaniker, als der Ausbildungsbetrieb geschlossen wurde. Zinser saß auf der Straße. Auf dem Arbeitsamt traf er zufällig einen Augenoptiker, der den neuen Lehrling spontan aufnahm.

Jahre später versuchte Zinser, sich selbstständig zu machen. Einen geeigneten Standort fand er jedoch nicht. Das Glück war ihm erneut hold, in Form seiner Turner-Kollegen. Schon seit seiner Jugend war er im Turnverein. Wie es der Zufall wollte, richtete Zinser als Kampfrichter ein Turnier in Gladenbach aus. Ein Sportkollege versprach spontan, einen Laden zu organisieren. Das nahm Zinser zunächst nicht für bare Münze. „Ja ja, natürlich“, sagt er auch heute noch ironisch und winkt schulterzuckend ab.

Sportkollege organisierte die Geschäftsräume

Von wegen – nur vier Tage später erfüllte sich das Versprechen. Der junge Geschäftsmann hatte einen neuen Laden und der Turnverein einen neuen Übungsleiter. Eine Hand wäscht eben die andere, die Vereinskollegen waren seine ersten Kunden. Wieder zufällig traf er einen Handwerker vor seinem renovierungsbedürftigen Geschäft, der den Neuaufbau 1967 übernahm. „Ich habe mein ganzes Leben lang Glück gehabt, das Geschäft lief vom ersten Tag an gut“, erinnert sich Zinser.

Der Augenoptik folgte schließlich eine Weiterbildung zum Hörakustiker. Er sei einer der ersten gewesen, der Hörgeräte angeboten habe, erzählt er. Die ersten Hörhilfen waren große, unhandliche Kästen, die mit Schnüren mit dem Ohr verbunden waren. Davon hat Zinser einige aufgehoben. An die musste er früher noch selber per Hand Verstärker einbauen. „Das ist mit heute nicht zu vergleichen, mittlerweile reicht eine kleine Platine, und Frequenzen werden über das Handy gesteuert“.

Das Geschäft laufe gut, Sorgen macht er sich nicht über Konkurrenz aus dem Internet. Der zunehmende Onlinehandel stelle für sein Geschäft noch keine so starken Einbußen dar wie in anderen Branchen. In der Augenoptik sei noch Handarbeit und nach wie vor Augenmaß gefragt. Da könne das Internet nicht mithalten: Alleine, um eine Brille an den Kopf des Trägers anzupassen, brauche es den Experten. „Da geht es um den richtigen Sitz und den Augenmittelpunkt – dazu muss man das ganze Gesicht kennen, von der Nase bis zum Ohr“, sagt der Meister. Das habe sich auch nach 50 Jahren nicht verändert, „damals wie heute braucht man Augenmaß und Formempfinden, sonst kann man die Kunden nicht gut beraten“.

von Ina Tannert

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