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272 Spender finanzieren Magazin

Crowdfunding 272 Spender finanzieren Magazin

Zwei Monate hat er gebettelt und gebangt: Daniel Hölys Idee, ein neues Magazin zu produzieren, kam an. „Sh!ft“ heißt sein Baby, das derzeit noch „unbezahlbar“ ist. Der junge Unternehmer will nun den Weg in den Zeitschriftenmarkt finden und zeigen, dass sich Print und Online ergänzen.

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Maburg. Er ist Blogger (Juiced.de), Journalist, Chefredakteur, Verleger. Daniel Höly (26) aus Bonn hat sein erstes Ziel erreicht: Die Finanzierung für die Erstausgabe seines Printmagazins „Sh!ft“ war dank privater Spender gesichert: Rund 7000 Euro kam durch Crowdfunding beisammen und damit 2000 Euro mehr als erforderlich. Die auf 1000 Exemplare limitierte Erstausgabe bekommen die Unterstützer. Grund dafür sei eine Vereinbarung mit den Autoren, erklärt Daniel Höly: „26 Autoren haben mir ihre Artikel honorarfrei zur Verfügung gestellt. Ohne diese Hilfe hätte ich die erste Ausgabe inhaltlich so niemals stemmen können.“

Print oder online? Der Künstler glaubt ans Papier

272 Personen haben seine Zeitschrift bereits unterstützt. „Das zeigt mir einmal mehr: Print ist noch lange nicht tot“, so Höly, der in Bonn lebt. Bei einer Tagung in Marburg stellte er Nachwuchsjournalisten seine Idee und sein Konzept vor. In den vergangenen Monaten hatte er unzähligen Menschen sein Vorhaben erklärt: Ein neues Printmagazin herauszugeben, dessen erste Ausgabe er nur durch die Spenden finanzierte. Dabei habe er die Erklärungen über sein Projekt stets seinem Gegenüber angepasst, verrät er im Magazin. „Normalos“ erzählte er, er produziere ein neues Printmagazin für „netzaffine junge Erwachsene“. Leute, die mit Internet nichts am Hut haben, bekamen folgende Definition zu hören: „Werthaltige Zeitschrift für Jugendliche“. Und „Nerds“ - jetzt kommt ganz spezielle Kost - bekamen die Ansage „Offline-Mashup für Digital Natives“.

Blättern statt klicken

Die Gebrauchsanweisung für „Shi!ft“ lautet „blättern“. Ob das nicht für einen studierten Onlinejournalisten und Blogger altmodisch sei, so ein Produkt aus Papier? Nein, Daniel Höly glaubt an die Zukunft des Printmediums. Er will, dass die Medienlandschaft vielfältig bleibt und möglichst vielfältiger wird. Und er will Themen, auch ernste, setzen. „Die unbequeme Wahrheit“ heißt das Schwerpunktthema der ersten Ausgabe. Dazu gehören Artikel über Pränataldiagnostik, Prostitution und eine Porträtserie über Drogenabhängige. Die Geschichte über eine alt gewordene Hure liest sich leicht, das Thema ist dennoch schwere Kost. Wer lieber auf Unterhaltung und Service setzt, wird aber auch fündig: Tipps zum Smartphone-Mitteilungsdienst „Whats app“ finden sich ebenso wie eine Zusammenstellung von „überflüssigen und überfälligen Erfindungen“.

Hölys Frau Debora, ebenfalls Journalistin, und der Marburger Pädagogikstudent Ecki Graumann gehören zu den Mitautoren der Erstausgabe. Damit es eine zweite Ausgabe gibt, ist Höly auf Investoren angewiesen. Derzeit sei er bereits mit ersten Kontakten im Gespräch, habe aber noch nichts Konkretes vereinbart. „Ich bin nach wie vor stark an Unternehmen oder Privatpersonen interessiert, die sich vorstellen könnten, „Sh!ft“ gemeinsam mit mir in die Bahnhofskioske zu bringen.“

Beim Publishers Summit des Verbands Deutscher Zeitungsverleger wird Höly in Berlin am 22. und 23. Oktober als Referent auftreten. In der Liste der Referenten wird er namentlich nach Giovanni Di Lorenzo (Die Zeit) und Dr. Mathias Döpfner (Springer Verlag) erwähnt. Eine Ehre für den mutigen Journalisten, der eigentlich gern im Hintergrund steht, aber als Verleger und Jungunternehmer nun auch das Rampenlicht suchen muss.Mehr Informationen zu Magazin Shift: juiced.de/shift

Hintergrund: Crowdfunding
  • Crowdfunding (zu Deutsch etwa: Schwarmfinanzierung) ist eine besondere Form der Finanzierung für Unternehmensgründungen oder die Realisierung von Projekten.
  • Zu Crowdfunding wird meist im Internet aufgerufen – in der Regel von Menschen, die eine Geschäftsidee haben, aber kein Startkapital. Überzeugt die Geschäftsidee, bekommt der Initiator sein Startkapital zusammen. Insbesdondere Kreative wie Musiker, Künstler suchen nach dieser Methode nach Kapital.
  • Die Geschäftsidee funktioniert in den USA seit 2007, seit 2010 nimmt auch in Deutschland die Zahl der per „Crowdfunding“ finanzierten Projekte oder Start up-Unternehmen stark zu
  • Die wichtigste Plattform für Crowdfunding in Deutschland ist startnext.de.

von Anna Ntemiris

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