Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
2500 Berufstätige bezogen Hartz IV

Protest 2500 Berufstätige bezogen Hartz IV

Der Deutsche Gewerkschaftsbund macht auf den Zusammenhang von Niedriglöhnen und Armutsrisiko aufmerksam.

Voriger Artikel
Gemeinsamer Kampf gegen H7N9-Virus
Nächster Artikel
Rhön-Chef will eine Milliarde Euro investieren
Quelle: Michael Hoffsteter

„Erwerbstätige Arbeitslosengeld-II-Bezieher mit laufendem Leistungsanspruch“: So heißen im Beamtendeutsch Menschen, die Arbeit haben, aber dennoch Sozialleistungen beziehen müssen – weil sie zu wenig verdienen. Sie müssen ihr Gehalt durch Hartz-IV-Leistungen aufstocken lassen – die Rede ist daher von „Aufstockern“. Der Deutsche Gewerkschaftsbund macht derzeit deutschlandweit auf das Thema Aufstocker und Niedriglöhne aufmerksam.
Der DGB Marburg-Biedenkopf beteiligte sich am Wochenende mit Aktionen auf dem Marburger und Gladenbacher Marktplatz.
Hintergrund der Aktion ist folgender: Der Niedriglohnsektor hat sich in den letzten Jahren massiv ausgeweitet. Immer mehr Menschen müssen in unfreiwilliger Teilzeit oder zu Niedriglöhnen arbeiten und mit Hartz IV aufstocken. Der DGB erklärt, dass das den Steuerzahler viel Geld kostet und fordert eine Abkehr von dieser Politik.
Schließlich fördern Niedriglöhne das Aufkommen von Schwarzarbeit, so Pit Metz, DGB-Kreisvorsitzender. „Wer nicht auskommt, mit seinem Gehalt, kann zu Schwarzarbeit verleitet werden“. Der DGB kennt Menschen, etwa in der Gastronomie oder im Taxigewerbe, die unterm Strich weniger als fünf Euro die Stunde verdient haben.
Metz berichtet von einer Frau, die monatelang unentgeltlich als Praktikantin arbeitete.

Bedrückende Situation bei Leiharbeitern

Auch so etwas sei ein Skandal. Und dann gebe es noch die vielen Leiharbeiter, die ebenfalls für gleiche Arbeit wie Kollegen weniger erhalten.
„Etwa 22 Millionen Euro haben die Kommunen im Kreis Marburg-Biedenkopf im vergangenen Jahr aufgewendet, um Geringverdienern das Existenzminimum zu sichern. Betroffen waren rund 2500 Personen. Sie arbeiteten überwiegend in Minijobs oder unfreiwilliger Teilzeit und mussten mit Hartz-IV aufstocken, um finanziell über die Runden zu kommen“, erklärt Dr. Ulf Immelt, Organisationssekretär des DGB in Marburg. „Das ist eine unerhörte und nicht länger hinnehmbare Subventionierung von Arbeitgebern“, fügt er hinzu. „Die 22 Millionen Euro, die die Kommunen im Landkreis aufwenden mussten, konnten sich die regionalen Arbeitgeber in die eigene Tasche stecken.“
Um dies am Beispiel der Stadt Gladenbach zu verdeutlichen, wurde ein „Ortseingangsschild“ der Stadt Gladenbach aufgestellt, das zeigt, dass es allein in Gladenbach 117 aufstockende Bedarfsgemeinschaften gibt und 1 058.616,00 Euro Jahresausgaben für Aufstockung. Auch in Marburg wurde ein ähnliches Schild aufgestellt. In Marburg gibt es 1200 Aufstocker. Das kostet die Stadt etwa zehn Millionen Euro pro Jahr.
Der DGB weist außerdem auf das Risiko von Geringverdienern hin, nach Jobverlust sofort in Hartz IV zu rutschen.  Im Landkreis ging dies im vergangenen Jahr 817 Personen so, hat der Gewerkschaftsbund errechnet.
Häufigste Gründe: Bei Einigen hat die Zeit der Erwerbstätigkeit nicht gereicht, um Ansprüche auf Arbeitslosengeld aufzubauen. Andere haben so schlecht verdient, dass sie ergänzend zum Arbeitslosengeld auf Hartz IV angewiesen sind.
„Bedrückend“ ist vor allem die Situation bei den Leiharbeitern. Jeder Fünfte, der 2012 seinen Job verlor, musste anschließend Hartz IV beantragen.

von Anna Ntemiris und Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr