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176 Mal in die Kasse gegriffen

Veruntreuung 176 Mal in die Kasse gegriffen

Etwa 240 000 Euro hat die Leiterin zweier Altenheime in Frankenberg und Rhoden zwischen 2005 und 2010 veruntreut. Vor dem Amtsgericht kam sie am Mittwoch mit einer Bewährungsstrafe davon.

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Immer wieder hat die Angeklagte sich am Geld der Bewohner und des Frankenberger Altenheims vergriffen.

Quelle: Patrick Pleul

Marburg. Insgesamt 176 Mal soll die 51-Jährige in die Kasse gegriffen und dabei auch in 70 Fällen Unterschriften gefälscht haben. Laut Anklage hat sie Gelder in bar von Bewohnern des Seniorenzentrums oder deren Betreuern entgegengenommen und quittiert. Diese sollten eigentlich der Hauskasse zugeführt werden, damit die Kosten bezahlt und Taschengeld ausgezahlt werden konnten. Stattdessen behielt die Angeklagte Geld zwischen niedrigen dreistelligen Beträgen bis hin zu 14 000 Euro für sich.

Außerdem, so verlas Oberstaatsanwalt Gert-Holger Willanzheimer, habe sie umgekehrt Geld aus der Kasse genommen und - anstatt es den Senioren auszuzahlen - ebenfalls an sich genommen und veruntreut. Darüber hinaus habe sie die Vollmacht einer alten Frau dazu genutzt, deren Konto in zehn Abhebungen um mindestens 33 000 Euro zu erleichtern. In einer noch laufenden Zivilklage ist sogar von 72 000 Euro die Rede. „Die Frau ist schlicht und ergreifend darum betrogen worden, ihren Lebensabend angenehmer gestalten zu können“, fasste es später die Vorsitzende Richterin Nadine Bernshausen, zusammen.

„Ich denke mal, dass ich das alles war, ich schäme mich ja so“, gestand die Angeklagte alle Vorwürfe. Wie Bernshausen berichtete, habe sich das Verfahren aufgrund einer psychischen Erkrankung der Frau, die sich nach wie vor in Behandlung befinde, so lange hingezogen. Auch vor den Taten habe sie bereits unter Stress und Verlustängsten gelitten.

Mit dem Geld in die Spielbank

Aufgrund einer Insolvenz wegen ihrer früheren Selbstständigkeit habe ihr Haus zur Zwangsversteigerung gestanden. Und sie habe geglaubt, dies mit Glücksspiel verhindern zu können. „Ich wollte mein Zuhause nicht verlieren, ich weiß, dass das keiner verstehen kann, aber ich war so verzweifelt.“

Das veruntreute Geld habe sie in Lotto und die Kasseler Spielbank investiert. Dort habe sie regelmäßig vorwiegend an Automaten gesessen, weil sie dabei mit niemandem reden musste. Aber auch Roulette habe sie ab und zu gespielt. Selten habe sie auch gewonnen, aber das Geld sei am kommenden Tag schon wieder in Automaten gewandert. „Wenn du da sitzt, dann vergisst du die Welt und glaubst, heute gewinnst du so viel und zahlst die Schulden ab.“

Das Gericht folgte letztlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft, der zwei Jahre auf Bewährung forderte. Bei dem auf lange Dauer angelegten Tatkomplex handele es sich um gewerbsmäßige Untreue, betonte Willanzheimer. Gleichwohl sei zu berücksichtigen, dass es der Angeklagten auch leicht gemacht worden sei.

Täterin will Schaden wiedergutmachen

Richterin Bernshausen verwies in der Urteilsbegründung darauf, dass die Frau nicht vorbestraft sei und nicht davon auszugehen sei, dass so etwas wieder passiere. „Die Episode ist abgeschlossen“, zeigte sich die Richterin überzeugt. Haft würde der Genesung sicher nur im Weg stehen, und den Geschädigten sei damit auch nicht geholfen. Vom Arbeitsgericht ist die Frau nach der fristlosen Kündigung in einer Teilverurteilung bereits zur Rückzahlung von 120 000 Euro an den Träger des Altenheims verpflichtet worden.

Den Senioren selbst sei kein Schaden entstanden, sie hätten ihre Leistungen vom Altenheim weiter erhalten. Anders sei dies bei der Frau, an deren Konto die Angeklagte sich bedient hatte. Als Bewährungsauflage muss die 51-Jährige zunächst ab Januar 2016 monatlich 250 Euro „abstottern“. Sie wolle in jedem Fall wieder arbeiten, betonte die Verurteilte, um so viel Schaden wie möglich wiedergutzumachen.

Weil alle Beteiligten Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Heiko Krause

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