Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
14-Jährige gerät in Inkasso-Verfahren

Kreditgeschäft mit Schulden 14-Jährige gerät in Inkasso-Verfahren

Eine Schülerin zahlte mit EC-Karte und Unterschrift – und schloss damit, ohne es zu wissen, ein Kreditgeschäft ab. Die Eltern sind entsetzt, auch wenn sie wissen, dass die Sparkasse rechtens handelte.

Voriger Artikel
Rhön-Klinikum erwägt 
neue Zukäufe
Nächster Artikel
Ausbruch aus Rollenbildern

Sparkassen und Banken werben mit speziellen Konten für Jugendliche.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Die Konfirmation ist ein guter Anlass, um für die Tochter ein Jugendkonto einzurichten, dachte sich das Ehepaar Mahla. Einige Monate später bekam die 14-jährige Schülerin Post von einem Inkassobüro – und einen ordentlichen Schreck.

Evelyn Mahlas Tochter hatte im Mai in einer Rossmann-Filiale Waren im Gesamtwert von 14,21 Euro eingekauft. Sie zahlte mit ihrer Karte, aber zu diesem Zeitpunkt war nicht ausreichend Geld auf 
ihrem You-Girokonto der Sparkasse. Obwohl das Konto nicht gedeckt war, konnte die Schülerin ihren Einkauf erledigen. Das ist der erste Punkt in einer 
Reihe von Punkten, die Mahlas kritisieren.

Eltern nahmen an, dass Karte notfalls gesperrt wird

„Ich war im letzten Jahr in der Filiale meines Vertrauens und habe mich beraten lassen. Mir wurde mitgeteilt, dass dieses spezielle Jugendkonto sehr sicher ist, da es nicht ins Minus gehen kann“, so Evelyn Mahla. Auf ihre Frage hin, was passiere, wenn das Konto nicht gedeckt sei, sei ihr mitgeteilt worden: Nichts.

Falls tatsächlich eine Lastschrift erfolge und das Konto nicht gedeckt sei, würde die Mutter angerufen oder erhielte eine schriftliche Mitteilung, habe ihr der Berater erklärt. Unter diesen Voraussetzungen – und nur unter diesen – habe sie das Konto für ihre Tochter eingerichtet, betont sie.

Monate später wurden die Eltern von der Sparkasse schriftlich darüber informiert, dass ihre Tochter versucht hatte, im Mai in einem Geschäft mit der Karte zu bezahlen und auf Anfrage die Adresse herausgegeben wurde. „Da ich informiert war, dass nichts Gravierendes passieren könnte, habe ich das Schreiben zur Kenntnis genommen und erwartet, dass sich das Geschäft bei uns meldet, um die Forderung einzutreiben. Stattdessen wurde meine Tochter vom Inkassounternehmen angeschrieben. Anstelle der 14,21 wurden 108,45 Euro in Rechnung gestellt“, berichtet Evelyn Mahla.

Der OP liegt das Schreiben der Inkasso-Firma vor. Die jetzt besorgte Mutter ging mit dem Schreiben zur Bankfiliale. Dort wurde ihr erklärt, dass die Drogerie-Kette drei Mal vergeblich versucht hatte, das Geld abzubuchen.

Der feine Unterschied: Kreditgeschäft statt Kauf

„Auf meine Frage 
 hin, wie es denn passieren konnte, dass wir bei diesem jugendsicheren Konto eine Inkasso-Forderung erhalten, hielt sich der Geschäftsstellenleiter bedeckt: Da der Kauf mit Unterschrift erfolgte, sei die Bank nicht beteiligt, es handele sich in diesem Fall um ein Kreditgeschäft“, hieß es.

Die Mutter bleibt bei der Aussage, dass sie davon ausgegangen war, dass die Eltern informiert werden, wenn eine Lastschrift bei ungedecktem Konto erfolge. Die Sparkasse verweist darauf, dass in diesem Fall alles korrekt ablief. Es handelte sich nicht um einen Kauf, sondern um ein Kreditgeschäft, so der kleine, aber feine Unterschied.

„Die Eröffnung eines You-Kontos für Minderjährige erfolgt nur, wenn die Eltern der Kontoverbindung zustimmen. Die Konten werden auf Guthabenbasis geführt. Verfügungen an Kasse, Geldautomat oder per Überweisung können nur erfolgen, wenn und soweit Guthaben vorhanden ist. Gleiches gilt beim Einkauf mit der Karte, wenn der Händler das Verfahren mit Eingabe der PIN-Nummer nutzt. Somit ist – soweit in unserer Verantwortung – sichergestellt, dass keine Kontoüberziehung erfolgen kann“, erklärt Michael Frantz, Leiter der Marketing-Abteilung, der OP.

Wenn allerdings Händler aus Kostengründen das bargeldlose Zahl-Verfahren per Lastschrift und mit Unterschrift des Kunden einsetzen – bei dem keine Autorisierung am Konto erfolgt – und das Konto keine entsprechende Deckung aufweist, dann kommt es zur Rückgabe der Lastschrift, wenn kein Guthaben vorhanden ist. Das war in dem Fall der jungen Kundin der Fall, erklärt Frantz.

Kontoauszüge geben Überblick

„Das Vorgehen der Sparkasse ist korrekt. Knackpunkt ist, dass der Händler ohne Einwilligung der Eltern keinen wirksamen Lastschriftvertrag mit der Minderjährigen schließen konnte, wie er bei diesem Kauf notwendig war. Die minderjährige Person hätte bar bezahlen müssen oder mit PIN. Dies wäre im Rahmen des Taschengeldparagraphen abgedeckt worden, nicht aber ein Vertrag über einen Lastschrifteinzug.“

„Wir als Sparkasse haben weder eine Forderung an die Kundin noch an den Händler, wir sind schlicht außen vor. In der Verantwortung steht der Händler, der mit Minderjährigen keinen Lastschrifteinzug vereinbaren kann“, so Frantz. Außerdem verweist er darauf, dass über den Kontoauszug der Kontoinhaber einen Überblick über den Stand des Kontos habe und rechtzeitig vor Mahnungen reagieren könne.

Evelyn Mahla entgegnet, dass sie sich all diese 
Informationen gern vorher 
gewünscht hätte. „Obwohl wir Tausende You-Konten haben, ist solch ein Fall noch nicht vorgekommen. Vielleicht hat hier die Eigenverantwortung eines Teenagers und / oder die finanzielle Bildung durch die Eltern nicht optimal funktioniert. Wir finden es schade – und rechtlich eindeutig falsch – hierfür die Verantwortung zugeschoben zu bekommen und verwahren uns dementsprechend dagegen“, erklärt Frantz.

Die OP fragte die Pressestelle von Rossmann, was sie zu Kreditkäufen von Jugendlichen erklärt. Dazu gab es keine Stellungnahme. Zu dem konkreten Fall könne man nichts sagen, 
weil keine Einverständniserklärungen, Kaufbelege und andere Nachweise vorliegen. Evelyn Mahla geht davon aus, dass sich das geklärt hat. Sie hat die Kaufsumme und eine Bearbeitungsgebühr bezahlt. Die Karte nutzt ihre Tochter nicht mehr.

von Anna Ntemiris

 
Hintergrund
Für die meisten Bankgeschäfte benötigen Minderjährige das Einverständnis der Eltern. Ein Kreditvertrag zieht Rückzahlungspflichten und Zinslasten nach sich und kann wegen dieser Nachteile von Minderjährigen nicht alleine wirksam abgeschlossen werden. Einen Kredit aufnehmen oder das Konto überziehen können Minderjährige sogar nur mit einer gerichtlichen Genehmigung. Die Zustimmung der Eltern reicht dafür nicht aus. Bevor die Bank Geld an Minderjährige leihweise auszahlt, muss dies vom Vormundschaftsgericht erlaubt werden. Quelle: Verbraucherzentralen
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr