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128 Pauly Mitarbeiter werden arbeitslos

Schließung Firma Pauly 128 Pauly Mitarbeiter werden arbeitslos

Am Dienstag wurden die 128 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gebäckherstellers Pauly über den Sozialplan im Zusammenhang mit der Schließung der Firma informiert.

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Das Pauly-Werk in Wenkbach (oben) stellt seine Produktion zum 31. August ein. Auf einer Betriebsversammlung erfuhren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestern die Höhe ihrer Abfindungen, die im Sozialplan festgeschrieben wurden.Fotos: Tobias Hirsch

Wenkbach. Es bleibt dabei: Der Snackhersteller Pauly GmbH & Co KG beendet seine Produktion zum 31. August. Alle 128 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihren Job. Ein einvernehmlicher Sozialplan zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat wurde nicht erzielt, sondern  durch einen Spruch des Vorsitzenden der Einigungsstelle ersetzt. Gestern wurden die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über die Höhe ihrer Abfindungen informiert.

Die Geschäftsleitung hatte die Teilnahme der OP, die vom Betriebsrat eingeladen worden war, an der Betriebsversammlung untersagt. Einzelheiten wollte sie nicht bekannt geben. Wichtigstes Ergebnis der Sozialplanverhandlungen: Eine Transfergesellschaft konnte nicht gegründet werden, die Mitarbeiter marschieren spätestens Anfang 2014 direkt in die Arbeitslosigkeit.

Harter Schlag für die Region

Am 31. August werden die Pauly Mitarbeiter ihren letzten Arbeitstag haben. An diesem Tag beendet der Gebäckhersteller, der eine Tochtergesellschaft von Intersnack ist, seine Produktion. Ende Mai erhielten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Kündigungen, die ersten Maschinen werden nach OP-Informationen bereits abgebaut. Aufgrund langer Betriebszugehörigkeitszeiten laufen die Kündigungsfristen teilweise bis zum Jahresende. Ein Großteil der Mitarbeiter wird dann zum 31. August freigestellt.

Für die Region ist die Schließung des Werks ein harter Schlag. Der überwiegende Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommt, so der Betriebsrat, aus dem Raum Marburg-Biedenkopf.

Einzelheiten über den Sozial­plan erfuhren die Mitarbeiter gestern im voll besetzten Bürgerhaus von Wenkbach. Dabei ging es auch um die Höhe ihrer Abfindungen. Die Geschäftsführung ließ die Öffentlichkeit bei dieser Betriebsversammlung nicht zu und verweigerte auch mündliche Stellungnahmen. Sie verwies auf eine Presseerklärung in den nächsten Tagen.

Nach Informationen der OP ist das wichtigste Ergebnis der Sozialplanverhandlungen, dass eine zwischenzeitlich angedachte Transfergesellschaft nicht zustande kam. Der Betriebsrat führt das vor allem darauf zurück, dass die Geschäftsleitung nicht ausreichend Geld für eine attraktive Ausgestaltung zur Verfügung gestellt habe.

Keine Transfergesellschaft

So wäre nur eine „abgespeckte Form“ zustande gekommen - unter Anrechnung der Abfindungsbeträge, ohne sinnvolle Qualifizierung und mit nur kurzer Laufzeit. „Wenig Leistung für viel Verzicht bei den Abfindungen“, charakterisierte ein Betriebsratsmitglied das Angebot bezüglich der Transfergesellschaft, die die Arbeitnehmervertretung deshalb nicht annahm.

Der Multiplikator, der neben Monatsgehalt und Betriebszugehörigkeit die Höhe der Abfindung bestimmt, ist für alle Mitarbeiter - also auch für die sogenannten rentennahen Jahrgänge - nach OP-Informationen gleich. Schwerbehinderte und Mitarbeiter mit Kindern erhalten einen kleinen Zuschlag. Einen kleinen Zuschlag gibt es auch für jene 80 Mitarbeiter, die 2010 auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie auf fünf Prozent ihres Monatslohns in der Hoffnung auf einen sicheren Arbeitsplatz verzichtet hatten, damit die Firma die Investition für eine Verpackungsanlage stemmen kann.

„Applaus haben sie nicht gerade bekommen“, umschrieb ein Mitarbeiter die Stimmung im Bürgerhaus Wenkbach, „aber es gab auch keine Ausschreitungen“. Interessensausgleich und Sozialplan waren nicht einvernehmlich zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung ausgehandelt worden, sondern durch einen Spruch des Vorsitzenden der Einigungsstelle ersetzt worden.

Über 60 Arbeitslose über 50 Jahre

Von den 138 demnächst arbeitslosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind knapp die Hälfte 50 Jahre und älter, sagte die Betriebsratsvorsitzende Petra Riedel. In einem solchen Alter zähle man auf dem Arbeitsmarkt schon zum „alten Eisen“.

„Noch längst nicht alle haben die Schockstarre überwunden“, beschreibt ein Betriebsratsmitglied die Stimmung in der Firma. Die Belegschaft war am 1. Februar davon informiert worden, dass die Produktion zum 31. August eingestellt wird.

Besonders enttäuscht ist Betriebsrats-Vorsitzende Petra Riedel davon, „wie alles abgelaufen ist“. Die Geschäftsführung habe ihr Versprechen nach einer fairen und sozialverträglichen Lösung nicht gehalten. Verbittert ist der Betriebsrat besonders deswegen, weil die Pauly GmbH & Co KG schwarze Zahlen geschrieben habe. „Man hat eine gesunde Firma sterben lassen mit der Begründung, dass hier die Arbeitsplätze zu teuer sind“, kritisierte ein Betriebsrat.

Während die Kolleginnen und Kollegen noch im vergangenen Jahr Überstunden geschoben und eine Sechs-Tage-Woche abgeleistet hätten, seien andere Werke der Intersnack-Gruppe nicht ausgelastet. „Das verstehe, wer will.“

von Till Conrad

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