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Wie wollen Sie die Menschen in die Energiewende einbeziehen?

Eine Frage, sechs Antworten Wie wollen Sie die Menschen in die Energiewende einbeziehen?

Wir haben die Kandidaten für die Landtagswahlen im Wahlkreis 12 gefragt: Was werden Sie im Landtag tun, damit die Menschen im Landkreis auf dem Weg zur Energiewende mitgenommen werden und von ihr profitieren?

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Ist Windkraft die Lösung, oder nur ein Teil derselben?

Quelle: Thorsten Richter

Ingeborg Cernaj (70), Medizinjournalistin (Die Linke): Selbst die Hessische Landesregierung setzt darauf, bis zum Jahre 2050 die Energieversorgung in Hessen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken (ohne Verkehrsbereich). Ich werde mich dafür einsetzen, die Ergebnisse des Hessischen Energiegipfels fortzuschreiben und die halbherzigen Lösungen der Landesregierung durch wirksame Instrumente zu ersetzen. Ein wesentliches Element der Energiewende wird ein Förderprogramm zur ener­getischen Optimierung der Altbausubstanz sein. Die Fördergelder kommen zum größten Teil direkt dem heimischen Handwerk zugute. Eine Überarbeitung des Landesentwicklungsplanes muss mit dem Ziel erfolgen, regionale Strategien für die Energiewende zu entwickeln. Ein mit neuen Formen der Bürgerbeteiligung (Planungszelle, Bürgerpanel) regional aufgestellter Maßnahmenkatalog wird die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes viel besser berücksichtigen. Die Konkurrenz von Tank und Teller wird zugunsten der Teller entschieden und ein Wildwuchs von WKA verhindert.

Manuel  Fenner (28), Referent bei der FDP: Die Windenergie hat für mich einen festen Platz in unserem zukünftigen Energiemix. Wir müssen jedoch darauf achten, dass sie auch nur dort genutzt wird, wo sie den Menschen auch wirtschaftlich Strom liefert. Die Abschaffung des EEG und die Einführung eines Mengenmodells sind längst überfällig. Es muss sich aber auch jeder Bürger im Klaren sein, dass es die Energiewende nicht zum „Nulltarif“ gibt, jedoch muss die Entwicklung dieser neuen Energiequellen im bestmöglichen Einklang mit den Bürgern, der Wirtschaft sowie der Natur geschehen und für alle bezahlbar bleiben. Aus diesen Grund setzte ich mich dafür ein, dass die Windenergie so entwickelt wird, dass der Netzausbau Schritt halten kann und die Versorgungssicherheit nicht gefährdet wird, die Lastenverteilung beim Umbau der Energieversorgung gewährleistet ist und dass es einen fairen Ausgleich zwischen Bürgerwillen, Natur- und Umweltschutz sowie der Energieerzeugung gibt. Extrem wichtig ist es für mich, dass Windkraftanlagen mindestens 1000 Meter von Siedlungen entfernt bleiben und dass Kosten beim Ausbau der Windenergie begrenzt und die Strompreisspirale gestoppt wird.

Sandra Laaz (43), Tagesmutter (Gründe): Alle Menschen und Gruppierungen müssen frühzeitig in einen Dialog vor Ort eingebunden werden. Aus Betroffenen müssen Beteiligte werden. Gleichzeitig sollen die im Landkreis bereits funktionierenden Beteiligungsformen von BürgerInnen in Erneuerbare-Energie-Projekte wie Energiegenossenschaften weiter vorangetrieben werden. Viele Menschen sind bereit, in ihrem Haushalt oder Unternehmen die Energiewende voranzubringen, gerade weil sie wissen, dass sie dadurch mittelfristig Kosten sparen. Bei neuen Windkraftanlagen im Staatswald werden wir Kooperationsverträge mit den regionalen Akteuren – auch den Nachbarkommunen – abschließen und damit alle betroffenen Kommunen an den Planungen und Pachteinnahmen beteiligen. Mit einem Erneuerbare-Energie-Wärme-Gesetz wollen wir die energetische Sanierung des Altbaubestands voranbringen und parallel Anreize durch das Land über einen Sanierungszuschuss und ein Austauschprogramm alter Heizungen bieten.

Angelika Löber (44), Leiterin im kommunalen Rechenzentrum (SPD): Den Weg der unumgänglichen Energiewende will ich mit den Bürgern zusammen gehen. Dazu reicht es nicht aus, dass einzelne Bürger an Anlagen beteiligt sind. Ich werde mich dafür einsetzen, dass das wirtschaftliche Betätigungsverbot für Kommunen, das die schwarz-gelbe Landesregierung verhängt hat, aufgehoben wird. Dann können diese von den hiesigen Standortvorteilen profitieren und ein großer Teil der Wertschöpfung bei den regenerativen Energien bleibt in der Region. Das müssen wir ausbauen. Es macht unsere Kommunen finanziell handlungsfähiger und kommt damit allen zu Gute. Im Sinne der Akzeptanz müssen auf Landesebene klare Grenzen gesetzt werden für die Belastung von Mensch und Umwelt (keine Monokulturen, ausreichende Abstandsregelungen von Windrädern, transparente Messverfahren). Zur Akzeptanz alternativer Energien darf es nicht sein, dass ständig die Strompreise an der Strombörse sinken, der Verbraucher aber dennoch stärker belastet wird. Hier hat die Bundesregierung versagt, das muss sich ändern!

Thomas Schäfer (47), Hessischer Finanzminister Ministerpräsident Volker Bouffier ist etwas gelungen, das zurecht als bundesweit beispielhaft gilt: Er hat es geschafft, alle Parteien beim Hessischen Energiegipfel an einen Tisch zu bringen, um gemeinsame Ziele und Maßnahmen für die Energiewende in Hessen zu definieren. Diese Vereinbarungen gilt es nun umzusetzen. Zur Energiewende gehört der Ausbau der Windkraft – aber ausschließlich an hierfür geeigneten Standorten mit möglichst geringen Auswirkungen auf die natürliche Umgebung. Anders als Rot-Grün trete ich für eine konsequente Berücksichtigung und Abwägung von Bürgerinteressen bei der Errichtung von Windkraftanlagen ein. Wichtig für die Akzeptanz der Energiewende bei uns im Landkreis ist zudem die Einbindung der Bürger bei der Einrichtung von erneuerbaren Energieanlagen – zum Beispiel durch genossenschaftliche Beteiligungsmodelle. Hier werde ich meinen Beitrag leisten, um weitere neue Finanzierungsformen für Bürger und Kommunen zum Gelingen der Energiewende auf den Weg zu bringen. Von Jens Fricke lag bis Redaktionsschluss leider keine Antwort auf unsere Frage vor. 

Von Jens Fricke lag bis Redaktionsschluss leider keine Antwort auf unsere Frage vor.

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Was werden Sie im Landtag tun, um der Marburger Philipps-Universität die finanzielle Unabhängigkeit zu geben, die sie angesichts weiter hoher Studierendenzahlen für ihre Aufgaben in Forschung und Lehre braucht?

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