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Spitzenkandidaten-Karawane zieht weiter

Wahlkampf-Tour durch Hessen Spitzenkandidaten-Karawane zieht weiter

Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel machen in diesen Tagen dasselbe. Sieben Wochen vor der Landtagswahl reisen der CDU-Ministerpräsident und der SPD-Herausforderer durch Hessen.

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Thorsten Schäfer-Gümbel besichtigt den Werkstoffhof Zaug Recycling in Gießen. Im Hintergrund der eingesammelter Müll in den gelben Säcken. Foto: Roland Holschneider

Quelle: Roland Holschneider

Wiesbaden. Zwar sind Sommertouren von Politikern im Bus immer ähnlich. Doch es zeigt sich, dass die Bürger am 22. September die Wahl zwischen zwei sehr unterschiedlichen Personen und Konzepten haben.

Schäfer-Gümbel beginnt den gestrigen Tag bei der Gießener Entsorgungsfirma Zaug-Recycling. Der Müll riecht streng. Die frühere kommunale Beschäftigungsgesellschaft ist mittlerweile erfolgreich im Wertstoffgeschäft und bietet ohne Förderung Dutzende Jobs für Ungelernte. Gezahlt werden knapp neun Euro die Stunde, etwas mehr als der Branchenmindestlohn, wie Geschäftsführer Klaus Müller sagt.

Gerechtigkeit ist Thema

„Respekt vor harter Arbeit“ nennt Schäfer-Gümbel seine Tour, die genau seine politische Inhalte aufgreift: Es geht ihm um gute Arbeitsbedingungen und anständigen Lohn. „Menschen tragen mit harter Arbeit zum Erfolg dieses Landes bei, bringen aber keine Reichtümer nach Hause“, sagt er. Was noch nicht gerecht ist, das will der Arbeitersohn aus der Gießener Nordstadt gerecht machen. In der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim diskutiert er mit Ärzten, wie man die Bezahlung von Pflegekräften verbessern kann, ohne eine neue untere Lohngruppe zu schaffen.

Auch Bouffier besucht bei seiner Tour Firmen. „Hessens Beste“ hat er sie getauft. Er will den wirtschaftlichen Erfolg herauskehren, den die CDU-Regierung dem Land gebracht hat. Aber er half am Montag auch in einer Obdachlosen-Initiative der Frankfurter Kapuzinermönche mit, um zu zeigen, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist.

Die Welt ist weitgehend in Ordnung, und wo nicht, kann jeder mitanpacken und sie in Ordnung bringen - das ist Bouffiers Botschaft. Auch Heimat und Brauchtumspflege sind dem Konservativen wichtig.

Bouffiers Pfund für den Wahlkampf sind sein jovialer Umgang mit Menschen, seine langjährige Regierungserfahrung. Überall im Land war er schon, kennt er jemanden. Bei Polizei und Feuerwehr fühlt sich der langjährige Innenminister sichtlich wohl. Aber auch Schäfer-Gümbel ist in fünf Jahren als Spitzenmann der hessischen SPD lockerer und selbstbewusster geworden. Auf seiner Tour zeigt er sich als Teamspieler.

Die Gewerkschafterin Bärbel Feltrini, bislang im Vorstand der IG Bau, begleitet ihn. Bei jedem Termin bezieht Schäfer-Gümbel sie ein, stellt sie vor als mögliche zukünftige hessische Ministerin für Arbeit und Soziales. Wer Ministerpräsident werden will, darf schräge Fotos nicht scheuen. Bouffier erschien am Montag in orange mit T-Shirt und Käppi, der Arbeitskluft eines rollenden Supermarktes im Main-Kinzig-Kreis. Schäfer-Gümbel zieht gestern geduldig weiße Großküchenkleidung bei der Lufthansa-Catering-Tochter LSG an. Siegesgewiss geben sich beide.

Mutmacher für Steinbrück

Nachdem Rot-Grün in Umfragen lange einen Vorsprung hatte und Bouffier um die Wiederwahl fürchten musste, hat Schwarz-Gelb aufgeholt. Die Lager liegen gleichauf. „Ich sehe mit großer Zuversicht auf den Wahltag“, sagte Bouffier. Die Union werde mit Abstand wieder stärkste Kraft in Hessen werden. Bouffiers stärkste Wahlhelferin ist Kanzlerin Angela Merkel. Für sie sieht es im Bund gut aus. Bouffier hat durchgesetzt, dass am 22. September mit der Bundestagswahl auch in Hessen gewählt wird.

Dagegen trifft Schäfer-Gümbel gestern am Frankfurter Flughafen sein größtes Handicap, den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Der muss sich derzeit wegen Äußerungen über Merkels Herkunft aus der DDR wieder einmal verteidigen, statt in die Offensive gehen zu können. Bislang hat sich die Hessen-SPD gegen den tristen Bundestrend stemmen können. Vor Kameras ist es Schäfer-Gümbel, der Steinbrück Mut macht: „Das Rennen ist noch nicht gelaufen.“ Seine eigene Hoffnung schöpft der hessische Kandidat daraus, dass die Wähler nach 15 Jahren CDU-Regierung einen Wechsel wollten. „Mein Gefühl ist nicht, dass die Wechselstimmung vorüber ist“, sagt er im Bus entspannt.

von Friedemann Kohler

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