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Sohn aus politischem Haus

Thomas Spies im Poträt Sohn aus politischem Haus

In der Oberstadt kennt er jeden Backstein. Und beinahe jeder in der Stadt kennt ihn. Ein Spaziergang mit Thomas Spies, Arzt und Abgeordneter im hessischen Landtag.

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Thomas Spies vor seinem Elternhaus in Marburg (Renthof 22). Foto: Thorsten Richter (thr)

Quelle: Thorsten Richter

Treffpunkt: Renthof 22. Hier ist Dr. Thomas Spies aufgewachsen. In der kleinen Gasse genau zwischen Schloss und Elisabethkirche. Hier, im Garten des alten Jugendstil-Hauses, hat er im Garten „Bonanza“ nachgespielt und schon als Sechsjähriger auf den Schultern seines Vaters „Ho Chi Minh“ gerufen.

Wenn der 51-Jährige heute von damals erzählt, gerät er einerseits ins Schwärmen, muss aber immer wieder auch ein wenig schmunzeln. Denn das Elternhaus von Thomas Spies, das war kein gewöhnliches Zuhause. Sein Elternhaus war - Politik pur. Es war „der Bruch mit allen bürgerlichen Traditionen“, berichtet Thomas Spies. Während sein Großvater noch durch und durch bürgerlich war, promoviert unter anderem in Theologie, nahm der Vater den Sohn schon als Siebenjährigen mit zum ersten DKP-Fest in Marburg. „Mein Vater war kein Kommunist“, stellt Spies jedoch schnell klar. Aber weit links.

Mit 17 in die SPD eingetreten

Im Hause des Malers und Bildhauers ging die sozialdemokratische Politprominenz der Stadt ein und aus, hier wurden Wahlkämpfe organisiert und Plakate gemalt. Hier lernte Thomas Spies, dass „professionelle Politik die Umsetzung des Projekts zur Verbesserung der Welt ist“. So dachte er. Und so denkt er womöglich bis heute. Auf jeden Fall war für ihn als Kind „selbstverständlich, dass jeder vernünftige Mensch ein politisches Amt übernimmt. Das gehört sich einfach.“ Jahrzehnte später weiß er, dass das nicht so ist - auch wenn er selbst leidenschaftlich Politik macht.

Der Grundstein war also wie gesagt längst gelegt, als Spies mit 17 Jahren in die SPD eintrat. Er hat sich das gründlich überlegt, denn „eingetreten ist man schnell, aber austreten ist ein Symbol“, erinnert sich der Landespolitiker noch gut an die Worte seiner Mutter. Sie war selbst Stadtverordnete in Marburg. 1997 tat es ihr der Sohn gleich. Und fortan ging die politische Karriere schnell voran: Bereits ein Jahr später wurde Thomas Spies als Direktkandidat für die Landtagswahl aufgestellt. Zwar verlor er den „eigentlich schwarzen Wahlkreis“, doch als erster Nachrücker gelang dem Mediziner, der noch regelmäßig Notarztwageneinsätze fährt, im September 1999 dann doch der Einzug in das Landesparlament. Ab 2002 klappte es dann stets direkt.

Und so hätte er es auch am 22. September gern - am liebsten natürlich als Mitglied einer rot-grünen Mehrheit. Denn „meine Leidenschaft brennt fürs Soziale“, sagt Thomas Spies bei unserem Spaziergang durch seine Heimatstadt. Vorbei an der Lutherischen Pfarrkirche, in der noch immer die Kanzel seines künstlerischen Vaters zu bestaunen ist. Vorbei an seiner alten Tanzschule („ich beherrsche die bürgerlichen Rituale alle“). Und vorbei an der Emil-von-Behring-Schule, wo er einst in Betragen eine Eins bekommen sollte - was seinem Vater so gar nicht gefiel. Wie gesagt, Thomas Spies kennt jeden Backstein in der Oberstadt.

Spies: Kritiker der UKGM-Privatisierung

Doch nicht nur in Marburg kennen die Menschen auch Thomas Spies. Auch im Landtag hat er sich längst einen Namen gemacht. Kaum ein Abgeordneter hat mehr parlamentarische Initiativen gestartet als der Mann aus Mittelhessen.

Dabei „habe ich viel gelernt“, sagt der, gerade auch, wenn es um das Uniklinikum Gießen und Marburg geht. „Ich war von der ersten Minute an gegen diese Privatisierung“, sagt der Sozialdemokrat, der heute dafür kämpft, dass dieser Schritt wieder rückgängig gemacht wird. Dass dies nicht einfach ist, weiß Spies natürlich, aber immerhin werde mittlerweile endlich mal über Personalstandards gesprochen, lobt er. Es ist ein kleiner Schritt - aber ein wichtiger. Und kleine Schritte, die hat Thomas Spies in der Politik gelernt.

Deshalb hat er auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Ausbildung der Mediziner tatsächlich irgendwann reformiert wird. Er wünsche sich mehr praktische Ausbildung, sagt Spies. Vor allem aber müssten die angehenden Ärzte viel früher als heute Kontakt zu den Patienten bekommen. Um die gehe es schließlich - das aber würden viele Medizinstudenten erst viel zu spät erkennen.

Dass er selbst Arzt geworden ist, war übrigens keine Selbstverständlichkeit. Zumal bei dem politischen Elternhaus. Deshalb wollte Thomas Spies auch eigentlich Theaterkritiker werden oder noch besser Kultursenator in Berlin. Doch dann kam die Bundeswehr. Zwei Jahre war Thomas Spies dort als Sanitäter - und nahm irgendwann „die Skalpelle, die ich vorher sortiert habe, mal in die Hand“.

Von Anja Luckas

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