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Kein Wahl-O-Mat für Hessen

Verpasste Chance Kein Wahl-O-Mat für Hessen

Am Donnerstag geht der Wahl-O-Mat für die Bundestagswahl am 22. September online. In Bayern läuft er seit einer Woche. Nur in Hessen wird Jungwählern der Luxus der Entscheidungshilfe zum dritten Mal in Folge nicht zu Teil.

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Was Bayern kann, kann Hessen noch lange nicht: Zumindest fühlte sich die Landeszentrale für politische Bildung nicht im Stande den „Wahl-O-Maten“ für die Landtagswahl zu bestücken.Foto: Kneffel

Marburg. Er entscheidet zwar nicht, wen sie wählen sollen, aber er bietet die ersten Informationen zu politischen und gesellschaftlichen Themen und die Sichtweisen der jeweiligen Parteien: Der Wahl-O-Mat. Seit 2002 ist das interaktive Tool im Internet für zahlreiche Wähler in Wahlkampfzeiten eine wichtige Informationsquelle.

Trotz drei Millionen Euro Jahres-Budget und einem Zuschuss von 50000 Euro im Wahlkampfjahr hat die hessische Landeszentrale für politische Bildung kein Geld und Personal, um einen Wahl-O-Mat mit den hessischen Themen zu bestücken, wie der Direktor der Zentrale erklärte. Obwohl der Wahl-O-Mat, der von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) entwickelt und bereitgestellt wird, das meistgenutzte Online-Angebot für politische Bildung ist, setzt man laut Heidenreich bei der politischen Bildung in Hessen auf andere Schwerpunkte: Mit Bücherpaketen und Plakaten sollen in Schulen die Jung- und Erstwähler motiviert werden zur Wahl zu gehen. Bei den Jugendorganisationen der etablierten Parteien in Hessen stößt der Verzicht der Landeszentrale auf den Wahl-O-Mat auf Unverständnis.

Sehr gute Alternative

Die Landesvorsitzende der Jungen Liberalen, Elisa Knell, kritisiert die Maßnahmen der Landeszentrale als Geldverschwendung und nicht zeitgemäß, da „die Bücher und Plakate nicht gelesen würden“. Die Junge Union bemängelte, dass sogar kleine Flächenstaaten wie Bremen oder das Saarland einen Wahl-O-Mat vor der Wahl anbieten würden. Professor Dr. Peter Henkenborg vom Institut für Didaktik der politischen Bildung an der Universität in Marburg hält es nicht für sinnvoll, das Angebot der Landeszentrale gegen das Internet-Tool auszuspielen: „Es ist schade, dass es in Hessen das Angebot nicht gibt, da man gesehen hat, dass es als Instrument der Selbstreflexion bei politischen Themen stark genutzt wird“, so Henkenborg. Tatsächlich klickten sich seit 2002 nach Angaben der bpb mehr als 25 Millionen Nutzer durch die Fragen des Internettools, über ein Drittel davon waren unter 30 Jahre alt. Und auch zu anderen Wahlen gab es das Angebot bereits und es fand immer starken Anklang. Für Henkenborg kein Wunder: „Schließlich ist das Internet für viele Jugendliche und junge Erwachsene eine spannende Sache und der Wahl-O-Mat damit eine sehr gute Alternative zu Parteiveranstaltungen“, wie Henkenborg weiter ausführt.

Aus Sicht des Professors hat sich der Wahl-O-Mat als Teil der politischen Kultur bei jungen Menschen mittlerweile etabliert. Der Verzicht auf das „Frage und Antwort“-Tool in Hessen hält er somit „für eine verpasste Chance“. Die hessische Landeszentrale reagierte inzwischen auf die Kritik und verlinkt als Kompromiss auf ihrer Homepage immerhin auf den Wahl-O-Mat für die Bundestagswahl, wie Heidenreich ankündigte.

Als Alternative zum „Wahl-O-Mat“ in Hessen empfiehlt die OP den „Kandidatencheck“ von abgeordnetenwatch.de:  Hier können Sie die Aussagen heimischer Landtagskandidaten mit ihrer Meinung vergleichen.

von Timo Scheibe

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