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Jetzt heißt es: kleistern, kleben, festzurren

Wahlkampf Jetzt heißt es: kleistern, kleben, festzurren

Rote, schwarze, gelbe, grüne - der Landkreis wird bunt. Seit einigen Tagen beginnen die Parteien, ihre Wahlplakate aufzuhängen. Unterwegs mit den Grünen.

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Am Bahnhof in Neustadt beginnen Gert und Daniela mit den ersten Plakaten.Foto: Maren Schultz

Die Kreisgeschäftsstelle der Grünen sieht aus, als sollte dort renoviert werden. Mitten im Raum steht eine Art Tapeziertisch, vor dem Schreibtisch von Max Langenbrinck stapeln sich die Wahlplakate, von denen Katrin Göring-Eckardt, Matthias Knoche, Angela Dorn und Co. entgegenlächeln. Doch hier sollen die Plakate nicht bleiben, sie müssen raus - raus in die Städte und Gemeinden, in denen die Wähler wohnen.

Heute treffen sich in der Geschäftsstelle Daniela Markus (32) und Gert Willumeid (58). Die beiden kennen sich nicht, duzen sich aber sofort. Unter Grünen ist das so. Sie haben sich bereiterklärt, in Neustadt und seinen Ortsteilen Plakate zu kleben und aufzuhängen. „Eigentlich sollen das die Parteimitglieder vor Ort machen“, erklärt Max Langenbrinck. „Doch in Neustadt haben wir nur zwei Mitglieder, und von denen ist einer im Urlaub.“ Außerdem hätten die Grünen noch ein weiteres Problem: „Wir müssen immer erstmal jemanden finden, der ein Auto besitzt“, sagt Langenbrinck grinsend.

Kein Navi, kein Stadtplan

In Gerts Kombi geht es samt Plakaten, Leim, Pinsel, Bürsten und Kabelbindern nach Neustadt. Am Bahnhof befindet sich die erste Plakatfläche, die die Stadt zur Verfügung stellt. Zusätzlich dürfen im Stadtgebiet je zehn Plakatständer für die Landtags-/Bundestagswahl und die Landratswahl an Straßenlaternen befestigt werden.

Daniela und Gert wollen mit den Plakaten beginnen, die an die vorgesehenen Wände geklebt werden müssen. Die Kandidaten von SPD und CDU hängen bereits - „da sieht man, wer hier gut aufgestellt und organisiert ist“, sagt Daniela. Sie zuckt mit den Schultern: „Egal, Hauptsache wir sind vor der FDP da.“

Die Rollen sind schnell verteilt: Gert streicht die Wand mit Kleister ein, Daniela sortiert die Plakate und sucht aus, welches an welche Stelle soll. „Wenn ich jetzt wüsste, welches hier die drängendsten Probleme in Neustadt sind“, murmelt sie, als sie die Themenplakate durchschaut. Schließlich entscheidet sie sich für die Kuh mit dem Slogan „Was der Bauer nicht kennt, fress ich nicht“. Schnell hängen daneben auch Katrin Göring-Eckardt und einige Meter weiter der Kandidat für die Landratswahl, Karsten McGovern.

Auf der Plakatiergenehmigung der Stadt steht die Adresse der nächsten Plakatwand. Doch Daniela und Gert kennen sich in Neustadt nicht aus, ein Navi haben sie nicht dabei, einen Stadtplan auch nicht. Eine Mitarbeiterin der Apotheke gegenüber hilft weiter.

Nach und nach gesellen sich so die Spitzenkandidaten der Grünen zu denen von SPD und CDU. Und auch die weitere Konkurrenz schläft nicht. Kurz nach Daniela und Gert rücken zwei Linken-Mitglieder an, und hängen ihre Plakate auf.

Das geht in den Rücken

Nachdem alle Plakatwände bestückt sind, geht es an die Laternen. „Letzte Woche habe ich schon über 100 Plakate auf die Kartons geklebt“, erzählt Gert. „Das geht ganz schön in den Rücken und verschafft ordentlich Muskelkater“. Die Kartons werden jetzt jeweils in Zweierpacks um eine Laterne herum befestigt: Plakate aussuchen, um die Laterne stellen, Kabelbinder oben, unten, links und rechts locker befestigen, dann die Plakate nach oben schieben und die Kabelbinder zuziehen. Nach einigen Versuchen haben Daniela und Gert den Dreh raus.

In der Innenstadt kommt ein älterer Mann vorbei, bleibt kurz stehen, schaut den beiden zu, schüttelt schließlich den Kopf und geht wortlos weiter. Ein Ausdruck politischer Missbilligung? Daniela und Gert haben ihn nicht bemerkt. Sie ziehen weiter zur nächsten Laterne.

Von Maren Schultz

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