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Finanzielle Unabhängigkeit der Philipps-Universität?

Eine Frage, sechs Antworten Finanzielle Unabhängigkeit der Philipps-Universität?

Was werden Sie im Landtag tun, um der Marburger Philipps-Universität die finanzielle Unabhängigkeit zu geben, die sie angesichts weiter hoher Studierendenzahlen für ihre Aufgaben in Forschung und Lehre braucht?

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Jan Schalauske (32), Angestellter, Doktorand (Die Linke.)

Die Marburger Universität ist, wie andere hessische Hochschulen, chronisch unterfinanziert. Die Mittel pro Studierendem in Hessen sinken seit Jahren. Überfüllte Hörsäle und unzureichende Lehr- und Forschungsbedingungen sind die Folge. Um die Misere zu beheben, sind mehr Finanzmittel notwendig und keine guten Ratschläge von Beratungsfirmen wie Ernst & Young. Die Einführung einer Vermögensteuer als Millionärssteuer verschafft Hessen diesen Spielraum. Über 1,5 Milliarden Euro kann das Land selbst bei moderaten Steuersätzen einnehmen. So kann auch der Neue Botanische Garten erhalten werden. Ein neuer Hochschulpakt verhandelt sich leichter.
NachwuchswissenschaftlerInnen brauchen sichere Perspektiven. Mit mehr Geld sind die prekären Arbeitsbedingungen im akademischen Mittelbau aufzuheben. Studiengebühren bleiben abgeschafft. Das Studentenwerk braucht mehr Mittel, um preiswerten Wohnraum zu schaffen. Hessenweit können so jährlich 2000 neue Wohnheimplätze entstehen.

Michael Weber (44), Gen-Ingenieur (Piraten-Partei)

Sicher ist, dass ich mich für die Philipps-Universität in jeder Hinsicht voll einsetzen werde. Es gilt aber auch, sich einmal ganz grundlegende Gedanken über die Organisation der Universitäten zu machen. Ich werde mich beispielsweise dafür einsetzen, dass es in Zukunft zwei Typen von Professuren geben wird: Den „Lecturer“ und den „Researcher“, so dass also Lehre und Forschung getrennt werden. Des Weiteren benötigen wir wieder einen soliden Mittelbau, und es wird von großer Bedeutung sein, das Hochschulrahmengesetz mit seinem faktischen Berufsverbot für Akademiker (12-Jahres-Regel) über Bord zu werfen.
Momentan ist die BRD mit ihrem „Exzellenzclusterbildungswahn“ und der generellen Ökonomisierung von Forschung und Lehre nachhaltig dabei, den Ursprungsgedanken des universitären Forschungs- und Bildungsstandorts Deutschland zu zerstören, indem nach dem Prinzip „Wer hat, dem wird gegeben“ letztlich „Fördermonokulturen“ angelegt werden,  unter denen die Innovationsvielfalt leidet. Die Universitäten sind von dem Ziel abzukoppeln, primär wirtschaftlich relevante Themen zu bearbeiten und sollten sich wieder auf freie Grundlagenforschung konzentrieren können.

Thomas Spies (51), Arzt und Mitglied des Hessischen Landtags (SPD)

Für die Philipps-Universität kommen zwei Probleme zusammen. Zum einen ist Hessen auf dem letzten Platz der Hochschulfinanzierung in Deutschland. Zusätzlich haben CDU und FDP eine Art Pseudoprivatisierung in die Hochschulfinanzierung eingeführt, die sogenannte „LOMZ“ (Leistungsorientierte Mittelzuweisung). Allerdings wird kaum Leistung belohnt, sondern es werden die besser ausgestatteten südhessischen Hochschulen bevorzugt.
Daher müssen einerseits insgesamt die Mittel aufgestockt werden. Für den aktuellen Doppelhaushalt hatte die SPD Landtagsfraktion zusätzliche 71 Millionen Euro für die Hochschulen beantragt. Das ist die Richtschnur, an der wir uns orientieren werden. Dazu kommt der dringend nötige Campus Firmanei.
Wer Chancengleichheit für die Philipps-Universität will, der muss die Verteilung zwischen den Hochschulen gerechter und vernünftiger gestalten. Dafür stehe ich: Pseudoprivatisierung von Bildung ist genauso falsch wie Privatisierung von Krankenhäusern. Eine kritische und kreative Wissenschaft braucht Freiheit – ohne zu enges finanzielles Korsett.

Christoph Ditschler (29), Stellvertretender Geschäftsführer (FDP)

Die staatliche Philipps-Universität wird immer finanziell vom Land abhängig sein. Zu den Herausforderungen des beispiellosen Anstiegs der Studierendenzahlen wollen wir pragmatische Lösungen wie überlappende Berufungen, also Neubesetzungen von Professorenstellen, die erst in einigen Jahren auslaufen, und zusätzliche Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau anbieten.
Nicht zu vergessen ist aber, dass sich die Studentenzahlen auch wieder normalisieren werden, wenn die doppelten Jahrgänge die Hochschulen verlassen haben. Die vom Bund angebotenen Gelder aus dem Hochschulpakt 2020 werden wir in voller Höhe durch zusätzliche Mittel aus dem Landesetat co-finanzieren. Zudem haben wir Mittel bereitgestellt, damit zusätzliche Studienplätze eingerichtet werden: 2013 sind es 97,3 Millionen Euro und 2014 weitere 72,3 Millionen Euro.

Rose-Marie Lecher (63), Industriekauffrau, Fremdsprachensekretärin (SPD)

Die steigenden Studierendenzahlen an der Marburger Philipps-Universität sind für unsere Region gerade in Zeiten des demographischen Wandels eine große Chance. Wir brauchen mehr junge Menschen in Marburg-Biedenkopf!
Eine verlässliche Grundfinanzierung der Universität ist deshalb von großer Wichtigkeit. Im Landtag werde ich mich für die Erneuerung des Hessischen Hochschulpaktes über das Jahr 2015 hinaus einsetzen, um der steigenden Studiennachfrage für die Zukunft gerecht zu werden. Die notwendigen Mittel für die Marburger Universität müssen dabei vollständig aus dem Landeshaushalt und durch Drittmittel bereitgestellt werden. Studiengebühren lehne ich entschieden ab.
Ich trete außerdem für die Fortführung des Hochschulbauprogramms „Heureka“ ein. Dieses Programm ist insbesondere für die Realisierung des neuen Marburger Campus von großer Wichtigkeit. In diesem Zusammenhang möchte ich außerdem für Hochschulen erweiterte Möglichkeiten schaffen, selbst als Bauherr aufzutreten.

Angela Dorn (31), Psychologin und Mitglied des Hessischen Landtages (Bündnis 90/ Die Grünen)

Die Ausgaben pro Studierendem in Hessen sinken seit Jahren. Wir Grüne wollen in einem gemeinsamen Prozess mit den Hochschulen deren Finanzierung auf eine gerechtere Basis stellen. Prinzip für uns ist dabei eine Rückführung der Erfolgsanteile auf ein verträgliches Maß zugunsten der Grundfinanzierung. Die auskömmliche Finanzierung der Hochschulbildung bedingt eine starke und dauerhafte Mitfinanzierung durch den Bund. Wir streben eine Aufhebung des Kooperationsverbotes an. Ebenso muss sich im Bereich des Hochschulbauprogramms „Heureka“ etwas ändern: „Heureka“ muss stärker auf energetische Sanierung abzielen, damit keine Gelder verheizt werden, die besser für die Studierenden und die Forschungsarbeit der Philipps-Universität Marburg eingesetzt wären.
Um mehr bezahlbaren und studentischen Wohnraum zu schaffen, wollen wir Grüne auf Landesebene ein Sofortprogramm zum Ausbau der Wohnheime auflegen und die Studierendenwerke mit günstigen Krediten und adäquaten Laufzeiten stärker unterstützen.

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