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Entscheiden ihre Frauen die Wahl?

Entscheiden ihre Frauen die Wahl?

Ursula Bouffier und Annette Gümbel – die Ehefrauen jener Politiker, von denen einer in sechseinhalb Wochen hessischer Ministerpräsident wird. Beide sind in den Wahlkampf ihrer Männer eingebunden.

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Thorsten Schäfer-Gümbel (links) gegen Volker Bouffier: Am 22. September wird es ernst. Bis dahin wollen die beiden Spitzenkandidaten von SPD und CDU auch auf die Unterstützung ihrer Liebsten zurückgreifen.

Quelle: Fredrik von Erichsen

Wiesbaden. Das Rennen ist offen. Titelverteidiger Volker Bouffier (CDU) und sein Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) setzen deshalb im Endspurt des Wahlkampfs auch auf die Frauen-Power aus der Familie.

Die Sache ist vertraulich und eigentlich kennen nur die vier unmittelbar Betroffenen den aktuellen Stand. Wahlkampfmanager und Politikforscher sind einig darüber, dass die Entscheidung über die Machtverhältnisse im nächsten Landtag nicht nur bis kurz vor dem 22. September weitgehend offen sein dürfte – und dass sie knapp ausfallen wird.

Familien sind im Wahlkampf präsent

Weil auch die politischen Argumente inzwischen ausgetauscht und die Fronten geklärt sind, wird von beiden großen Volksparteien nach den Sommerferien auf eine in Deutschland noch weitgehend unbekannte neue Karte gesetzt. Diese heißt: Amerikanisierung des Wahlkampfes und schließt bei verstärkter Zahl öffentlicher Auftritte der Spitzenvertreter von CDU und SPD auch die Familien der Kandidaten ein.

Nun werden weder Volker Bouffiers drei (erwachsene) Kinder, noch jene ebenfalls drei minderjährigen Sprösslinge des Ehepaares Schäfer-Gümbel mit auf Wahlkampftour gehen, es scheint jedoch ausgemachte Sache zu sein, dass die jeweiligen Ehefrauen in dem sich nach den jüngsten Umfragen abzeichnenden Kopf-an-Kopf-Rennen von Schwarz-Gelb und Rot-Grün vielleicht für die entscheidenden Punkte sorgen sollen.

Für Ursula Bouffier, auf Parteitagen und Hessenreisen ohnehin fast ständig an der Seite ihres Mannes, wären eigene Auftritte im Wahlkampf nur noch ein weiterer Schritt. „Es sind verschiedene Dinge denkbar“, heißt es dazu reserviert aus der CDU-Wahlkampfzentrale.

Basis-Erfahrung fehlt

Für die promovierte Historikerin Annette Gümbel wird die Sache schon schwieriger, ihr fehlt es weniger an Engagement für die gemeinsame „Mission Wahlsieg“, als bislang an politischer Basis-Erfahrung. SPD-Insider vermuten daher, dass sie sich vielleicht eher mit eigenen Thesen zur Stärkung der Rolle der Frauen in der Politik zu Worte melden wird. Eine erste Veröffentlichung – in einer SPD-Wahlkampfbroschüre – hat es immerhin schon gegeben.

Wahlplakate und Auftritte

Es ist der erste Landtagswahlkampf, in dem die Frauen der beiden Spitzenkandidaten ganz bewusst eine aktive Rolle spielen. Ursula Bouffier, seit drei Jahren Hessens First Lady, hat möglicherweise einen Erfahrungsvorsprung gegenüber Annette Gümbel. Schließlich stand sie schon häufiger mit ihrem Mann in der Öffentlichkeit, begleitete den Ministerpräsidenten auf Reisen und zu offiziellen Terminen. Auch auf den Wahlplakaten wird sie zusammen mit Volker Bouffier abgebildet sein. Auch Annette Gümbel soll ihren Mann, den SPD-Spitzenkandidaten, im Wahlkampf unterstützen. Sie begleitet ihn zu Auftritten und hat sich auch schon für eine Broschüre interviewen lassen. Auf Wahlplakaten wird sie allerdings nicht zu sehen sein. (mar)

Frage Ursula Bouffier Annette Gümbel
Politikerfrauen (aber auch deren männliche Pendants) spielen zunehmend eine Rolle im parallelen Wahlkampf von Bundestagswahl und hessischer Landtagswahl. Wie helfen Sie persönlich Ihrem Mann in dieser Zeit? Mit Rat und Tat. Ich werde meinen Mann häufig begleiten und gemeinsam mit ihm Wahlkampf machen. Als Ehefrau bin ich selbstverständlich an der Seite meines Mannes, ob er im Wahlkampf ist oder nicht. Wir reden viel – oft abends am Esstisch – und diskutieren aktuelle Ereignisse, Pläne und neue Ideen. Natürlich begleite ich ihn auch zu kulturellen und gesellschaftlichen Terminen.
Werden Sie eigene Veranstaltungen oder Besuchsprogramme abhalten, wie dies Doris Schröder-Köpf seinerzeit getan hat; oder können Sie sich auch vorstellen, wie Gertrud Steinbrück kürzlich gemeinsam mit Ihrem Mann Peer öffentlich politische und private Themen zu erörtern? Unabhängig vom Wahlkampf engagiere ich mich sehr für verschiedene Projekte, die Schwerpunkte im sozialen und gesundheitlichen Bereich setzen und Menschen in allen Lebenslagen konkrete Hilfe bieten. Darüber hinaus: Lassen Sie sich überraschen. Nein, in dieser Art haben wir nichts geplant. Für mich ist es wichtig, mit Menschen zu sprechen, zu wissen, was sie in ihrem Alltag bewegt und beschäftigt – lieber übernehme ich Ehrenämter. Da steht man mitten im Leben.
Wie gut kennen Sie Ihre Konkurrentin als „First Lady“? Und was halten Sie von ihr? Ich kenne Frau Dr. Gümbel bislang nur von offiziellen Veranstaltungen. Dort begegnen wir uns freundlich. Wir sind keine Konkurrentinnen. Wir kennen uns von offiziellen Anlässen und unterhalten uns dabei nett.
Können Sie dem Gedanken einen positiven Aspekt abgewinnen, dass Ihr Mann am Abend des 22. September nicht als nächster hessischer Ministerpräsident feststehen sollte? Nein! Mein Mann und ich, wir sind seit 15 Jahren verheiratet und haben drei Kinder – unser persönliches Glück hängt nicht davon ab, wie die Wahl ausgeht.
Können Sie dem Gedanken dann vielleicht auch einen negativen Aspekt abgewinnen, falls Ihr Mann der Wahlsieger sein wird? Nein, einen Wahlsieg meines Mannes sehe ich ausschließlich positiv. Das ist auch mein Ziel. Nein, wir würden uns über einen Wahlsieg sehr freuen.
Unabhängig von Ihrer persönlichen, also auch von der aktuellen Situation in Hessen: Welche Rolle spielen die Familienverhältnisse von Politikern bei deren Karriere? Wer sich politisch engagiert und in der Öffentlichkeit steht, muss einen großen Teil seiner Privatsphäre aufgeben. Umso mehr gilt die Familie vor allen Dingen als Rückzugsraum, Ruhepol und Kraftquelle. Es wäre mir wichtig, es würde in der Politik mehr um die Sorgen und Nöte der Menschen gehen, als um die Familienverhältnisse der Politiker.
Mal ganz ehrlich: Haben Sie jemals eine andere Partei gewählt als die Ihres Mannes? Ja, vor vielen Jahren habe ich einmal gesplittet und mit meiner Zweitstimme FDP gewählt. Ganz ehrlich? Ja. Ich habe als Studentin mal die Grünen gewählt. Da kannte ich meinen Mann aber noch nicht. Danach haben sie mich aber nicht mehr überzeugt.

von Georg Haupt

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