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Eine Frage, sechs Antworten

Schulbildung Eine Frage, sechs Antworten

Was werden Sie im Landtag tun, um den Menschen im Kreis ausreichende und verlässliche Angebote für die Schulbildung ihrer Kinder zu machen?

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Quelle: Archivbild (dpa)

Thomas Spies (51), Arzt und Mitglied des Hessischen Landtags (SPD)

Das achtjährige Gymnasium war ein dilettantisch geregelter Irrweg. Es war bürokratisch und Kinder sollten sich Verwaltungskriterien unterwerfen. Stattdessen müssen wir Schule von Kind denken: Stärken müssen weiter gestärkt, Motivation gefördert und soziale Benachteiligung ausgeglichen werden, damit Bildungserfolg nicht vom Einkommen der Eltern abhängt. Dazu muss zuerst das abstruse KiFöG zurückgenommen werden, denn Kindertagesstätten sind keine Geschäftsbetriebe. Zudem soll jedes Kind die Chance – nicht die Pflicht – auf einen Ganztagsschulplatz haben. Deshalb möchte ich, dass auch bei uns Ganztagsgrundschule als Angebot vorhanden ist.
Die Zwangsverkürzung der Gymnasien hat vielen Kindern geschadet und ihnen Chancen genommen. Das muss beseitigt werden und dafür eine flexible Oberstufe eingerichtet werden. Schule muss sich nach der Entwicklung der Kinder richten – die biologische Entwicklung kann man nun mal nicht mit Verwaltungsvorschriften steuern.

Rose-Marie Lecher (63), Industriekauffrau, Fremdsprachensekretärin (CDU)

Ich bin leidenschaftliche Schulpolitikerin und werde im Landtag für den Erhalt unseres bewährten gegliederten Schulsystems eintreten. Wir werden die Schulstandorte in Marburg-Biedenkopf nur dann erhalten können, wenn wir die Schulen nicht aus ideologischen Gründen mit großen Umstrukturierungen überfordern: Genau das plant Rot-Grün aber mit der Einführung der Einheitsschule, die auch in Marburg-Biedenkopf das Aus für Gymnasien und kooperative Gesamtschulen bedeuten würde. Auch bei der Umsetzung der sogenannten „Inklusion“ trete ich für eine Politik mit Augenmaß ein: Die Förderschulen in unserem Landkreis leisten gute Arbeit. Ihre Zerschlagung, wie von Rot-Grün geplant, werde ich nicht zulassen.
Verlässliche Schulangebote funktionieren nur dann, wenn in der Schule weiterhin auf Leistung gesetzt wird. Deshalb bin ich gegen die rot-grüne Idee, das Sitzenbleiben abzuschaffen. Das Sitzenbleiben ist keine Abstrafung, sondern eröffnet schwachen Schülerinnen und Schülern neue Chancen.

Jan Schalauske (32), Angestellter, Doktorand (Die Linke.)

Die Bildungspolitik der Landesregierung setzt auf Auslese. Das Hessische Bildungs- und Schulwesen ist selektiv und sozial ungerecht. Die Linke fordert, dass Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen. In dieser inklusiven „Schule für alle“ wird jedes Kind verlässlich gefördert, so wie es seinen Bedürfnissen entspricht. Lernen braucht Zeit statt ständigen Leistungsdruck. Daher will die Linke G 8 komplett zurücknehmen. Ein beschleunigter Ausbau von Ganztagsschulen, kleinere Klassen und mehr LehrerInnen (7 000 Neueinstellungen) sind für ein gutes Schulsystem notwendig. Da das hessische Bildungswesen im internationalen Vergleich stark unterfinanziert ist, müssen für das Land neue Einnahmequellen erschlossen werden. „Umfairteilen“ und „Millionärssteuer“ sind das Gebot der Stunde. Für das gesamte Bildungswesen gilt: Bildung darf niemals vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Uni ist für die Linke unabdingbar. Bildung muss der Demokratie, nicht dem Markt verpflichtet sein.

Michael Weber (44), Gen-Ingenieur (Piraten Partei)

Ich werde mich zunächst einmal solide informieren, bevor ich ad hoc Antworten gebe, die am Ende nicht umsetzbar sind. Auch hier gilt für mich der Grundsatz, die Bürgerinnen und Bürger zu befragen und an Lösungen zu beteiligen, denn die kennen den Bedarf und die Mängel am Besten. Wie man am Ende die Wünsche wird umsetzen können, dafür lässt sich gewiss eine sinnvolle Lösung finden, wenn alle Beteiligten sich zur Abwechslung mal auf Sachpolitik konzentrieren und auf „Parteiengerangel” verzichten würden.
Klar ist für mich, dass als allererste Grundlage für eine vernünftige Schulpolitik zunächst einmal wieder solide Arbeitsverhältnisse für die Lehrerinnen und Lehrer etabliert werden müssen. Die durch die generelle „Flexibilisierung” der Arbeitsmärkte entstandene „Saisonarbeiterpraxis” muss verhindert werden.

Angela Dorn (31), Psychologin und Mitglied des Hessischen Landtages (Bündnis 90/ Die Grünen)

Wir Grüne wollen Bildungs- und Betreuungsangebote, die allen Kindern und Jugendlichen Chancen eröffnen und sie individuell fördern, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Wir werden das Ganztagsangebot ausbauen mit einer Bildungs- und Betreuungsgarantie von 7.30 bis 17 Uhr für Grundschulkinder. Gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung wollen wir bis 2020 schrittweise von der Ausnahme zur Regel machen. Wir werden allen Schulen eine echte 105‑Prozent-Lehrerversorgung zuweisen. Die Mittel werden verstetigt und den Schulen so ein verlässliches Budget gegeben. Da gute Schulen vor Ort gemacht werden, sollen die Schulen mehr Freiraum und Entscheidungskompetenzen bekommen. Wir wollen eine echte Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9 durch regionale Konferenzen mit allen Beteiligten, damit sichergestellt ist, dass es für alle ein passendes Angebot gibt. Wir setzen für einen Schulfrieden in Hessen auf Ermöglichen statt Verordnen und wollen Garanten des Elternwillens sein.

Christoph Ditschler (29),Stellvertretender Geschäftsführer (FDP)

Wir werden die Schulvielfalt bewahren und vor der falschen rot-grünen Gleichmacherei bewahren. Ich bin der Auffassung, dass das Angebot von allen Schulabschlüssen aufrechterhalten werden muss und jede Schulform ihre Berechtigung hat, solange sie über eine sinnvolle Mindestgröße verfügt. Keine Schule sollte aus ideologischen Gründen geschlossen und keine Schulform per se abgeschafft werden. Die Lehrer- und Unterrichtsversorgung in Hessen war nie besser. Zudem werden wir den bedarfsorientierten, flächendeckenden und qualitativen Ausbau von Ganztagsschulen und Angeboten auf freiwilliger Basis fortführen. Die FDP hat bereits die Selbständige Schule auf den Weg gebracht: Alle Schulen verfügen über erweiterte Gestaltungsspielräume in den Bereichen Organisation, Unterricht, Personalentwicklung und Budget und mehr Freiraum in der Unterrichtsgestaltung. Mehr als 70 Prozent aller Schulen nutzen diese Möglichkeit.

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