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Die Zukunft des Landarztes

Eine Frage, sechs Antworten Die Zukunft des Landarztes

Was werden Sie im Landtag tun, um die Gesundheitsversorgung einschließlich der notärztlichen Versorgung auf dem Land sicherzustellen?

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Quelle: Rolf Vennenbernd

Angelika Löber (44, SPD), Leiterin im kommunalen Rechenzentrum:

Die notärztliche Versorgung ist durch gesetzliche Vorgaben gesichert. Diese einzuhalten ist die einklagbare Verpflichtung des Leistungsträgers, bei uns des Kreises. Ich zweifle nicht daran, dass diese eingehalten werden. Anders ist es bei der ärztlichen Versorgung oder dem Bereitschaftsdienst.

Eine Herausforderung der demographischen Entwicklung in Hessen ist die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und des Bereitschaftsdienstes in den ländlichen Regionen. Das kann keinesfalls der Kassenärztlichen Vereinigung allein überlassen bleiben, da deren Interessen nicht identisch mit denen der Menschen in der Region sind. Hier muss eine gesetzliche Mitwirkung sowohl auf Landes- wie auch auf kommunaler Ebene sichergestellt werden. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Schließung der Standorte der Bereitschaftsdienste in Biedenkopf und Gladenbach rückgängig gemacht wird. Weiterhin brauchen wir ein Förderprogramm zur Wiederbesetzung und zum Erhalt vorhandener Arztpraxen in den Dörfern.

Jens Fricke (48, Piraten), CNC-Fräser:

Von Jens Fricke lag bis Redaktionsschluss keine Antwort auf diese Frage vor.

Thomas Schäfer (47, CDU), Hessischer Finanzminister:

Die Entwicklung der Hausärzteversorgung und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Hinterland macht mir Sorgen. Es kann nicht sein, dass der ländliche Raum hier abgehängt wird. Wir müssen junge Mediziner mit neuen Anreizen ermutigen, sich vermehrt auf dem Land niederzulassen: Die CDU möchte deshalb einen Notenbonus, Promotionsstipendien und zinsverbilligte Darlehen zur Gründung einer Landarztpraxis einführen. Wir müssen zudem die medizinische Studienordnung so verändern, dass „Landpraktika“ im Medizinstudium zur Regel werden, um Interesse am Landarztberuf zu wecken.

Ich bin froh, dass es mir im vergangenen Jahr gemeinsam mit Landrat Robert Fischbach gelungen ist, eine Schließung der Geburtshilfestation in Biedenkopf zu verhindern. Ich werde auch in Zukunft den Förderverein und das DRK-Krankenhaus bei ihrer wichtigen Arbeit für die Geburtshilfestation unterstützen. Es liegt nun an unserer Region, den Erhalt dieser wichtigen Einrichtung dauerhaft sicherzustellen.

Ingeborg Cernaj (70, Die Linke), Medizinjournalistin:

Die ambulante ärztliche Versorgung der Bevölkerung auf dem Land ist akut gefährdet. Die Lösungsansätze der Kassenärztlichen Vereinigung gehen in die falsche Richtung. Ich werde mich im Landtag dafür einsetzen, dass die Unterschiede zwischen der ärztlichen Versorgung in den Zentren und auf dem flachen Land nicht nur nicht größer, sondern eingeebnet werden.

Dies ist durch folgende Maßnahmen zu erreichen: Bei der Ermittlung des Bedarfs sind die Gegebenheiten in der Fläche viel stärker zu berücksichtigen und zu gewichten. Zudem sollte der erhöhte Aufwand für ärztliche Leistungen in der Fläche bei den Honoraren angerechnet werden. Und drittens sollten medizinische Versorgungszentren in kommunaler oder gemeinnütziger Trägerschaft die ambulante Versorgung in der Fläche sicherstellen. Dies ermöglicht eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung und wird auch für junge MedizinerInnen die Arbeit auf dem Lande attraktiv machen.

Manuel Fenner (28, FDP), Referent:

Das Ziel der liberalen Politik in Hessen muss es sein, zu gewährleisten, dass die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum auf hohem Niveau bleibt. Dies kann in Form von einem regional ausgerichteten Netzwerk geschehen, welches alle medizinischen und pflegerischen Angebote verbindet und die klassischen medizinischen Sektorengrenzen, insbesondere zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, überwindet. Man muss umdenken, um auch in Zukunft eine gute Versorgung im ländlichen Raum zu gewährleisten.

Aus diesem Grund müssen beide Systeme, im medizinischen wie im pflegerischen Sektor, miteinander verwoben werden, wenn eine regional orientierte, wohnortnahe Versorgung auch in Zukunft noch möglich sein soll. Niedergelassene Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser, Pflege- und soziale Einrichtungen sollten in diesem System zusammenarbeiten, um Ressourcen zu bündeln und die Qualität in der regionalen Versorgung zu erhöhen. Entgegen dem weitläufigen Trend zur Konzentration in großen Einheiten, müssen hier kleinteilige, aber vernetzte Strukturen geschaffen werden, um dem tatsächlichen regionalen Bedarf Rechnung zu tragen.

Sandra Laaz (43, Grüne), Tagesmutter:

Die notärztliche Versorgung auf dem Land ist zum Glück noch nicht gefährdet, auch wenn davon auszugehen ist, dass mit dem Aus des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in der Fläche der Rettungsdienst deutlich stärker nachgefragt wird und so an seine Grenzen kommt. Deshalb muss die Entscheidung rückgängig gemacht werden und eine Rufnummer für den Rettungsdienst vor Ort eingerichtet werden. Ansonsten brauchen wir eine Reihe von Veränderungen: Gesundheitskonferenzen mit echten Entscheidungskompetenzen – hier ist die Bundesebene gefordert. Wir brauchen mehr multiprofessionelle Kooperation und Vernetzung (Haus der Gesundheit) und ganzheitliche Versorgungszentren sowie eine Flexibilisierung der Versorgungsgebiete innerhalb der Kassenärztlichen Vereinigung und eine vernünftige Krankenhausfinanzierung, aber auch die Förderung von Patientenhäusern. Im ländlichen Raum ist es sinnvoll, dass es wieder Gemeindepflege gibt und regionale Apotheken-Netzwerke unterstützt werden.

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