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„Das Geklacker auf dem Asphalt stört“

Rose-Marie Lecher (CDU) im Porträt „Das Geklacker auf dem Asphalt stört“

Rose-Marie Lecher geht im Wahlkreis 13 für die CDU ins Rennen um das Landtags-Direktmandat.

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Am Stadtrand von Kirchhain ist morgens um acht die Welt noch in Ordnung. Über dem Sandfang flattern ein paar Vögel, und nur ein Nilgans-Erpel beäugt aus sicherer Entfernung die Dehnübungen, mit denen Rose-Marie Lecher sich auf ihre morgendliche Nordic-Walking-Tour vorbereitet. Gewicht auf den rechten Fuß, das andere Bein durchgestreckt nach hinten, und immer schön die ganze Fußsohle auf den Boden. Das Ganze noch einmal andersherum, dann geht‘s los. „Meine Lieblingsstrecke“, sagt die Kirchhainerin, die beim Walken so viel über ihre Liebe zur Natur und ihre Sorge um den Naturschutz erzählt, dass sich eine Frage aufdrängt: Warum trieb es Rose-Marie Lecher zur CDU und nicht zu den Grünen?

Bio-Stunde trifft auf Sport-Stunde

Darüber muss sie selbst ein wenig lachen: „Ja klar, ich kam ja aus der Arbeit der Bürgerinitiative ,Schutz des Ohmtals‘ – da hätte das wirklich nahegelegen.“ Doch die Grünen seien damals ein „ziemlich chaotischer Haufen“ gewesen, also entschied sich die gelernte Industriekauffrau dafür, in den Reihen der CDU für die Belange von Umwelt- und Naturschutz zu kämpfen.
Und eigentlich, so erinnert sie sich beim Abbiegen auf einen Waldweg, war ja auch die Schulpolitik Auslöser für die Entscheidung, in die Politik zu gehen. Die Mutter zweier Kinder hatte sich ohnehin jahrelang in der Elternbeiratsarbeit engagiert, und so lag es nahe, dass sie sich auch in den Reihen der  CDU intensiv mit schulpolitischen Themen beschäftigen würde. Das tut sie heute noch — als entschiedene Gegnerin der „Einheitsschule“.
„Hören Sie mal, wie ruhig es hier um diese Zeit ist“, sagt Rose-Marie Lecher und gönnt ihren Walking-Stöcken eine Pause: „Das Geklacker auf dem Asphalt stört mich.“ Jedes Reh kenne sie hier, jeden Feldhasen: „Die brauchen 14 verschiedene Kräuter, um sich zu ernähren, darum müssen wir aufpassen, dass es nicht zu viele Monokulturen gibt.“ Da ist sie wieder, die grüne Schwarze aus Kirchhain, die in Richtung Stausebach deutet – auf die Baustelle der Biogasanlage, die vielleicht einmal mit genau jenen Wildkräutermischungen betrieben wird, die Feldhase und Co schmecken und die die Böden weniger auslaugen als Maiskulturen. So stellt Rose-Marie Lecher sich Naturschutz vor – mit Vernunft, Augenmaß und einer ökologisch-ökonomischen Win-Win-Situation. Vernunft und Augenmaß anstelle von Aktionismus und Zuspitzungen – das versucht die Christdemokratin ebenso zur Maxime politischen Agierens zu machen wie ihr Vorbild Angela Merkel: „Erst überlegen und dann handeln – so wie die Kanzlerin.“

Nach dem Walking zur Gymnastikgruppe

Der Walking-Weg führt jetzt vorbei an einem Rastplatz, der an jener Stelle zum Verweilen einlädt, an der im 14. Jahrhundert noch der Bartenhausener Müller seinem Handwerk nachging. Wenige Meter weiter – ein paar Meter Gleis, rostige Zeugen jener Zeiten vor 1972, als noch die Wohratalbahn zwischen Gemünden und Kirchhain verkehrte. „Der ländliche Raum, da müssen wir viel tun“, sagt Rose-Marie Lecher. Verkehrsanbindungen, Gesundheitsversorgung, weniger Bürokratie beim Denkmalschutz: „Wir müssen das Wohnen auf dem Land wieder attraktiv machen“, sagt die Kirchhainerin, die selbst nie ernsthaft in Erwägung gezogen hat, mit ihrer Familie Kirchhain zu verlassen. In die Ferne zog es sie allenfalls, als sie nach einer schweren Erkrankung ein Versprechen einlöste, das sie sich selbst gegeben hatte: „Ich bin mit meinen Kindern den Jakobsweg gegangen – von Südfrankreich bis nach Santiago de Compostela.“
Inzwischen hat sich am Sandfang die komplette Familie Nilgans zum Erpel gesellt, Hundebesitzer drehen ihre Runde im beliebten Naherholungsgebiet, Pendler radeln zur Arbeit – und Rose-Marie Lecher hat es jetzt eilig, ihre Walkingstöcke im Kofferraum zu verstauen. „Perfektes Timing, jetzt muss ich zu meiner Gymnastikgruppe“, sagt die langjährige Übungsleiterin im Dienst des Roten Kreuzes.
Über ihre Entscheidung, für den Landtag zu kandidieren, hat Rose-Marie Lecher vor lauter Naturschutz, Schulthemen, Strukturpolitik und Frauenthemen eine knappe Stunde lang nur wenig gesagt. Dass sie es im positiven Sinn als große Herausforderung betrachtet, um jede Wählerstimme zu kämpfen, ist ihr deutlich anzumerken – bis zum 22. September will sie an möglichst vielen Haustüren geklingelt haben, und sie arbeitet sich fleißig am Social-Media-Wahlkampf ab: „Ich bin da bisher nicht so firm gewesen, aber es ist wichtig – ich habe in 2
Wochen schon 250 Freunde bei Facebook eingesammelt.“

Der Fragebogen

Geburtsname: Koch
Alter: 63
Familienstand: verheiratet,  zwei Kinder
Geburtsort: Kirchhain
Erlernter Beruf: Industriekauffrau und Fremdsprachensekretärin
Auto: Mercedes Kombi
Zuletzt gelesen: Stolz und Vorurteil von Jane Austen
Vorbilder: Catherine Hepburn („Sie hat lange vor der  Frauenbewegung selbstbestimmt gelebt“), Angela
Merkel („Ich schätze ihren analytischen Verstand und den Verzicht auf Überreaktionen “), meine Großmutter („wegen ihres Lebensmottos ,Geht eine Tür zu, geht eine andere auf‘“).
 

Wo wären Sie der ideale Telefonjoker? Bei allen Dingen, die mit der Natur zu tun haben.
 

Wovon haben Sie überhaupt keine Ahnung? Von Popmusik und komischerweise – obwohl ich selbst viel Sport treibe – von Sport.

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