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Auf ein Läufchen mit Manuel Fenner

FDP-Kandidat im Portät Auf ein Läufchen mit Manuel Fenner

Etwas anderes wählen als die FDP? Das hat er noch nie gemacht, sagt Manuel Fenner. Jetzt will der 28-Jährige selbst gewählt werden. Er tritt als Direktkandidat im Wahlkreis 12 für den Hessischen Landtag an.

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Als Treffpunkt hat Manuel Fenner das Georg-Gaßmann-Stadion vorgeschlagen. „Ich würde gerne eine Runde mit Ihnen laufen gehen. Sport gehört zu meinen großen Hobbys“, hatte er gesagt, als der Termin für das Porträt vereinbart wurde. Was er da noch nicht verriet: Sport ist nicht nur ein Hobby, der 28-Jährige geht normalerweise fünf Mal pro Woche laufen und ins Fitnessstudio, hatte mal ein Probetraining bei den Footballspielern der Mercenaries und ist seit Anfang des Jahres zudem Personal Trainer.
Und so steht Fenner morgens um halb zehn in Sportklamotten und in – natürlich gelben – Sportschuhen vor dem Eingang, macht ein paar Dehnübungen und kommt auch nicht aus der Puste, als er während der Runden im Stadion von seinen politischen Ambitionen erzählt. Fenner kandidiert erstmals für den Hessischen Landtag, ist Direktkandidat der FDP für den Wahlkreis 12, der das Hinterland sowie Teile nördlich und südlich von Marburg umfasst.
Seit er 17 ist, ist Fenner Mitglied bei den Liberalen. Obwohl auch sein Vater bei der FDP ist, habe er sich damals die Programme aller Parteien angeschaut und verglichen. „Kurzzeitig habe ich auch mit der CDU geliebäugelt, aber dann gab es doch zu viele Punkte, in denen ich nicht übereingestimmt habe“, erinnert er sich. „Am Ende kam nur die FDP infrage.“
 

Keine leichte Entscheidung

Schon früh war Fenner in der Partei aktiv, wurde Europabeauftragter für den Kreis und schließlich stellvertretender Kreisvorsitzender. Heute ist er als Regionalbeauftragter für die Kreise Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und den Vogelsberg die Schnittstelle zwischen der Landtagsfraktion und den Parteien vor Ort. Dazu kommen die Planung von Veranstaltungen und die Pressearbeit für die Abgeordneten.
Die Landtagskandidatur hat er sich gut überlegt. Ganz leicht ist ihm das nicht gefallen. „Ich bin schließlich schon Mitarbeiter der Fraktion und wenn alles gut läuft, würde ich die Tätigkeit von Abgeordneten ablösen, für die ich jetzt auch arbeite.“ Lust, für den Landtag zu kandidieren, hatte er dagegen schon immer. Und nachdem er sich einmal dazu entschieden hatte, ist er mit der Entscheidung auch glücklich. „Wenn ich Entscheidungen treffe, dann stehe ich  dahinter“, sagt er.
Fragt man Fenner nach dem drängendsten Problem, ist er schnell wieder beim Thema Sport. „Wenn man sich so umschaut, sieht man schon bei Kindern extreme Schwankungen zwischen zu dick und zu dünn“, sagt er. Das werde das Gesundheitssystem künftig stark belasten. „Deshalb muss man da in die Vorsorge investieren.“ Wie das gehen soll? „Wir haben in Hessen ein super Vereinssystem, das muss sich nur mehr öffnen und Kinder ansprechen“, glaubt er. „Vielleicht auch mit staatlichen Förderprogrammen“.
Dass bei Fenner der Sport eine große Rolle spielt, verwundert nicht. Er hat schon immer viel Sport gemacht, als Jugendlicher fuhr er Mountainbike und Downhill-Rennen. Nach einer schweren Verletzung entschied er sich jedoch dafür, sich eine weniger gefährliche Sportart zu suchen – auch weil er etwa zeitgleich seine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann begann. So kam er zum Ausdauer- und Kraftsport. Und seit er seinen Trainerschein hat, hilft er auch mal in einem Fitnessstudio in seiner Heimatstadt Biedenkopf aus, wenn dort Not am Mann ist.
Auch die Mercenaries hätten ihn damals als Spieler genommen, doch Fenner entschied sich dagegen – zu gefährlich. Bei den Spielen ist er trotzdem oft dabei – wenn auch nur als Zuschauer. „Letzte Saison hatte ich eine Dauerkarte“, erzählt er.

Früher wollte er auswandern

Doch natürlich beschäftigen Fenner noch andere Themen. Der ländliche Raum zum Beispiel. „Wir brauchen eine viel stärkere Unterstützung des ländlichen Raumes“, sagt er. „Es gibt eine riesige Flucht in die Städte, gleichzeitig gibt es auf dem Land extremen Leerstand.“ Im Kreis Marburg-Biedenkopf sieht er ein zusätzliches Problem: „Der Landkreis hat kein Image, es fehlt ein Profil.“ Wetzlar zum Beispiel sei als Optik-Stadt bekannt, so etwas bräuchte auch der Landkreis. Etwas, das man sofort mit Marburg-Biedenkopf verbindet. Außerdem müssten der Ausbau der A49 und der A45 schnell vorangetrieben werden, um auch das Hinterland besser ans Autobahnnetz anzubinden.
Nach seinem politischen Vorbild gefragt, muss Fenner kurz überlegen. „Innerhalb der FDP wäre das sicher Guido Westerwelle“, sagt er dann. „Der hat gezeigt, dass man es auch mit einem ‚normalen‘ Schulabschluss bis zum Vizekanzler schaffen kann.“ Wie Westerwelle hat Fenner zunächst den Realschulabschluss gemacht. Nach seiner Ausbildung setzte er dann schließlich das Fachabitur obendrauf und studierte in Marburg Politikwissenschaften. Noch während seines Studiums wurde ihm der Job als Referent im Landtag angeboten, den er bis heute macht. Und auch wenn er bei all den Terminen und Veranstaltungen viel unterwegs ist – in Biedenkopf ist er trotzdem häufig anzutreffen. „Als Regionalbeauftragter kann ich auch viel von zu Hause arbeiten, da ist die FDP sehr flexibel.“ Fenner kommt das entgegen, hat er doch erst vor einiger Zeit in Biedenkopf ein Haus gekauft. „Beruflich bin ich flexibel, aber an die Region habe ich mich früh gebunden“, sagt er. Er sei einfach stolz, hier zu leben und fühle sich im Hinterland sehr wohl.
Bis er 25 war, sah das noch anders aus. „Damals konnte ich mir auch vorstellen, in die USA auszuwandern.“ Doch das habe sich erledigt. Und auch wenn Fenner mit 28 Jahren immer noch sehr jung ist, sagt er zum Abschied den Satz: „Mit dem Alter wird man einfach verbundener mit seiner Heimat. Und dann will man auch hierbleiben.“

Steckbrief:

Alter : 28 Jahre
Geburtsort: Marburg
Familienstand: ledig
Beruf: Referent
Was für ein Auto fahren Sie? VW Golf
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? „Total Recall“ von Arnold Schwarzenegger
Ihr politisches Vorbild? Guido Westerwelle
Für welches Themengebiet würden Sie sich bei „Wer wird Millionär“ eignen? Wirtschaft, Geografie, Sport
Wovon haben sie keine Ahnung? Von klassischer Musik. Aber da ich grundsätzlich neugierig bin, kann ich mich eigentlich in jedes Thema hineinarbeiten.

von Maren Schultz

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