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Altkreis Marburg entscheidet für Löber

Top 3 und Flop 3 der Wahllokale: Kandidaten im Vergleich Altkreis Marburg entscheidet für Löber

Bis ganz zum Schluss musste Angelika Löber zittern: Nach 23 Uhr am Sonntagabend stand fest, dass die Lahntalerin in den Hessischen Landtag einzieht.

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Ehrenworte, Hintertüren und eine Panne

Freudiges Warten: Angelika Löber und OP-Chefredakteur Christoph Linne erwarten die Ergebnisse aus den letzten Wahlbezirken.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Löber lag nach der Auszählung der Briefwahlstimmen in Biedenkopf 215 Stimmen vor dem Hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU). Ein Blick auf die stärksten Stimmbezirke zeigt, dass sie hier die Ergebnisse von Detlev Ruffert aus 2009 noch einmal steigern konnte – Schäfer, und das ist überraschend, holte zwar in seiner Heimatstadt Biedenkopf mit 49,3 Prozent der Stimmen sein bestes Ergebnis und blieb in den stärksten CDU-Stimmbezirken auf dem Niveau von Dr. Christean Wagner 2009, verlor aber im Altkreis Marburg mit Ausnahme von Münchhausen alle Städte und Gemeinden.

„Alle Gemeinden“ habe sie besucht, sagte Angelika Löber gestern zu den Gründen für ihren Wahlerfolg. Das sei nicht nur gut für den Wahlkampf gewesen, sondern auch wichtig für ihre künftige Arbeit im Parlament. „In einzelnen Gemeinden sieht man schon jetzt die Probleme, die der Bevölkerungsrückgang mit sich bringen kann, wenn man nicht gegensteuert“, sagt sie. Andere Dörfer seien besser aufgestellt, und es komme deswegen darauf an, genau diese Erfahrungen stärker in die Landespolitik einzubringen.

Heute ist die erste Fraktionssitzung der SPD in Wiesbaden. Löber glaubt nicht daran, dass es schon an die Verteilung der Arbeitsschwerpunkte in der künftigen Fraktion geht, ehe nicht klar ist, ob die SPD in eine Koalition geht (Löber: „Man muss Gesprächsbereitschaft mit allen demokratischen Parteien zeigen!“) oder in der Opposition bleibt. Die selber meldete gestern jedenfalls schon einmal an, dass sie gerne in den Themen Finanzen, struktureller Wandel und Bildung ihre Arbbeitsschwerpunkte hätte.

Der Wahlerfolg von Dr. Thomas Spies über Rose-Marie Lecher ist mit einem Wort zu erklären: Marburg. Hier setzte sich der SPD-Routinier mit 44,3 zu 28,2 Prozent deutlich durch.

Neben der Bekanntheit von Spies dürfte dabei sicherlich auch die Auseinandersetzung um das Universitätsklinikum eine Rolle gespielt haben. Rose-Marie Lecher gelang es nicht, die schon 2009 schwachen Ergebnisse von Frank Gotthardt in der Kernstadt zu steigern. Die Kirchhainerin setzte sich dafür in den CDU-Hochburgen Amöneburg, Stadtallendorf und Neustadt klar durch.

Noch anders formuliert: Ohne die Universitätsstadt Marburg hätte Spies das Direktmandat verloren, ohne Marburg lag das Stimmenverhältnis bei 12562:10933 zugunsten von Lecher. Das könnte für den stets sehr intellektuell auftretenden Spies dann zum Problem werden, wenn ihm irgendwann einmal die Stadt als Machtbasis wegbricht. Vor allem in Emsdorf, Spies‘ schlechtestem Wahlbezirk, wird die SPD zur Splitterpartei.

Gestern Landesvorstand, heute Fraktion, am Samstag Parteirat: Die Gremien der SPD - wie die der anderen Parteien auch - verschlingen viel Zeit in diesen Tagen. Spies selbst rechnet aber nicht damit, dass sich die Partei in dieser Woche schon positioniert: „Der Ball liegt im Feld der CDU, und wir haben noch unendlich viel Zeit“, sagt er.

Und dann erinnert er sich an das Jahr 2009, als das Land zwischen Ypsilanti-Desaster und Neuwahl ein gutes halbes Jahr mit wechselnden Mehrheiten regiert werden musste. „Ich persönlich finde, dass es schlimmeres gibt“, sagt Spies. Immerhin wurden in dieser Zeit die Studiengebühren in Hessen abgeschafft.

Hier können Sie weitere Ergebnisse erforschen:

Die Grafiken sind Screenshots aus der Wahlergebnis-Seite - Quelle: marburg-biedenkopf.de.

von Till Conrad

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