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Welcher Landrat löst das Gesundheitsproblem?

Eine Frage, sieben Antworten (Teil 1) Welcher Landrat löst das Gesundheitsproblem?

Die Frage: Welchen Beitrag leisten Sie als Landrat zum Erhalt der flächendeckenden ärztlichen Versorgung im Landkreis? Die sieben Landratskandidaten verfolgen teils ähnliche, teils unterschiedliche Ansätze.

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Quelle: Joerg Koch

Marburg. Anna Hofmann (32), Studentin, Die Linke:

Die Schließung der Bereitschaftsdienste war meines Erachtens nach nicht gesetzeskonform. Als Landrätin würde ich mit juristischen Mitteln gegen die Kassenärztliche Vereinigung vorgehen. Außerdem müsste der Rückkauf des Uniklinikums durch das Land Hessen endlich umgesetzt werden. Im Landkreis würde ich mehrere kommunale medizinische Versorgungszentren (MVZ) einrichten, um dem bereits akuten Haus- und Fachärztemangel zu begegnen. Denn nur in Marburg gibt es eine Überversorgung: In Biedenkopf sind Hausarztpraxen schon jetzt Mangelware. In Wetter sind über 50 Prozent der Hausärzte bereits im Rentenalter und finden keine Praxisnachfolger. Tun wir nichts, wird der Wohnort darüber entscheiden, ob man medizinisch gut oder schlecht versorgt wird. Die Nachbesetzungsprobleme bei Ärzten haben nur wenig mit Bereitschaftsdiensten zu tun: Junge Ärzte wollen vor allem ein gesichertes Einkommen, feste Arbeitszeiten, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Austausch mit Kollegen und nicht das Risiko einer Praxisneugründung tragen.

Jens Fricke (48), CNC-Fräser, Piratenpartei:

„Die flächendeckende und vor allem wohnortnahe ärztliche Versorgung im Landkreis kann nach derzeitigem Informationsstand in den nächsten Jahren nicht mehr als gegeben angesehen werden. Leider ist dies auch auf das Versagen der bislang im Kreis agierenden Verantwortlichen zurückzuführen, die die Versorgung der sogenannten ‚Gesundheitsregion‘ hauptsächlich als Wirtschaftsfaktor ansahen.

Um den staatlichen Versorgungsauftrag sowohl mit hausärztlichen wie auch bereitschaftsärztlichen Leistungen sicherzustellen beziehungsweise wieder herzustellen, müssen alle Beteiligten und Betroffenen auch über Kreisgrenzen hinweg – und zwingend unter Einbeziehung der Stadt Marburg – mittel- und langfristig gemeinschaftlich agieren. Eine öffentliche, ergebnisorientierte Moderation von Verhandlungen im Sinne der Bürger, die ihre Bedürfnisse zum Beispiel in Gladenbach und Biedenkopf eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht haben, sehe ich als eine der drängendsten Aufgaben des zukünftigen Landrates.“

Kirsten Fründt (46), Agraringenieurin, SPD:

„Die medizinische Versorgung ist für alle Menschen wichtig. Im Einsatz für kleinräumige Planungsbezirke müssen im Dialog mit den niedergelassenen Ärzten unsere Gemeinden bei ihren Aktivitäten zur Sicherung der ärztlichen Versorgung unterstützt werden. Neue Wege müssen gegangen werden, wie die Einrichtung ärztlicher Versorgungszentren sowie die Bildung und Ansiedlung von Ärztegemeinschaften. Auch über Gesundheitstreffs, aufsuchende Gesundheitsarbeit durch qualifizierte Praxishelfer, Telemedizin und mobile ärztliche Dienste müssen wir nachdenken. Wie können schon während des Studiums Anreize für die Übernahme von Landarztpraxen geschaffen werden?

Wichtig ist ein engerer Dialog, die Wiederbelebung der regionalen Gesundheitskonferenz und die Vernetzung mit allen Akteuren vor Ort, um eine angemessene Qualität medizinischer Versorgung wohnortnah gewährleisten zu können. Vorschläge wie die Disposition des ärztlichen Bereitschaftsdienstes über die Rettungsleitstellen müssen neu diskutiert werden.“

Karsten McGovern (49), Erster Kreisbeigeordneter, Grüne:

„1. werde ich als Landrat gegenüber der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung die Dringlichkeit einer guten Versorgung auf dem Land hervorheben und im Einzelfall einfordern. 2. soll das Gesundheitsamt weiter die Verantwortlichen bei der Suche eines Nachfolgers für einen Arztsitz unterstützen. 3. möchte ich die im Rahmen der Gesundheitsregion vorhandenen Ideen zukunftsfähiger ärztlicher Versorgung auf dem Land umsetzen helfen, indem für junge Ärzte attraktive Niederlassungsmöglichkeiten geschaffen werden und die Verzahnung von Medizin und Pflege gefördert wird. 4. soll der Landkreis weiter mit dem Fachbereich Medizin des Uniklinikums junge Medizinerinnen und Mediziner für die hausärztliche Versorgung auf dem Land gewinnen. 5. werde ich dafür eintreten, dass es die Krankenhäuser in der Region und ein funktionierendes Klinikum gibt. 6. soll die lokale Gesundheitskonferenz zu einem regelmäßigen Abstimmungsgremium in allen Fragen der medizinischen Versorgung ausgebaut werden.“

Kai-Uwe Spanka (49), Bürgermeister von Wetter, parteilos:

„Politik kann die Grundlagen für junge Ärzte auf dem Land schaffen. Die hausärztliche Versorgung muss dabei im Fokus stehen. Mit der Philipps-Universität Marburg würde ich eine noch engere Kooperation und vor allem Aufklärungsarbeit der angehenden Mediziner anstreben. Sie müssen von den Vorzügen unseres ländlichen Raums überzeugt und nicht nur immer mit den wenigen negativen Erscheinungsformen konfrontiert werden. Zusammen mit den betroffenen Kommunen müssen erweiterte Anreize geschaffen werden. Die weichen Faktoren wie Kinderbetreuung, Infrastruktur aber auch die Finanzierung einer Praxisübernahme spielen bei der Standortwahl eine entscheidende Rolle. In der obersten Pflicht sehe ich in dem Prozess die Kassenärztlichen Vereinigungen (Bund und Land). Sie haben über ihre Budgetierungen und Bedarfsplanungen die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein Hausbesuch des ‚Landarztes‘ muss entsprechend dem Aufwand abgerechnet werden. Dafür setze ich mich ein.“

Marian Zachow (34), Pfarrer, CDU:

„Ich möchte, dass auch in fünf, zehn und fünfzig Jahren alle Menschen im Landkreis leichten Zugang zu einem Hausarzt haben. Der Beruf des Landarztes muss wieder ein attraktiveres Image bekommen, denn er leistet neben klassischen Gesundheitsaufgaben wichtige Arbeit als Vertrauensperson. Die Politik in Berlin und Wiesbaden ist gefordert, etwa Stipendien für Medizinstudenten zu vergeben, die sich für eine spätere Tätigkeit auf dem Land verpflichten. Die Gesundheitsregion Marburg-Biedenkopf hat schon viele Maßnahmen verwirklicht, um für den Arztberuf auf dem Land zu werben. Weitere Ideen brauchen wir dringend. Denkbar wäre, Ärzte für mobile Sprechstunden in Dorfgemeinschaftshäusern zu gewinnen. Außerdem möchte ich Modellprojekte für ‚lokale Geldanlagen‘ entwickeln. Damit kann auch die Entstehung von Arztpraxen gefördert werden: Ich bin sicher, dass viele Menschen bereit sind, kleine Beträge in eine ‚Gesundheitsanleihe‘ zu investieren, aus der zinsgünstige Darlehen an Ärzte vergeben werden können.“

Mirco Rosenberger (43), Sozialhilfeempfänger, APPD:

„Wie kommen Sie darauf, etwas erhalten zu wollen, was schon lange nicht mehr existiert? Für den Wiederaufbau einer flächendeckenden medizinischen Versorgung in unseren ländlichen Regionen werde ich mich selbstverständlich mit aller Macht meines Amtes einsetzen. Hierzu werde ich durch tatkräftigen Bürokratieabbau in den Kassenärztlichen Vereinigungen die nötigen Mittel mobilisieren und durch einen kräftigen Griff in meine Amtsschatulle subventionieren. Dadurch werde ich engagierten Jungmedizinern ermöglichen, schuldenfrei Arztpraxen noch im hinterletzten Kuhkaff zu eröffnen, wo sie sich von wirtschaftlichen Zwängen unbedrängt ihren Patienten ausgiebig widmen können. An dieser Stelle bedanke ich mich ausdrücklich bei der Rhön Klinikum AG, die durch ihren effizienten Stellenabbau bereits eine Riege hochqualifizierter Mediziner für den Einsatz im Marburger Umland freigesetzt hat.“

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