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Landratswahl Was sehen Sie auf diesem Bild?

Im dritten Teil der Reihe "Was sehen Sie auf diesem Bild?" beschreiben die Landratskandidaten ein Foto von einem Misthaufen - und verraten ihre Gedanken zum Motiv.

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Welche Assoziation weckt der Anblick dieses Misthaufens bei den Landratskandidaten? Sie haben es uns verraten.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Karsten McGovern (49), Die Grünen, Erster Kreisbeigeordneter

„Wahrscheinlich kommt der gezeigte Mist aus einem kleineren landwirtschaftlichen Betrieb. Vielleicht von einem Milchbauern aus der Region, der dank der Initiative der Marburger Traditionsmolkerei jetzt wenigstens seine Kosten deckt und einen Überschuss erwirtschaftet. Wenn dann die Biomasse noch energetisch genutzt werden kann, ist das umso besser.

Mist wird auch in der Agrarpolitik produziert, die in den letzten Jahren dafür gesorgt hat, dass gerade die kleineren Betriebe gefährdet und damit die Landwirtschaft bei uns nicht hinreichend unterstützt wurde.

Ich wünsche mir, dass künftig bäuerliche Strukturen in der Landwirtschaft besser gefördert werden und ich möchte, dass der Landkreis die konventionellen und auch die Biobetriebe in der Region tatkräftig unterstützt, damit wir auch in Zukunft hochwertige, gesunde Lebensmittel aus der Region erhalten und die Landwirtschaft einen wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft behält.“

Kirsten Fründt (46), SPD, Agraringenieurin

„Dieser Pferdemisthaufen steht für eine nachhaltige Landwirtschaft. In ihr wird der Mist als Dünger eingesetzt, in den landwirtschaftlichen Kreislauf eingebracht. Also für eine Landwirtschaft, wie sie im Landkreis am häufigsten betrieben wird. Dieses Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens wünsche ich mir auch für die Kreispolitik. In vielen ländlichen Regionen Deutschlands – wie auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf – gab es früher den Brauch, demjenigen, der sich der Gemeinschaft gegenüber nicht fair verhalten hat, eine Fuhre Mist vor die Tür zu schütten. Als Rüge und Aufforderung, sich anders zu verhalten. Dies wird bei mir nicht notwendig sein, weil ich auch als Landrätin auf ehrliche Kommunikation achten werde. Ich will mit Ihnen Politik gestalten, diskutieren und gemeinsam umsetzen. Und schließlich: Die Politik im Landkreis muss zuverlässiger sein, als diese Bauernregel: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist.“

Mirco Rosenberger (43), APPD, Sozialhilfeempfänger

„Was ist das denn für ein Mist? Auf diesem Bild sehe ich einen ziemlich großen Misthaufen, über dessen Entstehungsgeschichte sich streiten ließe. Womöglich handelt es sich um den geistigen Auswurf, der naturgemäß in den universitären Räumlichkeiten entsteht, oder gar um die verbalen Ausscheidungen manch einer politischen Diskussion. Um jedoch die Verursacher dieses Mists ausfindig machen zu können, musste zunächst seine genaue Herkunft aufgedeckt werden. Ein Untersuchungsausschiss müsste entstehen, der darin wühlt, um die genauen Bestandteile dieses Mists zu analysieren und den Verursacher anschließend zur Rechenschaft zu ziehen. Darum APPD wählen. Bei uns ist der Mist wenigstens klar als solcher erkennbar.“

 Anna Hofmann (32), Die Linke, Studentin

„Für mich ist ein Misthaufen ein äußerst vertrauter Anblick, denn vom Balkon unseres Hauses konnte ich als Kind ständig auf einen blicken. Über Warzenbach hat man immer gespottet, dass es mehr Kühe als Menschen gäbe. Mittlerweile haben aber auch dort viele Bauern ihren Betrieb stillgelegt. Andere Familien mit Bauernhof müssen einem Nebenerwerb nachgehen, um überleben zu können.Viele werden im Einzelhandel ausgebeutet und füllen dann zusätzlich zur Hofarbeit die Regale bei Rewe für einen Sechs-Euro-Stundenlohn auf. Dabei ist das ,Bauernsterben‘ nicht einmal die Folge von zu trockenen Sommern, sondern einer verfehlten Politik zuzuschreiben, die ab den 1980ern eine massive Industrialisierung erzwungen hat. Eigentlich sollten die Bauern sich zusammenschließen, eine Genossenschaft gründen und mit ihrem Mist Energie erzeugen und von dem Schwung der erneuerbaren Energien profitieren. Denn gerade hier wäre die Errichtung einer Biogasanlage sinnvoll. Der Kreis sollte das subventionieren.“

Kai-Uwe Spanka (49), parteilos, Bürgermeister von Wetter

„Der Misthaufen ist für mich das Spiegelbild für die Wirtschaftskraft und die Vielfältigkeit unseres ländlichen Raums. Der Mist muss in Bewegung kommen! Festmistlagerung ist brach liegendes Kapital, unterliegt beschränkten Ausbringzeiten und muss teilweise mehrmals verladen und zwischengelagert werden. Aus dem Stall in die Biogasanlage liefert er Gas und im Rücklauf als Gärrest wieder wertvollen Dünger – der im Übrigen nicht stinkt. In Wetter wird die Energie aus zwei Biogasanlagen zu 100 Prozent genutzt und die Substrate bestehen heute schon zu einem größeren Teil aus verschiedenen Festmisten. Die Technik schreitet ständig voran und mit dem größer werdenden Anteil Mist und anderer Reststoffe schwindet der Anteil von Substraten wie Mais. EEG-Gesetzesnovellen, wie von der Bundesregierung angestrebt, sind der Untergang für diese innovativen Projekte im ländlichen Raum. Unsere Landwirtschaft braucht vernünftige Rahmenbedingungen, damit alle Betriebe, auch die Nebenbetriebe, existieren können.“

Jens Fricke (48), Piratenpartei, CNC-Fräser

„Bernd das Brot: ,Mist!‘ Es läuft vieles falsch, nicht nur in Bund und Ländern, sondern auch in der Kommunalpolitik. Das ist Mist. Aber es lässt sich ändern. Ein Anfang: Öffentlichkeit der Verwaltung und ihrer Prozesse herstellen; verkrustete Strukturen aufbrechen und ändern; Bürgerentscheide anregen und fördern; Aufgaben und die dazu erforderlichen Mittel dorthin verlagern, wo sie hingehören – nämlich in die Gemeinden. Anschließend möglichst gemeinsam und informiert die jeweils beste Entscheidung treffen, statt eine der Parteiräson entsprechende, ist dann eine Selbstverständlichkeit. Das Gute an Mist: In Mist steckt viel Energie! Nehmen wir einen Haufen Mist als Ansporn, nicht nur die Wende auf dem Energiesektor zu schaffen, sondern auch die Wende im Verhältnis zwischen Mensch und Politik. Da nicht nur auf dem Land immer wieder Mist produziert wird, ist dies eine Aufgabe für die Zukunft.“

Marian Zachow (34), CDU, Pfarrer

„Hier stinkt‘s, denkt man. Wenn wir von Mist reden, meinen wir oft etwas, was nicht mehr zu gebrauchen ist. Aber damit tut man dem Mist unrecht. Eigentlich ist so ein Haufen ein Wunderwerk. Dank der Gärprozesse kann daraus kostbarer Dünger werden – oder wertvolle Energie.

Was oberflächlich wie ein stinkender Haufen aussieht, ist also eine Kostbarkeit. Genauer Hinsehen lohnt sich! Darauf kommt es auch in der Politik an: Statt an der Oberfläche zu bleiben, will ich genauer hinsehen. Gute Politik beginnt für mich mit Zuhören. Ich will vor Ort herausfinden, was die Menschen bewegt. Denn dann lässt sich entdecken, dass aus vielem, was unangenehm erscheint, etwas Gutes werden kann.

Wie beim Mist geht das aber nicht von allein: Nur wenn jemand zupackt und den Mist aufs Feld oder in die Biogasanlage schaufelt, wird was draus! Ich bin sicher: Wie ein(e) tatkräftige(r) Landwirt(in) aus Mist Neues schafft, lassen sich auch in der Politik mit Zuhören und Zupacken aus Problemen Chancen machen!“

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