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Vom „Notnagel“ zur Landrätin

Kirsten Fründt Vom „Notnagel“ zur Landrätin

Auch wenn es nach dem ersten Wahlgang gar nicht mehr so unwahrscheinlich war: Der Sieg von Kirsten Fründt in der Landratswahl ist ein Paukenschlag, vor allem in dieser Deutlichkeit.

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Nach einem kurzen, intensiven Wahlkampf hat Kirsten Fründt, hier auf der Wahlparty gestern Abend im Kreishaus, gut lachen. Die 47-Jährige ist die neue Landrätin von Marburg-Biedenkopf.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Sie ist die erste Frau an der Spitze der Landkreisverwaltung und beendet damit als SPD-Frischling (Mitglied erst seit drei Jahren) das 18-jährige CDU-Abonnement auf den Landratsposten. Kirsten Fründt feierte am Sonntag einen Start-Ziel-Sieg und stemmte sich damit zugleich erfolgreich gegen den Trend der beiden anderen Wahlen. Ein Indiz, dass hier die Persönlichkeit und nicht die Parteizugehörigkeit honoriert wurde.

In Kirsten Fründt gewinnt ein Kandidatentyp, wie ihn sich viele Bürger heute offenbar in der Politik wünschen: freundlich und ungekünstelt, aufgeschlossen, aber bestimmt, kompetent, aber nicht machtbesessen und eher politischer Quereinsteiger als Parteisoldat. Dazu mit dem Mut, auch zuzugeben, wenn sie von einem Thema (noch) nicht so viel weiß. Diese Mischung hat die Mehrheit der Wähler am Sonntag offensichtlich überzeugt.

Mehr jedenfalls als die Vita ihres CDU-Herausforderers Marian Zachow, der trotz eines monatelangen und sehr auf­wendigen Haustür-Wahlkampfs am Ende klar den Kürzeren zog. Für ihn hat das zum Teil „mit dem Schwung des kurzen Wahlkampfs“ zu tun, wie er am Wahlabend sagte, und mit dem Geschlecht: „Sie hat auch dadurch gepunktet, dass sie eine Frau ist“.

Wahlsieg war nur Etappensieg

Doch, auch wenn es vielleicht komisch klingt: Die Wahl zu gewinnen war der einfachere Teil der Aufgabe, mit der Kirsten Fründt von den Wählern für die nächsten sechs Jahre beauftragt wurde.

Denn anders als der noch bis Ende Januar amtierende Landrat Robert Fischbach hat Kirsten Fründt - Stand Sonntagabend - keine Mehrheit im Kreistag hinter sich. Sie muss eine 1200 Mitarbeiter starke Verwaltung hinter sich bringen. Sie muss die aus dem Schutzschirm resultierenden finanziellen Sparvorgaben und Einschränkungen umsetzen, bei steigendem Bedarf an Mitteln in vielen Bereichen - von der Jugendarbeit bis zu Erhaltung der Straßen und Gebäude. Sie will als Landrätin die Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden verbessern, mehr Beratungsangebote bieten, aber auch Kompetenzen abgeben - alles möglichst im Konsens mit den Betroffenen.

Genau das, sagte sie im Wahlkampf, sei aber ihre Stärke: Miteinander im Team arbeiten, gemeinsam Ideen entwickeln, Freiräume lassen und Entscheidungsprozesse moderieren. Das wird sie auch müssen. „Durchregieren“, also als Kreisausschuss Anträge ins Parlament bringen und mit der Fraktionsmehrheit beschließen lassen, wie es in den vergangenen Jahren häufig praktiziert wurde, ist damit nicht möglich. Fründt muss sich Mehrheiten suchen, oder aber es müsste einen Wechsel von der derzeitigen Koalition mit CDU, Grünen und Freien Wählern in Richtung der SPD geben. Manche Aussage gestern lässt das nicht ganz unwahrscheinlich erscheinen.

Doch soweit wollte die 47-Jährige am Abend ihres größten Erfolges noch nicht denken. Bei der Wahlparty der OP im Kreishaus sagte sie, dass sie heute erstmal freinimmt: „Der Wahlkampf war kurz und heftig, ein bisschen Auszeit brauche ich jetzt.“

von Michael Agricola

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Ein Abend mit einer klaren Siegerin

Kirsten Fründt strahlt. Die frisch gewählte SPD-Landrätin ist die Gewinnerin des Abends. Bei allen anderen Kandidaten des großen Wahltags ist die Stimmung eher gedämpft. Es scheint ein bisschen so, als habe hier jeder verpasste Ziele zu beklagen.

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