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McGovern sorgt für Zündstoff

Stimmen zur Landratswahl McGovern sorgt für Zündstoff

Zufriedene Gesichter im SPD-Lager, Optimismus bei der CDU. Den größten Gesprächsstoff lieferte aber Dr. Karsten McGovern.

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Abgang eines Wahlverlierers: Dr. Karsten McGovern verlässt das Kreishaus, nachdem er die Stichwahl in zwei Wochen mit 21,6 Prozent der Stimmen verpasst hatte.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Vor allem der Auftritt des Grünen-Landratskandidat Dr. Karsten McGovern, dessen Wahlempfehlung für Marian Zachow und die Spitzen gegen den einstigen SPD-Kandidaten Michael Richter-Plettenberg bestimmten gestern Abend nach Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Endergebnis die Gespräche auf der Wahlparty im Landratsamt. „Da war mit Sicherheit auch ein bisschen Enttäuschung mit im Spiel“, sagte Dr. Thomas Spies. Eine Belastung des Verhältnisses zwischen Rot-Grün sieht der SPD-Landtagsabgeordnete aber nicht, ebenso wie die Grüne Spitzenkandidatin Angela Dorn. „Die vergangenen Wochen haben immer mehr gezeigt, dass die Menschen in Hessen einen Politikwechsel wollen. Das Ergebnis des ersten Durchgangs der Landratswahl bestärkt diesen Trend“, sagte Dorn.

 

Grüne verweisen auf die Koalition im Kreistag

Grünen-Bundestagskandidat Matthias Knoche sieht die Äußerungen als persönliche Meinung des Kandidaten McGovern. „Wir haben in der Partei kein Votum dazu abgegeben. Aber das brauchen wir auch nicht. Unsere Wähler sind klug genug eine eigene Meinung zu haben.“ Die Wahlempfehlung sei vielmehr der Ausdruck der Wertschätzung, „schließlich gab es in der Koalition eine jahrelange, gute Zusammenarbeit“.

Das sieht auch die grüne Kreis-Fraktionsvorsitzende Sandra Laaz so. „Es geht uns Grünen um Inhalte. Die haben wir auf Kreisebene zum Beispiel im Bereich der Energiewende mit der CDU sehr gut umgesetzt. Auf Landesebene läuft das nicht so.“ Trotzdem wollen sich die Grünen in den nächsten Tagen noch einmal intern in Ruhe beraten - auch über die Art und Weise von McGoverns Anspielungen auf die Gerüchten um den Rückzug von Richter-Plettenberg als Landrat-Kandidat. Gestern wollte sich von den Grünen dazu niemand näher äußern.

Christdemokrat Oliver Pohland hatte an eine Wahlempfehlung „geglaubt und auch erwartet, schließlich haben wir eine Koalition“. Der CDU-Kreisgeschäftsführer sieht aber nicht nur Wählerpotential bei den Grünen, sondern auch bei den Wählern des parteilosen Kandidaten Kai-Uwe Spanka. Und auch der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Dr. Christean Wagner, warb kurz nach dem vorläufigen Endergebnis um die Stimmen aus dem bürgerlichen Lager. „Kai-Uwe Spanka hat ein respektables Ergebnis erreicht. Jetzt liegt es an uns, diese Wähler zu überzeugen, dass Marian Zachow der richtige Kandidat bei der Stichwahl ist.“

Für den SPD-Bundestagskandidaten Sören Bartol geht es in den nächsten zwei Wochen Wahlkampf jetzt vor allem darum, die Nicht-Wähler zu mobilisieren und die „Position der Gewinnerin der Stichwahl gegenüber Marian Zachow auszubauen. Wir werden alle dafür kämpfen, dass die Landratswahl im Vergleich zur Landtags- und Bundestagswahl nicht untergeht“, sagte Bartol.

Der scheidende Landrat Robert Fischbach (CDU) geht von anderen Voraussetzungen in zwei Wochen aus. „Es wird eine ganz knappe Entscheidung. Ich wünsche wir, dass Marian Zachow sich am Ende durchsetzen kann.“

Der FDP-Kreisvorsitzende Jörg Behlen fährt andere Geschütze auf. Dr. Karsten McGovern hält er als Ersten Kreisbeigeordneten für nicht mehr tragbar. Wenn die CDU nach Fründts endgültigen Wahlsieg in 14 Tagen wenigstens den Ersten Beigeordneten stellen möchte, empfiehlt er eine „große Koalition“ und damit verbunden die gemeinsame Abwahl von McGovern. Bereits vor der Wahl hatten die Jungliberalen dazu aufgerufen, Fründt zu unterstützen.

Jan Schalauske, Vorsitzender der Linken im Landkreis Marburg-Biedenkopf, bescheinigt Anna Hofmann einen engagierten Wahlkampf, in dem wichtige soziale Themen im Vordergrund standen. Er sei aber Realist genug, um einzugestehen, dass vornehmlich die Personen gewählt wurden, die von den Wählern auch eine reelle Siegeschance eingeräumt bekamen. Von daher ist er sich sicher, dass in 14 Tagen das linke Wählerpotenzial vermehrt an die Urne treten wird, weil es in Wiesbaden und Berlin dann um den Einzug der Linken in die entsprechenden Parlamente gehe.

von Götz Schaub und Andreas Arlt

Jens Fricke (Die Piraten): „Was die ersten vier Plätze angeht, ist das das von mir erwartete Ergebnis. Bei sieben Kandidaten hatte ich mir allerdings eine deutlich höhere Wahlbeteiligung versprochen. Mit meinem persönlichen Ergebnis bin ich durchaus zufrieden. Mein Ziel, mehr als doppelt so viele Stimmen als der Kandidat der APPD zu bekommen, habe ich erreicht. Unsere Aufgabe als Piraten wird es sein, dem künftigen Landrat beziehungsweise der künftigen Landrätin ganz genau auf die Finger zu schauen. Wenn ich ehrlich bin, wäre mir an der Spitze des Landkreises ein politischer Richtungswechsel schon lieber.

Dr. Karsten McGovern (Bündnis 90/Die Grünen): Mir gehen jetzt gerade sehr viele Dinge im Kopf herum. Es ist ein besonderes Ereignis jetzt nach der Wahl hier im Kreishaus zu stehen. Ich bedanke mich bei jenen Wählern, die mich für meine Arbeit, darunter zehn Jahre als Erster Kreisbeigeordneter, gewertschätzt haben. Wenn man das Ergebnis rein parteipolitisch sieht, ist es sicher ein gutes Ergebnis. Im Rahmen der Koalitionsgespräche haben wir immer gesagt, dass wir füreinander einstehen werden. Deshalb werde ich jetzt meine Wähler dazu aufrufen, CDU-Kandidat Marian Zachow in der Stichwahl zu unterstützen.

Kai-Uwe Spanka (parteilos): Ich habe von Beginn an gesagt, dass ich für parteiunabhängige Wähler eine Alternative sein möchte. So hatten wir dann auch eine breite Palette an Kandidaten, die Bürger hatten eine echte Auswahl. Auch wenn ich mir persönlich meine Säule noch etwas weiter oben gewünscht hätte, weiß ich auch, dass ich weich falle. Ich werde mich jetzt weiter als Bürgermeister in Wetter voll einbringen. Eine Wahlempfehlung wird es von mir als unparteilichen Kandidaten konsequenterweise nicht geben. Ich weiß aber, dass ich als Bürgermeister sicher mit beiden sehr gut zusammenarbeiten kann.

Kirsten Fründt (SPD): Ja, ich bin mit aller Kraft auf den Zug aufgesprungen. Was ich mit meiner Partei erreicht habe, kann sich sehen lassen, ist aber auch nur ein Etappensieg. Das heißt, ich werde mich jetzt nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern in den kommenden zwei Wochen einen intensiven, aber ganz sicher weiterhin fairen Wahlkampf führen. Wir werden sehen, ob McGoverns Wahlempfehlung (Zachow) dann noch Früchte trägt. Für mich geht es jetzt darum, alle Wähler für das Ziel Landrätin zu mobilisieren. Mit Spannung habe ich das Einzelergebnis aus Marburg erwartet. Ich bin sehr glücklich darüber, wie es ausgefallen ist.

Marian Zachow (CDU): Ich wusste stets eine großartige Partei hinter mir und habe in der Tat viele Menschen direkt besucht und den persönlichen Kontakt gesucht. Ich freue mich über mein Ergebnis, mit dem ich in die Stichwahl gehe. Wie Frau Fründt werde auch ich in den nächsten zwei Wochen einen intensiven, aber auch immer fairen Wahlkampf führen. Mir ist bewusst, dass die Wahl nur dadurch zu gewinnen ist, Menschen von sich zu überzeugen. Ich glaube schon, dass mich die Kandidatur des parteiunabhängigen Bürgermeisters Kai-Uwe Spanka einige Stimmen gekostet hat, die ich jetzt gerne gewinnen möchte.

Anna Hofmann (Die Linke): Was das persönliche Ergebnis angeht, war nicht mehr zu erwarten. Mir war es allerdings als Kandidatin wichtig, unsere Themen in den Landratswahlkampf mit einzubringen. Wir als Partei werden den künftigen Landrat daran messen, welche Versprechen im sozialen Sektor auch wirklich umgesetzt werden. Ich hätte als einzige Kandidatin auch als Landrätin den Weg des zivilen Ungehorsams gesucht, um auch die zahlreichen Defizite aufmerksam zu machen. Die medizinische Versorgung und die Verbesserung des Nahverkehrs im Hinterland bleiben beispielsweise wichtige Themen.Interviews:Götz Schaub

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