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Marian Zachow fühlt sich nicht nur als Pfarrer berufen

Kandidat im Porträt Marian Zachow fühlt sich nicht nur als Pfarrer berufen

„Als Christen haben wir eine besondere Verantwortung in dieser Welt“, sagt Pfarrer und Landratskandidat Marian Zachow. Seiner Aufgabe will er in der einen oder anderen 
Funktion gerecht werden.

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Kirsten Fründt hat 
Spaß am Mitgestalten

Die beiden Landratswahl-Finalisten im OP-Interview.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Von sieben Bewerbern haben sie es in die Endrunde geschafft: Am 22. September entscheiden die Bürger, wer ins Kreishaus einzieht. Vor der Stichwahl präsentieren wir Ihnen  Kirsten Fründt (SPD) oder Marian Zachow (CDU) die beiden Finalisten in Einzelporträts.

Direkt nach dem Gespräch für diesen Artikel muss Marian Zachow los nach Biedenkopf. Dort war er im Wahlkampf schon mehrfach zu Gast. In vielen anderen Orten im Landkreis auch. Seit Monaten klingelt der Theologe fast täglich an fremden Haustüren und wirbt um Stimmen. Sogar Hülshof, das kleinste Dorf im Landkreis mit nur fünf Höfen, steht in den Tagen bis zur Stichwahl noch auf seiner Liste. „Dabei geht‘s mir aber nicht nur darum, mich vorzustellen. Sondern auch darum, die Dörfer besser kennenzulernen“, erklärt Zachow, der sich für diese aufwändige Variante des Wahlkampfs entschieden hat, um mit vielen Menschen in direkten Kontakt zu kommen.

Die Gespräche am Gartenzaun, Zuhören, wenn Menschen darüber reden wollen, welche Probleme es in ihrem Ort gerade gibt – das ist nichts Neues für den Theologen. Das ist das, worin er als Pfarrer in Caldern und zuvor als Vikar in Cölbe jahrelange Erfahrungen gesammelt hat. Der 34-Jährige sieht auch Parallelen zwischen der Arbeit eines Landrats und der eines Pfarrers. „Die vielen Termine beispielsweise, der ständige Wechsel zwischen Arbeit am Schreibtisch und den unterschiedlichen Kontakten zu den Menschen“, zählt er auf. „Und bei beiden Berufen geht‘s ums Zuhören und Zusammenführen von Ideen.“ Auf die Aufgaben, die ab Februar 2014 auf ihn zukommen, sollte er zum Landrat gewählt werden, freut er sich.

Der Pfarrer trennt zwischen Dienst und privatem Engagement

„Ich bringe ja auch schon viele politische Erfahrungen mit“, betont er und berichtet, dass er sich schon als Jugendlicher in der Schülerunion engagiert hat, auf Orts- und auch auf Bundesebene. Dass er über ein gutes politisches Netzwerk verfügt, unter anderem noch aus der Zeit als Kreistagsabgeordneter. Seinen Sitz im Kreisparlament gab Zachow auf Wunsch seines Arbeitgebers auf, als er vor vier Jahren in den Kirchendienst eintrat. „Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, dass das doch gut war für die Zeit des Vikariats, bei der vielen Arbeit, die dann auch anstand.“

Für sich selbst hat der Pfarrer schon vor vielen Jahren einen Weg gefunden, um zu trennen zwischen politischem und privatem Engagement auf der einen Seite und dem Dienst als Pfarrer auf der anderen: Unterwegs im Kirchendienst trägt Zachow eine Krawatte (wenn er nicht sowieso im Talar ist). Und der politische Zachow schmückt sich mit Fliege. „Die Fliege war früher für mich eher so eine modische Entscheidung, ich fand sie einfach oftmals schicker als einen Schlips“, sagt der 34-Jährige, der über ein Sortiment von jeweils gut 20 Fliegen und Krawatten verfügt.
Zum Dienst für die Kirche fühlt sich Zachow schon seit Jugendtagen berufen. Er denkt zurück an die beiden Pfarrer, die er als Konfirmand kennengelernt hat – 
„ganz unterschiedliche Typen, der eine sehr volksnah 
mit seiner Gitarre, der andere eher verkopft, aber beide strahlten eine tiefe Zufriedenheit aus. Das hat mich beeindruckt.“ Er selbst habe schon früh gemerkt, dass „der Glaube ihn trägt“.

Egal, wie persönlich die Fragen werden, der 34-Jährige wirkt wie eingehüllt in professionelle Distanz. Aufgeregt wirkt er selten bis nie. „Da erkundigen Sie sich lieber mal bei meiner Freundin, wie hektisch ich manchmal bin“, sagt er und strahlt dabei Ruhe und Abstand aus. Auf manchen mag er ungewöhnlich reif und gesetzt wirken für sein noch junges Alter, „das liegt vielleicht auch am Beruf“, erklärt der Theologe und erinnert sich an den Tod seines Großvaters vor einigen Monaten. „Da hab ich gemerkt, dass ich anders mit Trauer und Abschied umgehe als andere Menschen, selbst als andere, die schon viel älter sind als ich“, bekennt er.

Zachows Freundin ist ebenfalls Pfarrerin

Als Pfarrer auszuscheiden, das Chefbüro im Kreishaus zu beziehen und fortan als Landrat zu arbeiten – Zachow ist vor all diesen und den vielen weiteren Schritten, die folgen würden, nicht bange. „Wenn man sich erst für eine Kandidatur entscheidet und die Wahl auch gewinnen will, dann hat man sich doch damit schon auseinandergesetzt.“

Für den Dienst als Landrat würde er sich in gleichem Maße „berufen“ fühlen wie für den als Pfarrer – und wenn‘s mit der Wahl am 22. September nicht klappt? „Dann habe ich ja schon einen schönen Beruf“, sagt er und ergänzt: „Ich bin aber auch jung genug, um jetzt Landrat zu werden und später wieder als Pfarrer zu arbeiten.“

Privat wünscht sich Zachow eine Familie. Seine Freundin, die eine Berufskollegin ist, lebt in Heidelberg. Bei 
ihrem Partner ins Calderner Pfarrhaus einziehen könnte sie derzeit nicht – erst müssten die beiden heiraten. Die Kirche verlangt das so. Zwei bis vier Kinder will der 34-Jährige einmal haben – er selbst ist Einzelkind.

Ein Tischchen, zwei Regale, eine Kommode und zwei schwarze Ledersofas. „Sie 
 sehen, hier gibt‘s noch gar nicht so viel“, sagt 
Zachow und eilt von seinem Wohnzimmer zurück in die Küche, um Kaffee zu holen. Und Milch. Bestimmt die aus der Marburger Traditionsmolkerei. Zachow wird unsicher. „Da muss ich erst schauen, ob die noch gut ist“, erklärt er und kommt kurz darauf mit einer Packung der heimischen Milch zurück. 
„Leider nicht mehr frisch, aber ich wollte wenigstens den Nachweis erbringen, dass ich diese Milch kaufe“, sagt er und kommt mit einem Päckchen Kondensmilch von Aldi wieder. 
Er selbst trinkt seinen Kaffee schwarz.

von Carina Becker

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